Tag und Begegnung mit einer Suppe

Samstag, B.N. Eine Hühnersuppe der allerfeinsten Art wartet auf mich: „Damit es gesundheitlich endlich wieder aufwärts geht!“, whatsapped PM gestern.
Im Zug fühle ich mich schlapp und beschissen, irgendwas stimmt noch weniger als schon die Tage davor. „Hmmm, lecker, freu mich!“, schreibe ich uninspiriert zurück. Kurz vor Remagen zücke ich das Spiegelchen, um den Lipstick anzusetzen. Das hätte ich besser nicht tun sollen. Ein Vollmond mit Sehschlitzen schaut mir entgegen. OMG!, schnell die Sonnenbrille raus.
PM guckt seltsam, als ich mit den schwarzen Gläsern im Dunklen direkt vor seiner Nase dem Zug entsteige. Hält den Auftritt wohl für ein modisches Statement. Weiß dank der Riesenbrille ja auch noch nichts.
Nach der Suppe, deren köstlicher Duft mir schon beim Hereinkommen in die Nase gestiegen ist, und zwei Bechern Pfefferminztee will ich nur noch ins Bett. Schnell hat PM ein Quincke-Ödem diagnostiziert. Das sich im Laufe der Nacht und des nächsten Tages – heute also – prächtig entwickeln wird. Was die bisher ungekannten Schmerzen im Gesicht und am Hals ja auch schon unmissverständlich angekündigt haben.
PM, der Arme, wird mich gleich nach Tübingen zurückfahren. Zweimal 300 Kilometer … Einen Sack voll Medikamente hat er mir in den Koffer gestopft. Ich fühle mich ein bisschen wie der Glöckner von Notre Dame. Das wars mit dem schönen Wochenende …
… und jetzt bitte noch den Rest Hühnersuppe!