Mittwoch, Eisenach. Gotha ist das gesellschaftliche Kontrastprogramm zu Eisenach. C. und R. erwarten uns schon an der gedeckten Kaffeetafel in ihrem prachtvollen Garten. Auch sie alte Freunde von PM – PMs Freunde sind auch meine Freunde, und ich bin sehr gespannt auf die beiden. C. war einst Pionierführerin, irgendwie kann man sich das immer noch bestens vorstellen. Während der kurzen Zeit unseres Besuches kommen ständig Nachbarskinder in den Garten, um in ihren Pool zu springen. Mit den nassen Badeklamotten laufen sie ins Haus, holen sich Kuchen und Saft aus der Küche und scheinen sich wie zuhause zu fühlen. C. und R. teilen, was sie haben, mit unprätentiöser Selbstverständlichkeit. Sie sammeln Oldtimer, von denen jeder soviel kostet wie ein Eigenheim. Damit fahren wir abends zu einem Gartenlokal raus. Ich sitze auf dem Beifahrersitz eines BMW 327 Cabrio, BJ 1940, wir fahren mit offenem Verdeck, das ist mal great! R. freut sich, dass ich mich freue. R. und C. sind beide schwerkrank. Sie machen sich das Leben schön, sie genießen die kleinen Freuden und jeden Tag, den sie lebend überstehen. Aus unterschiedlichen Gründen haben beide ununterbrochen Schmerzen, die sie in ihren Alltag zu integrieren gelernt haben. Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel, wie man so sagt. Sie freuen sich an dem, was sie haben, ohne damit zu protzen. Sie wissen besser als andere, wie schnell es vorbei sein kann. Ich habe sie sofort ins Herz geschlossen. Sie sind das, was ich unter solidarisch verstehe.
