Essen, trinken, reden

Sonntag. Wer im Alten Fritz essen geht, hat entweder viel Geduld oder er ist einer, der rechtzeitig plant. Da ich zu spät an die Tischreservierung gedacht habe, müssen wir spontan auf die Restaurantterrasse kommen, wo nicht reserviert wird. Die Schlange auf der Treppe nach oben ist lang, aber nicht aussichtslos. Nach einer Viertelstunde wird ein Fünfsitzer frei, und wenige Minuten später kommen Steve, T. und seine italienische Freundin E. (oder nicht Freundin, wir sind uns da immer noch nicht sicher) dazu. Das Essen ist gut, es gibt viel zu lachen und zu erzählen und das Beste ist das hausgemachte Cassata. PM, der auf atmosphärische Störungen schnell reagiert und sie auch schnell in Worte umsetzt, sagt, dass es ihm zu stressig hier sei. Jetzt realisiere ich es auch: Es gibt nur einen einzigen Kellner auf der ganzen Terrasse, und der ist am Ende seiner Kräfte, während die Schlange auf der Treppe immer noch wächst.
Später wechseln wir in die Tangente. Obwohl die Innenstadt brummt wg dem Triathlon am nächsten Tag und überall die Absperrungen und Tribünen aufgebaut werden, geht hier alles relaxed und freundlich zu – wie bei den überquellenden Mülleimern in den Straßen, zu deren Füßen sich der Abfall von Tausenden Touristen geordnet versammelt. Ein geradezu ikonisches Bild. Die Glocken der Stiftskirche läuten Mitternacht. Wir sitzen immer noch draußen, auch die Treppe vor der Kirche voller Menschen, die quatschen und trinken und sich am schönen Mond erfreuen.
Das ist Tübingen.