Corona Diary – Problemfall Ostern

Samstag. Von einem Hügel auf den nächsten, einmal quer durch Tübingen laufen: mit Mecki & familiy quatschen, Kuchen essen, Birkensaft (!) trinken, die Aussicht im Freien genießen. Mehr denn je checken wir in Coronazeiten unsere Bewegung. Unsere sozialen Kontakte. Unsere Ernährung. Selbstverständlichkeiten rücken plötzlich dominant ins Bewusstsein.
Manche sprühen sich Chlorhexidin in den Rachen und halten sich für immunisiert gegen Covid. Tübingen ist voll, quillt über von Menschen. Sie kommen aus allen Bundesländern, lassen sich testen und fluten Geschäfte und Straßen (und den Campingplatz mit Kleinbussen). Gibts ja sonst nirgendwo: Das normale Leben. Auch abends Hight Life, die kleinsten Kneipen stellen Tische und Stühle auf die Gehwege, die Leute mummeln sich in Decken ein und genießen Pizza, kaltes Bier, zusammen Lachen und Reden wie Geschenke.
Die Sonne brezelt durch wilde Wolken, es ist stürmisch, manchmal fallen Hagelkörner oder Regentropfen vom Himmel auf sommerlich gekleidete Menschen. Corona drängt sie, uns vorwärts. Man will nichts lieber als hinter sich bringen: den Scheißwinter, das Scheißvirus, die Scheißeinschränkungen, die Scheißeinsamkeit, den Scheißhomeoffice. Die Scheißinzidenzwerte, die Scheißnachrichten, die Scheißeinseitigkeit – als gäbe es nur noch ein Thema. Gibt es ja auch. …
Tübingen ist gerade in aller Munde, Merkel verkündet letzte Woche im Bundestag, jede Stadt könnte es genauso machen wie Tübingen.
Davor stehen allerdings neue Beschränkungen oder Lockerungen, was die Osterfeiertage betrifft. Nach den jüngsten chaotischen Entscheidungen (Gründonnerstag – Ruhetag) ist das alles noch offen und muss in der Ministerrunde AUSDISKUTIERT werden. Sicher ist: der sog. Tübinger Weg geht in die Verlängerung, gilt aber wg. Überlastungsgefahr über die Ostertage nur für Kreisbürger*innen und nicht für Tagestourist*innen (wer kontrolliert das wie?).
Vor allem Familientreffen, aber auch Gottesdienste und geöffnete Geschäfte / Restaurants sind Hot Spots, heißt Gefahr! Und was geht denn über einen Osterspaziergang zu zweit oder zu dritt oder zu fünft? Old Goethe hat’s auf den Punkt gebracht … immer schön geschmeidig bleiben … wie wild es auch kommt … Hauptsache: vorwärts streben ..