Gier

Venezuela hat die höchsten Erdöl-Reserven der Welt.
Jetzt können wir aus der Ferne beobachten, was wir schon x-mal beobachtet haben: Die USA befeuern die landesinternen Aufstände gegen den demokratisch gewählten Präsidenten Maduro, verschärfen die Sanktionen (warum? Die Bilder jedenfalls sprechen für eine Demonstrationsfreiheit in Venezuela, wie es sie in Saudi Arabien niemals geben könnte), lassen das Land aushungern, indem sie humanitäre Hilfsmittel in Erpressermanier instrumentalisieren, und Trump denkt schon mal laut über militärische Mittel nach.
Noch bevor in Venezuela die Zeichen auf Neuwahlen standen, anerkannten die USA Juan Guaidó als Zwischenpräsidenten, ungeachtet der Tatsache, dass sie damit auf einen der Öffentlichkeit vollkommen unbekannten Helden setzten. Die Vorbereitungen für den Schlag gegen Maduro wurden von langer Hand getroffen – in Washington, nicht in Caracas:
Noch spät in der Nacht vor dessen öffentlichem Auftritt hatte US-Vizepräsident Mike Pence Guaidó angerufen und „Washingtons Unterstützung versprochen, wenn er sich zum amtierenden Staatschef erkläre.“ (FAZ, 28.01.19)
Ist die Zeit reif für einen weiteren Regime-Change? Fallen die westlichen Wertegesellschaften ein weiteres Mal auf die Argumentation der selbsternannten Welt- und Wertepolizei herein, es handle sich bei dem Sturz Maduros um die moralische Unterstützung eines unterdrückten Volkes gegen seinen Tyrannen?
Momentan bemühen sich die USA sehr um Gesichtswahrung, denn sowohl in den USA als auch in Europa mehren sich die Stimmen, der hochgezüchtete Interimspräsident sei nichts anderes als eine „Marionette der Gringo-Putschisten“ (FAZ).
Fazit: Wie glücklich können wir Europäer uns schätzen, dass wir – anders als Venezuela – über keine Ölreserven verfügen. Zum Beispiel Macrons Tage würden gezählt sein, wenn er wieder mal die Aufstände der Gelbwesten niederschlagen lässt.