Ein Juso denkt sozialistisch

Donnerstag. Ein bayrischer Rentner hat Käse für 4,55 € geklaut. Der 87-Jährige wurde erwischt, heute erhält er sein Urteil: drei Monate auf Bewährung. Der Mann lebt von 200 € im Monat, er habe Hunger gehabt, sagt er.
Was sind wir für ein beschissenes Land geworden. Der bayrische „Mundräuber“ gehört zu den drei Millionen Rentner*innen in Deutschland, die als armuts“-gefährdet“ gelten, Tendenz steigend. Die vielen Langzeitarbeitslosen und Menschen aus dem Niedriglohnsektor kommen allmählich ins Rentenalter und müssen gucken, wie sie zurecht kommen. Die Gefängnisse stellen sich darauf ein: neuerdings gibt es Seniorentrakte mit Rampen für Rollstühle und Rollatoren.
Kevin Kühnerts kapitalismuskritischer Vorstoß zum 1. Mai, Wohneigentum solle nur noch dem Wohnen dienen und nicht der Kapitalmaximierung, und Großfirmen wie BMW sollen vergenossenschaftlicht werden, hat Parteipolitiker und Journalisten aller Couleur dermaßen verschreckt, dass sogar die Nachrichten darüber berichten. Dabei müsste gerade die SPD froh sein, dass einer von ihnen endlich mal wieder sozialdemokratische Positionen zur Diskussion stellt.
Kühnert ist auf dem richtigen Weg. Die Diskussion muss in sämtliche denkbare Richtungen geöffnet werden, wenn wir uns als Gesellschaft aus dem Schlamassel befreien und unseren Nachkommen eine erträgliche Perspektive ermöglichen wollen. Ganz zu schweigen von unseren Alten.