Freitag. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gibt es keine Atemschutzmasken mehr für das Krankenhauspersonal. Derweil steigt die Zahl der positiv Getesteten rasant an: allein im Bundesstaat New York innerhalb eines Tages um mehr als 10.000 auf insgesamt 102.863 und die Zahl der Toten um 562 auf fast 3000.
Man sieht Bilder von weinenden Krankenschwestern und verzweifelten Ärzten, die auf die Straße gehen und von katastrophalen Missständen in ihren Kliniken berichten. Auf der heutigen Pressekonferenz des Weißen Hauses über die Coronakrise verkündet Cowboy Trump, dass Amerika, also er, die Lage unter Kontrolle habe. Nebenbei freut er sich über seine Popularität auf Facebook: „Number one on Facebook. Did you know I was number one on Facebook? I just found out I’m number one on Facebook.“
In Sachen Virusmanagement ist Trump in seinem Element: Gestern soll Amerika eine chinesische Lieferung von medizinischen Schutzmasken, die für Frankreich bestimmt war, kurzerhand auf dem Rollfeld von Shanghai abgegriffen haben. Mit bündelweise Bargeld sollen die Lieferflugzeuge dazu gebracht worden sein, statt nach Frankreich in die Vereinigten Staaten zu fliegen. Heute hat auch Deutschland die amerikanische Maskenpiraterie zu spüren bekommen: Eine Lieferung von 200.000 Stück, die für die Berliner Polizei bestimmt war, ist in Bangkok von den USA konfisziert worden.
„So geht man mit transatlantischen Partnern nicht um. Auch in globalen Krisenzeiten sollten keine Wildwest-Methoden herrschen“, wird Berlins Innensenator Andreas Geisel zitiert; die Bundesregierung müsse bei den USA auf die Einhaltung internationaler Regeln dringen.
Ganz unzynisch verkündet gestern die Kanzlerin der Nation, das Virus kenne keine Feiertage. Empathisch wie ein Pfannkuchen appelliert sie an unsere Vernunft, auch an Ostern auf Verwandtenbesuche zu verzichten.
Ostern – ein Tag wie jeder andere? Wo man sich gerade jetzt nach Wandel, nach Aufbruch in eine erneuerte Welt sehnt! Innerhalb von acht Wochen hat sich das Leben so zusammengezogen, dass ich morgens beim Aufwachen glaube im falschen Film zu sein. Wir haben uns unverletzlich gefühlt. Jetzt kommt so ein klitzekleines Virus um die Ecke, snakt sich durch unser schönes Leben und das Gewebe der Schutzmasken und zeigt uns, wo unser Platz ist.