Vollkommen daneben

Montag. Mein Wochenende: Karnevalssitzung in B.N. – lustig (na jaaa, manchmal), warmherzig (wir sitzen bei Markus und Ursel, die natürlich dabei sind), auf der Bühne spielen sich undurchschaubare Rituale ab, die du wohl nur als langjähriger Insider, sprich Vereinsmitglied raffst. Unsere Kostüme: eindeutig die kreativsten. Und die sexysten! PM als Punker überzeugt mich, ich ihn als Punkerin, glaube ich, auch. Während eines sehr unterirdischen Comedianbeitrags, so einer Art Horst-Schlemmer-Imitation, verkündet PM: „Also, das halte ich für vollkommen daneben!“ Diese Erleichterung, die das ausgesprochene Wort bei uns Fremdschämern auslöst! PMs Statements, seine Geradlinigkeit sind mir immer wieder eine große Freude. PM

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Vorläufiger Schluss von Callboy

Sonntag, B.N. und ihr fiel eine Haarspange ein, die sie, das war schon sehr lange her, als sie noch Haarspangen trug, auf der Straße gefunden hatte. Ihre weit geöffneten Augen suchten die Decke ab. Sie konnte sich nicht erinnern, wo die Spange war. In keiner Dose im Badezimmer, in keiner Schublade ihrer Schlafzimmerkommode. Die Decke war ganz weiß, nicht mal in den Ecken ein Grauschleier. Eine aus Kunststoff war das gewesen, mit Straß und Perlenbändchen, so ein Bling-Bling, wie ihre Mutter es ihr niemals gekauft hätte. Sie hatte sie sich heimlich in die Haare gesteckt. Eine Königin war sie damit

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Karneval

Donnerstag. Als was gehe ich am Samstag? Einladung zur Karnevalssitzung in B.N., das ist schon was, da musst du schon nachdenken, da kannst du nicht einfach irgendwie kommen! Das ist hier ganz klar das Jahreshighlight. Da gucken die schon genau hin: Ey, habt ihr die gesehen, die ist jetzt mit DEM zusammen, die sieht ja vielleicht aus … Na aber hallo sehe ich aus, und wie! Und gehe also zur Sabrina und hole mir ein Punkeroutfit: Schwarze Netzstrumpfhose, schwarzer Mini, schwarzes Ramones-Shirt, meterhohe Highheels! Eine pinkfarbene Bob-Perücke als Farbklecks. Nietenarmbänder, ein Schloss mit Schlüssel in die Ohren, und weil es

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Zu viel

Montag. Vielleicht doch eher das hier?, sagt die Verkäuferin und hält mir ein navyblaues T-Shirt hin, während ich in dem lila Shirt – so ein richtig katholisches Festtagslila – vorm Spiegel stehe und denke: Mann, was für eine Farbe! Über dem lila Shirt leuchtet die türkisfarbene Kette, wegen der ich rein gekommen bin, denn die Kette hing bis vor zehn Minuten im Schaufenster und fing meinen Blick im Vorbeigehen ein. Zu bunt, sagt die Verkäuferin. Zu laut. Zu bunt? Zu laut? Volltreffer! Todesurteil! Sag mir einer: Du bist zu irgendwas, schon stehe ich mit dem Rücken zur Wand. Ich bekomme

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Blauer Abend

Sonntag. Es ist wie es ist. Und sonst so? Das wird alles zensiert. Und ich stinke schon wieder nach Kippen. Da wird aber auch gequarzt im Holy Horst, Burger und Pommes, und lauter komisches Volk, ich glaube, heute haben sie die Physiker rausgelassen. Die Stasi hatte uns immer im Blick. Echt?, eigentlich müsste das draufstehen, das remineralisiert die Zähne. Rot für tags und Grün für nachts. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser (Lenin). Florena gab es in himmelblauen Dosen, und dann gibts ja auch wieder Spee und Rotkäppchensekt. So’n Typ, der mit mir gehen wollte, das ist doch keine richtige

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Collage XIV

Je suis Charly! Trauermarsch in schwarzem Tuch Glanzauftritt Es geht um alles Funkelnde Augenblicke Stille Magie Die Staatschefs Europas in der ersten Reihe – Seitenstraße – vereint, mutig, erhaben Wie im Kino * 11.01.2015 http://www.spiegel.de/politik/ausland/charlie-hebdo-marsch-durch-paris-mit-staatschefs-auf-einsamer-strasse-a-1012649.html

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SMS am Morgen

Donnerstag. Meine MorgenSMS an PM versehentlich an Flo gesendet. Im gleichen Moment Irrtum bemerkt, aber zu spät. Was machen? PEINLICH. Noch während ich verschiedene Möglichkeiten checke, klingelt das Handy, es ist Flo, der sich nicht mehr einkriegt und sagt: „Morgen auch. Hör mal, Juliane, du hast da was verw…“ „Mann, ich sitze hier schon mit ganz rotem Kopp! Lies das ja nicht!“, schreie ich. Er lacht dreckig, klar hat er es längst gelesen, sagt: „Nee, neee. Alles gut!“

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Böse Geister

Mittwoch. Manchmal kommen sie noch, die bösen Geister, und hocken mit heimtückischer Nachhaltigkeit in den dunklen Winkeln des Zimmers. Reingehackt die Spuren ins Parkett: Von zerschlagenen Tellern (Rosenthal!), zertrümmerten Kirschbaumstühlen und Kerzenleuchtern, dem umgestoßenen Bücherregal samt Inhalt (warum eigentlich immer meine Sachen?), Gewalt und Chaos von zwei Jahrzehnten. Die Angst. Die Eifersucht (das Besserseinwollen als sämtlich Ex-, Immernoch- und Wiederfreundinnen zusammen … die vollkommen vergebliche, zum Scheitern verurteilte Herausforderung … das Hochpeitschen von Leistungen, wo andere Qualitäten nichts zählen). Zwanzig Jahre alte Angst. (Die Tyrannei des Ohnmächtigen. Seine billigste/risikoärmste Machtvariante ist die Ignoranz. Gib einem zu verstehen, er ist Luft

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Schwarzer Montag

Dienstag. … und da hängt sich dein Geist, wie manchmal dein PC, einfach auf. Lässt sich in die Vergangenheit treiben, lungert zwischen alten Erinnerungen herum, obwohl sie ihm nicht gut tun, betrübt sich an falschen Entscheidungen, obwohl er eigentlich wissen müsste, dass genau diese Entscheidungen die einzig richtigen waren, wird melancholisch, wenn er bei den verpassten Chancen angekommen ist – die in Wirklichkeit nicht verpasst, sondern nur unrealistisch waren -, guckt Sehnsüchten hinterher und sieht vor lauter Hinterhergucken den Sonnenschein nicht und dass das jetzt fast schon so was wie eine Frühlingssonne ist. So ein Tag ist gestern gewesen (naja,

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