Top, die Wette gilt

Montag. Wette mit PM: Er: Heute Abend versammeln sich mindestens 20.000 Leute in Dresden. Ich tippe auf 5000. PM meint, die Anschläge in Paris bieten sich als zusätzliche Argumente für Pegida geradezu an und würden der Bewegung neue Schubkraft geben. Meiner Ansicht nach nimmt der Pariser Trauermarsch am Sonntag Pegida eher den Wind aus den Segeln. Was kann man solchen Bildern denn noch entgegensetzen? Der Marsch der Franzosen war sozusagen ultimativ. Die deutschen Intellektuellen sind, mit wenigen Ausnahmen (Monika Maron, Peter Schneider), nicht Pegida nah, sondern sie unterstützen Charlie Hebdo/Je suis Charlie. Meine Prognose: Von Pegida redet in zwei bis drei

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Paris trauert – Die Opfer von Charlie Hebdo

Da sind sie, die Staatshäupter Europas, etwa vierzig an der Zahl, und trauern mit dem französischen Volk in Paris um die vier erschossenen Karikaturisten von Charlie Hebdo. Je suis Charlie!, steht allüberall auf Plakaten, Plaketten oder Stirnbändern. Die Franzosen verteidigen das Recht der freien Meinungsäußerung. Religionskritik war und ist ein herausragendes Thema von Charlie Hebdo, und so wird es auch bleiben. Die gute Nachricht: Die verbleibenden Karikaturisten/ Zeichner werden weitermachen. Sie haben Asyl angeboten bekommen, Neue werden nachrücken. Die Moderation im Fernsehen (Paris trauert, ARD) macht die Schriftstellerin Gila Lustiger. Soeben hat sie die Namen der vier jüdischen Männer verlesen,

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Routenplanänderung durch Alzey

Sonntag, B.N. Mit G. von Tübingen aus zu PM gefahren. Sturm, Regen. Abartig viel Verkehr, mehrere Unfälle auf der A 61, Umleitungen und geänderte Routen durch rheinland-pfälzische Dörfer und Dorfstraßen, einmal befinden wir uns plötzlich mitten im Hof eines Weingutes – was soll das, brandneuer Medion-Navi von Aldi! Totaler Verkehrskollaps dann in Alzey. Das Städtchen mit seinen schmalen Gassen ist ein Opfer der elektronischen Routenplanung: Auf der einen Seite drängt die nicht abreißende Schlange – hauptsächlich LKWs – rein, auf der anderen, zwischen Bauernhäusern, Trinkbrunnen und Kneipenschildern, quillt sie gleich einem unendlichen Gekotze wieder raus. Wir sind zum Glück ziemlich

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Nach Hause

Freitag. Die ganze Woche ist Gisela da. Eine neue Freundin, durch Zufall in mein Leben geflogen. Für sie eine Art Ferien vom Alltag in Oberhausen, wo sie lebt. 1989 ist sie in den Westen gekommen, privat enttäuscht und beruflich nicht angekommen, jetzt trotz Mehrfachqualifikation arbeitslos, Hartz IV. (Vielleicht eine Verliererin des Mauerfalls.) Wir laufen durch Tübingen, durchstöbern Geschäfte, trinken im Café Binder Irish Coffee. Als ich heute Abend von der Arbeit komme, hat sie den Weihnachtsbaum abgeschmückt und auf die Straße verfrachtet, die ganze Wohnung gesaugt, und dazu riecht es unglaublich gut nach Essen (Gemüsepfanne, Champignonsoße und Putenschnitzel). Zum Nachtisch

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Die europäische Linke und der Islamismus

Donnerstag. Charlie Hebdo und das linke Appeasement europäische Linke hat die islamistische Gefahr viel zu lange banalisiert. „Viel zu oft hat die europäische Linke aus Gründen der Political Correctness weggesehen.“ Das Attentat gegen Charlie Hebdo kam mit Ansage. Islamistische Gewalt oder ihre Androhung ist spätestens seit der Fatwa gegen Salman Rushdie Teil der politischen und kulturellen Landschaft Europas. Diesmal hat sie mit Charlie Hebdo eine Ikone der libertären Gesellschaften Europas getroffen: Wie kein anderes Medium war „Charlie“ ein Kind des Mai 68. Die Frage ist, ob die europäische Linke aus diesem Angriff endlich Konsequenzen zieht. Denn die bittere Wahrheit ist,

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Pegida, Bergida, Kögida …

Dienstag, B.N. …  Als ich im Bonner Stadtteil Godesberg zum ersten Mal komplett verschleierte Frauen sehe, die von ihren Männern wie Kohlensäcke am Arm durch die Straßen geschoben werden, weil ihnen nicht mal der Sehschlitz in der Burka zugestanden wird, bekomme ich einen Todesschrecken. Wenn das Fremde mit Gewalt einhergeht – und Komplettverschleierung ist Gewalt gegen Frauen – musst du schon genauer hinsehen.Die Diskussion über die diffuse Angst vor dem „Fremden“, das ja zum Glück meistens auf recht unkomplizierte Weise längst in unserer gesellschaftlichen Mitte Fuß gefasst hat, wird m.E. in Deutschland zu oberflächlich geführt.In der öffentlichen Diskussion wird die Angst

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Kleinscheiß

Sonntag, B.N. Eine EU-Bestimmung besagt, dass man Lippenstifte in den Kosmetikabteilungen jetzt nicht mehr direkt ausprobieren darf. Statt dessen wird die Farbe mit einem Einweg-Spatel auftragen und dann mit dem Pinsel (oder Finger) verteilt. Das ist der Kleinscheiß, mit dem sich Politiker beschäftigen, und der ist sehr weit von dem entfernt, was mich beschäftigt. Wie mag es erst den Arbeitslosen, den Geringverdienern, den maximal ausgebeuteten Dauerpraktikant*innen, den Ausgetricksten und in die Scheinselbstständigkeit Gezwungenen, den von Vermittlungsagenturen abhängigen Tage- oder Wochenlöhnern damit gehen? Unsere tolle Demokratie ist eben nicht mehr für alle Bürger*innen da. Manche, ziemlich viele, haben einfach Pech. Eine

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