Wieder da

Freitag. Ein brandneuer Sonnenstrahl bricht durch die Ritzen des Rollladens, und ich merke, ich bin wieder zuhause. Kein Wellenrauschen, keine kühlen Fliesen unter den Füßen, keine frische Ananas und Cappuccino zum Frühstück. Sondern meine eigenen vier Wände, und die vielen unerledigten Sachen kreisen und kreisen schon wieder in meinem Kopf wie ein Karussell. PM ist noch mitten drin im Traum, verarbeitet vielleicht gerade die zehnstündige Rückfahrt mit Staus zum Abwinken und zwei, drei Beinaheunfällen und dem Ritt über den Gotthardpass und etwas später kreuz und quer durch Zürichs Wohngebiete, weil die Navy-Lady sich das so ausgesucht hat für uns, um uns vor größeren Katastrophen zu bewahren. Das nehmen wir jedenfalls an, ohne ihre Pläne genau zu durchschauen.

Jetzt ist jetzt, und das hat auch was. Zwischen die lieblichen Erinnerungen an Urlaubsommersonne und das Losgelöstsein vom Strom der Zeit und dem Lauf der Welt mischt sich der Aufbruch. Der Absprung. Das Lächeln der Zukunft. Ich habe viel vor …

Mit viel zu offenem Herzen schreibe ich hier, das denke ich manchmal. Kaum von Belang und lauter Unsinn, aber so ist es nun mal. Zum Beispiel der Italienurlaub: Ich habe ihn unglaublich genossen, jede einzelne Minute wie ein Geschenk. Eine Befreiung: Unter dem Trott der alltäglichen Doppelt- und Dreifachbelastungen leuchtet das Nichtstun, das sich langsam einstellende Bewusstsein von Nichts-tun-Müssen wie eine Ahnung hervor. Davon habe ich nicht geschrieben (nur auf den Postkarten an Freunde und Verwandte), obwohl ich es so intensiv empfunden habe – schon wieder eine Verfälschung. Durch Auslassen.

Was mir heute relevant erscheint oder richtig oder falsch, kann im selben Augenblick oder morgen schon das Gegenteil bedeuten. Ja, so ist es nun mal. Ich korrigiere nichts nachträglich. Ich habe das Recht mich zu irren und es zuzugeben oder auch nicht. Jeden Tag flattern jetzt E-Mails rein: Ihr Roman lässt mich kalt, Ihr Roman interessiert mich, von Ihrem Sachbuch möchte ich mehr lesen, Ihr Sachbuch wird niemals so funktionieren, das überzeugt mich, das überzeugt uns leider gar nicht …  blablabla laberrhabarber. Literaturagent*innen irren sich auch. Die sind absolut nicht einer Meinung. Ich bleibe bei mir und ziehe mein Ding durch. Das habe ich immer so gemacht, das wird auch dieses Mal funktionieren.