Ungefiltert in die Ahr

Montag. Wo noch vor sechs Wochen Kinder am Ufer spielten, Mütter und Väter die Beine ins Wasser baumeln ließen und Jugendliche ihr Bier in der Böschung kühlten, wird die Bevölkerung dringend gewarnt, den Kontakt mit dem Ahrwasser zu meiden.
Alle vier Kläranlagen im Ahrtal sind durch die Flutkatastrophe entweder ganz (Altenahr und Mayschoß) oder teilweise zerstört. Doch nicht nur die Anlagen selbst, sondern viele hundert Meter Leitungen dorthin sind betroffen: zertrümmert, mit Geröll gefüllt oder komplett weggespült. Die wenigsten der 85.000 Haushalte sind noch an die Kanalisation angebunden. Aus den stark reduzierten Abwässern, die momentan überhaupt in den Kläranlagen ankommen, kann nur der ganz grobe Schmutz – alles, was über 30 Millimeter geht – gefiltert werden.
Der überwiegende Anteil des Abwassers wird seit sechs Wochen direkt in die Ahr gepumpt. Ansonsten würde sich das Dreckwasser immer wieder durch die Hausanschlüsse in die Keller zurückdrücken. Somit bedeutet der ungefilterte und ungeklärte Zufluss in die Ahr das kleinere Übel. Und darüber hinaus eine Notlösung, die die Seuchengefahr erhöht.
Die Zerstörung von rund einem Drittel der gesamten Kanalisation ist eine Umweltkatastrophe, die mit jeder Stunde größer wird. Dass Kraftstoff, Chemikalien, Darm- und Kolibakterien sowie Giftstoffe in die Ahr geflossen sind und weiterhin fließen, ist sehr wahrscheinlich. Die Ahr ist nur noch eine braune Suppe, in der sich keine Lebewesen mehr zeigen. Öl, Schaum und Schlamm bestimmen aktuell das Bild des einst so klaren Gewässers. Der Wiederaufbau des Kanalsystems wird noch Jahre dauern.

Fotos mit freundlicher Genehmigung von Werner Nachtsheim