Politisch impfen

Samstag. Laut Stufenplan des Bundesministeriums für Gesundheit bin ich dran: Priorisierungsgruppe 3. Läuft aber irgendwie nicht. Der Schutz des Menschenlebens hat die absolute Priorität in unserem Staat? Eher nicht. Davor steht die Ideologie bzw. die Macht der Monopole. Schutz ja, schon – aber bitte nur mit Impfstoff aus der westlichen Welt!

Doch der reicht vorne und hinten nicht aus, jedenfalls nicht in Deutschland. Chile dagegen, so erfährt man aus den Medien, hat so viel Impfstoff bestellt wie nötig, um alle Erwachsenen – knapp 19 Millionen Menschen – zweimal durchzuimpfen: Biontech/Pfizer, AstraZeneca, Johnson & Johnson, Sinovac aus China, Sputnik aus Russland.

Politische Vorbehalte gibt es in dem lateinamerikanischen Land nicht, das Menschenleben rangiert dort an höchster Stelle. Mit dem Ergebnis, dass Chile inzwischen sogar Israel impftechnisch überholt hat. Der russische Impfstoff Sputnik mit hoher Wirksamkeit und guter Verträglichkeit ist in 51 Ländern registriert, in Italien soll er bald in Lizenz produziert werden. Doch die EU hat noch nicht einmal Impfdosen vorbestellt.

Merkels Devise „Impfen, impfen, impfen“ läuft ins Leere. Bis einschließlich Dienstag werden in den Impfzentren keine Termine mehr vergeben, wird mir eben mitgeteilt. Grund: Es gibt keinen Impfstoff. Jedenfalls keinen US-amerikanischen oder europäischen. Und anderen wollen wir ja nicht …