Unsterblichkeit

Heute um 17.10 Uhr im Streitgespräch – Deutschlandfunk

Samstag. Unsterblichkeit – nein danke!

Der TH als jüngster Verfechter des uralten Menschheitstraums ist das Gedankenkonstrukt alter (und junger), auf jeden Fall reicher, weißer Männer, die den Frauen das Gebären vielleicht neiden, jedenfalls wegnehmen wollen. So wie sie Frauen die Gebärfunktion rauben, so rauben sie den Musiker*innen, Dichter*innen, bildenden Künstler*innen ihre Kreativität als Ausdruck der Weltbewältigung, sie rauben dem Menschen seinen Körper, sie rauben uns den Tod und der Gesellschaft ihre Moral.

Geburt und Tod sind die natürlichen Grenzen eines biologisch determinierten Lebens.

Transhumanisten wollen den Menschen durch Einsatz von Technologie von seinen biologischen Grenzen „befreien“. Wenn sie von der grenzenlosen Freiheit schwärmen, ignorieren sie jedoch die Tatsache, dass Freiheit sich nur im Angesicht von Grenzen realisieren kann.

Statt den Tod technisch zu verdrängen, sollten wir ihn lieber durch eine Kultur des Sterbens und der Trauer sinnvoll in unser Leben integrieren. Die Auseinandersetzung mit Werden, Reifen, Vergehen und Tod lässt den Menschen erst über sich hinauswachsen.

Der optimierte Mensch des TH dagegen ist eine Ingenieursleistung, an deren Ende der gottgleiche Übermensch steht. Krankheit, Schwäche, Tod sind menschliche Makel, die es mathematisch zu entschlüsseln und zu beseitigen gilt – am besten, indem der Körper als solcher beseitigt wird und nur das Bewusstsein ewig weiterlebt.

Damit ist der TH die Antithese zum humanistischen und zum christlichen Menschenbild.

Transhumanisten folgen einem mathematisierten Weltbild. Sie erheben das Rechnen zur absoluten Instanz. Auch der Mensch ist für sie nichts weiter als eine algorithmische Maschine, die leider noch aus Fleisch besteht. Im Zeichen dieser reduzierten Weltsicht rauben sie uns unsere Autonomie und unsere Selbstbestimmung, unsere schwer erkämpfte Gleichheit, unsere Eigenverantwortung.

Wie kleine Jungs wollen sie spielen. Leider handelt es sich um sehr reiche Jungs, so dass ihr Einfluss immens ist. Statt eines Fußballfeldes stürmen sie die Nanotechnologie, die Biotechnologie, die Informationstechnologie, die Neurowissenschaften. Sie wollen alles!

Sie kontrollieren gern. Deshalb gewinnen sie der realen Welt nichts ab – dem echten Gebären, dem echten Musizieren, dem echten Sterben voller Unvorhersehbarkeiten und Überraschungen. Sie freuen sich, wenn ihre kopierte und synthetisierte Als-ob-Welt funktioniert WIE die reale Welt – ja, wie …

Doch noch entzieht sich der Tod ihrem Machbarkeitswahn.

Heute um 17.10 Uhr im Streitgespräch – Deutschlandfunk