Ausschluss beantragt

Donnerstag. Dass der Landesverband der Grünen Boris Palmer der Kreisschiedskommission Tübingen zum Fraß vorwirft, wirft ein Licht darauf, wo es hingeht in unserer Gesellschaft: Dogmatisierung und Exklusion statt Diskurs und Inklusion. Die Partei hat immer recht! Die Partei bestimmt, was gesagt werden darf und was nicht. Die Partei entscheidet auch über die Konnotation von etwas Gesagtem: Für Ironie ist da wenig Raum. Weil für Nebenbedeutungen überhaupt nur noch wenig Raum ist. Wort ist Wort und Buchstabe ist Buchstabe. Weshalb viele inzwischen vorausschauend das Emoticon für Ironie-Alarm setzen, bevor irgendwelche Deppen sie missverstehen und öffentlich bepöbeln und mit digitalen Fauleiern bewerfen.
Palmer ist verbal zu weit gegangen, keine Frage. Aber er hat sich entschuldigt, und das vermeintliche Opfer seines verbalen Angriffs findet die Sache eher lustig und hat ihm verziehen.
Doch Schwamm drüber ist keine Option für unsere allgegenwärtigen Tugendwächter*innen. Die Linke hat Sahra abgeschossen, die Grünen schießen Boris ab. Er sei „ein hartnäckiger Störer der innerparteilichen Ordnung“, von dem die Partei „befreit“ werden müsse, heißt es in dem Antrag. Boris, der Umstrittene, soll mainstreamig werden, dann darf er – vielleicht – wieder anklopfen. OMG! Wo sind die Umstrittenen, die Störer*innen, die Bunten, die es wagen selbst zu denken? Auch wenn sie dabei mal steil daneben hauen, aber jedenfalls dem grauen Einheitsbrei Paroli bieten?
Will noch wer was sagen? Nee. Lieber nicht …

https://de.wikipedia.org/wiki/Lied_der_Partei