Corona Diary – Über

Nie oder selten gebraucht: eine Daunenjacke, Sektgläser, Bücher, Schuhe, eine Handvoll Lidschatten. Ich stelle die Sachen vor die Haustür und gehe weiter zur Post und zu Rewe. Als ich eine halbe Stunde später zurückkomme, ist schon alles weg. In der Kiste nur ne leere Bäckertüte. Ich fische sie raus und knülle sie zu einem wütenden Ball zusammen. Ich bin so gekränkt, dass ich am liebsten losjumpen und der Absahnerin – es kann nur eine Frau sein – die Meinung geigen würde. Meinung? Wegreißen würde ich ihr die Jacke, meine Jacke, mit böser Freude die Gläser, meine Gläser, auf der Straße zertrümmern, mich umdrehen und ab! Ich kriege kaum Luft, ich pfeffere den Papierball in die Biotonne auf stinkende Essreste und schlage den Deckel zu, ich muss mich abregen, ich reagiere über, sage ich mir, hallo, du reagierst über, ich schließe die Haustür auf und reagiere immer noch über und bin sauer auf den langsamen Fahrstuhl und auf die Kuh, die alles mitnimmt und mir ihren Müll hinterlässt, ich bin sauer auf mein Sauersein, auf meine miese Laune und auf den Abend, der kein guter Abend mehr wird.