Dienstag, Eisenach. In Bischofsroda kann man noch LPGs sehen. PM und Tov sind von meinen romantischen, noch von DDR-Romanen geprägten Vorstellungen genervt. Sie sagen Kolchose, was abwertend gemeint ist. Sie finden die grauen Riesengebäude eher langweilig und verstehen nicht, warum ich sie sehen will. Tovs Boot heißt Lotte U. Die Lotte U. ist ein in die Jahre gekommenes, aber stabiles Gefährt und wird von einem 8-PS-Yamaha Außenborder betrieben. Der hat seine Mucken. Zum Glück hat Tov die Sache im Griff, er ist Ingenieur. Wir cruisen die Werra hoch. Die Sonne scheint, die Wiesen gleiten vorbei, die Landschaft ist unbeschreiblich. Das ganze Werratal steht unter Naturschutz. Tov bzw. Steff – der da sehr großzügig ist – hat ein verzaubertes Grundstück direkt am Ufer geerbt, wo die Lotte U. festgemacht ist. Ziemlich runtergekommen, das Wochendhäuschen mit kleiner Bootsanlegestelle, aber toll. Am liebsten würde man sich sofort einquartieren. Alte Obstbäume, Wasser, Wiesen und unendliche Ruhe.
Später fahren wir mit dem Auto durch das Werratal, die erste Station ist eine Rostbratwurstbude. Tov weiß, wo es gut und günstig ist. Wir kommen nach Mihla und Frankenroda, du denkst, du bist mitten in einem Fünfzigerjahre-Bilderbuch gelandet. So schön! Verwunschene Dörfer, prächtige Gärten, bis an die Spitze eingewachsene Kirchtürme. Und verblüffend gute Gasthäuser sogar hier auf dem Land (Thüringer Küche mit Ausflügen in die asiatische und italienische Küche).
Wieder zurück, zeigt Tov uns noch ein anderes Boot auf dem Grundstück: Unter Gestrüpp verborgen, liegt es umgedreht am Boden, hat die Farbe seiner Umgebung angenommen und ist ein Ruderboot, das seit Jahrzehnten prall aufgeblasen ist. Da staunt der, bzw. die Wessi. Es verliert keine Luft, verdammt, was haben die da für ein Material verwendet? Nur reinigen könnte man es mal. Tov: „Ein unverwüstliches DDR-Produkt. Weil in der DDR ja alles bis in die Ewigkeit halten musste.“
Thats the Point. Wehalb Nachhaltigkeit und Kapitalismus sich ja auch gegenseitig ausschließen.


