Mag ich

Dienstag. Jugendliche, die ihre Zeit investieren, um Texte zu schreiben, sind besonders. Sie bleiben eine Stunde länger, als sie – und ich – eigentlich müssten. Um 17 Uhr sind sie nämlich noch lange nicht fertig. Und bis dann alles aufgeräumt ist, kann es auch mal 19 Uhr werden. Das macht mir nichts aus. Ich mag meine Schreibwerkstatt. Ich freue mich, wenn sie über ein „grimmiges G“, über „Löcher in der Wand“, über „Schemen der Nacht“ und immer wieder über Tod und Selbstmord schreiben. Ihre Geschichten sind skurril bis abgefahren. Nie banal. Wir essen Kekse, trinken Heiße-Liebe-Tee, schreiben weiter, lesen uns die Ergebnisse gegenseitig vor. Über die Optimierung eines Satzes freuen sie sich wie die Schneekönige, wie andere über eine tolle Note. Noten gibt es nicht. Aber vielleicht wieder eine Lesung in Stuttgart, wenn das Coronavirus die Kultureinrichtungen endlich aus seinen Klauen entlässt.