Pardigmenwechsel

Samstag. Das war’s!

56 Gedichtinterpretationen korrigieren, 200 Schnitte ausrechnen, Konferenzen absitzen, Hunderte Urteile im Schnelldurchgang fällen: eine Tortur. Die beiden Seiten nicht gerecht wird. Stimmung im “Amt” endgereizt. Das Gefühl von Überforderung und Sinnlosigkeit überfällt dich, wo der Zuversicht der Stecker gezogen wird. Persönliche intellektuelle Auseinandersetzung? Why that? Alles was du brauchst, steht auf Moodle. Aha, danke für nichts! Form ersetzt Inhalt – per Häkchensetzen.  Der Nachweis jederzeit abrufbar, was willst Du mehr?

Ja. Ich will mehr: Ab sofort nur noch Schreiben. Einen Lehrauftrag / 4 Stunden behalte ich bei, aus Nostalgie oder aus Spaß oder zum Abgewöhnen oder aus monetären Gründen, je nach Stimmung deutbar.

Letzte Woche ergiebiges Gespräch mit einer Agentin, die sich für das SachbuchProjekt interessiert. (Für den Roman leider nicht, sie erwähnte u.a. den dramatischen Papiermangel, der die Verlage zögern lässt, wo leben wir eigentlich …) Ein weiteres Gespräch steht noch aus. Pläne, Projekte …

Endlich tauche ich ab in die Bearbeitung des Merbold-Textes – das Interview fand schon im März statt! (Das mit der beeindruckenden Inge Auerbacher sogar schon vor einem Jahr.) Was hat dieser Mensch für ein Gedächtnis! Ohne auch nur ein einziges Mal zu recherchieren, spult er Zahlen, Maße, Daten ab wie eine Suchmaschine. Und ist trotzdem kein Technokrat, hat ein sinnliches Sprachgefühl, einen eigenen Duktus, den es bei allen notwendigen Kürzungen – von 40 auf ca. 10 Seiten – zu erhalten gilt.

Ich merke es mit jeder Seite, das ist mein Ding, dafür lohnt es sich aufzustehen. Am 31. Juli ist direkt das nächste Interview, mit einem Betroffenen der Ahrflut. Bis dahin muss der Text stehen. Nach seeeehr zähem Anlauf kommt die Sache jetzt in Fahrt.