In den sozialen Medien wird berichtet, dass Aminis Kopf nach der Festnahme im Polizeiauto gegen die Scheibe geschlagen worden sei, das habe zu einer Hirnblutung geführt. Die Polizei dementiert diese Darstellung. Die Klinik, in der die 22-Jährige behandelt worden ist, hat nach ihrem Tod einen – inzwischen gelöschten – Post bei Instagram veröffentlicht: Amini sei bereits bei der Aufnahme am Dienstag hirntot gewesen!
Der Teheraner Polizeichef Hussein Rahimi weist jede Schuld am Tod der jungen Frau von sich. »Es ist gesetzlich nun mal unsere Aufgabe, Frauen an die Kleidervorschriften zu erinnern«, versteckt er sich hinter dem Regelwerk einer menschenverachtenden Theokratie.
Seit Tagen treibt der Fall Amini tausende Männer und Frauen auf die Straße. Frauen verbrennen ihren Hidschab, schneiden sich öffentlich die Haare ab, oder sie zeigen sich unverschleiert in den sozialen Medien. Sie überwinden ihre Angst vor dem brutalen Vorgehen der bewaffneten Revolutionsgarden und Geheimdienstler und lassen ihrem Hass auf ein frauenfeindliches Terrorregime freien Lauf.
Die Darstellungen decken sich hundertprozentig mit denen meiner ehemaligen Mitbewohnerin Sediq (Name geändert). An einen gesellschaftlichen und politischen Wandel im verlogenen Mullah-System glaubt sie schon lange nicht mehr. Weshalb sie ihrem Heimatland Iran endgültig den Rücken gekehrt hat.
Amnesty International hat eine Untersuchung der Todesursache im Fall Mahsa Amini gefordert.
Der Fall Mahsa Amini
Mittwoch. Am Dienstag, den 13. September, wurde die 22-jährige Mahsa Amini von iranischen Religionspolizisten festgenommen. Ihr Vergehen: Unter ihrem Kopftuch waren Haarsträhnen zu sehen. Ihr offizielles Verbrechen: Unislamische Kleidung. Amini war gerade auf Verwandtenbesuch. Auf der Wache sei sie laut Polizeibericht über islamische Kleidervorschriften belehrt worden. Drei Tage später, am Freitag, wurde sie für tot erklärt. Offenbar starb sie jedoch direkt am Dienstag – an einem Schlag auf den Kopf.