Freitag. Meine neue Freundin Monia nimmt mich mit zu einer Führung in der Georgenkirche. Anschließend genießen wir noch eine halbe Stunde das schöne Herbstwetter und diskutieren die Seltsamkeiten der Stadt. Für ein Jahr war sie meine Kollegin, bis sie den Bettel hingeschmissen und gekündigt hat. Jetzt findet sie als Sozialpädagogin mit akademischem Abschluss keinen Job im unübersichtlichen Dickicht der sozialen Einrichtungen Eisenachs. Kirchliche, private, städtische, es ist alles dabei. Und sie alle suchen dringend Fachkräfte – aber Monia nehmen sie nicht. Superschräg, nicht nachvollziehbar, ein bisschen spooky. Über kurz oder lang ist sie auf dem Absprung nach Bayern zu ihrem
WeiterlesenAutor: Juliane Vieregge
Fuck off
Donnerstag, Reformationstag. Manchmal habe ich keinen Bock drauf zu funktionieren. Ich weiß selber, was ich schaffe und was nicht. Den größten Ehrgeiz habe ich im Battle gegen mich selbst.
WeiterlesenSchuldgefühle
Dienstag. Irgendwann drängt sich die Realität so massiv vor das Wunschdenken, dass Wegschauen nicht mehr funktioniert. Dann geht’s nicht weiter. Tatsache ist, dass ich hier die Exotin bleibe, warum auch immer. Ich mache nichts Besonderes, und dennoch wird jede meiner Handlungen voller Misstrauen beäugt, sowohl im beruflichen wie im privaten Umfeld. Was? Das lässt du dir bieten?, staunt mein Bruder, der drei Tage bei uns zu Besuch ist: Warum kündigst du nicht sofort! Da können unsere West-Mitglieder ja mal sehen, was sich aus so einem alten DDR-Bau noch rausholen lässt, sagt eine von der Frauengruppe, der ich seit kurzem angehöre. Sie
WeiterlesenPremiere
Tübingen. Finde ich gut: Messebesuch mit Grund. Ich bereite mich dann mal auf den Gesprächstermin vor. Und da ich gerade wieder in Tübingen bin, hab ich mir ein Buchmesseoutfit zugelegt, einen Hosenanzug von Rich & Royal. Meine persönliche Hosenanzug-Premiere, übrigens. Weshalb das hier auch dokumentiert werden muss. Nicht konservativ à la Merkel, sondern Smart-Chic … ein Outfit mit Botschaft, sozusagen. Marcel nimmt mich morgen früh mit nach Frankfurt. Wir waren schon zweimal zusammen auf der Buchmesse. Marcel ist büchersüchtig, ich kenne niemanden, der so viele Bücher besitzt wie er. Er verteilt sie auf zwei Häuser, seins und das seiner Schwiegereltern. PM
WeiterlesenMan hat auch schlechte Tage
Scheiße“, sprach der Großherzog, als das Heer vorüberzog. – Und die Herzogin sprach leise: „Scheiße, wirklich, große Scheiße!“ – Und sie hatten beide Recht, Denn das Heer war wirklich schlecht. Angeblich aus der Feder Goethes als Glosse an SKH Herzog Carl August von Sachsen- Weimar-Eisenach etwa 1780.
WeiterlesenPazifismus oder Bellizismus – das ist hier die Frage
Ich bin nicht der Meinung, dass man Russland bellizistisch zurückdrängen und auf einen guten Weg bringen kann. Ich bin der Meinung, so unsympathisch mir ein Diktator wie Putin ist, man muss Verhandlungen finden. Das wünsche ich mir beim Ukrainekrieg seit langem. “ Man muss beides versuchen. Man muss beides praktizieren. Verhandlungen führen, als gäbe es keinen Terror, und den Terror mit aller Macht und mit aller Intensität bekämpfen. Und aus diesen beiden Polen entsteht hoffentlich etwas, das dem Frieden näher rückt. Wenn wir die vergangenen 25, 30 Jahre betrachten, dann stellen wir fest: Wir sind vom Frieden, vom Verhandeln immer
WeiterlesenDie Unbeugsamen 2
Dienstag. Die Unbeugsamen 2 – Guten Morgen Ihr Schönen! lohnt sich. Würde mir die Dokumentation über die Frauenemanzipation der DDR sogar noch ein zweites Mal anschauen. Die Ostfrauen waren uns Frauenbewegten in der BRD ein Leitbild, sie haben immer eine Rolle in den Gedankenexperimenten der Women’s Lib gespielt. Der Film rückt einiges gerade: Auch die Frauen in der DDR waren dem Mann nicht gleichgestellt, erreichten kaum Führungspositionen, erst recht nicht im Regierungskader. Die Protagonistinnen – Katrin Sass, Ulrike Poppe, Amrei Bauer (Tochter der Malerin Annemirl Bauer), die Schlagzeugerin Tina Powileit, Katja Lange-Müller u.v.m. – zeichnen ein Bild von sich und ihrem
WeiterlesenAbwärts statt vorwärts
Dienstag. Zuerst opfert unser hochtalentierter BuWiMi Habeck seine Parteifreund*innen Ricarda Lang und O. Nouripour, jetzt opfern die SPD-Häuptlinge Kevin Kühnert. Beide Vorgänge hinterlassen das ungute Gefühl von Zerbrechlichkeit. Die Regierung aus den Fugen, die Wirtschaft im Abwärtstrend. Es gibt keine ermutigenden Impulse. Es scheint nicht zu funktionieren, die über dem Land wabernde Depression in den Griff zu bekommen. Wie kann eine Partei einen so talentierten, rhetorisch superfitten analytischen Denker wie Kühnert ziehen lassen? Die interessierte, aber unwissende Bürgerin vermutet: Der Job des Generalsekretärs hat ihn komplett verbogen, jedenfalls ist von seinem Alleinstellungsmerkmal, der unbeschwerten großen Klappe, nicht mehr viel übrig.
WeiterlesenDie Elements
Montag. Schöner Film, Element of Crime – wenn es dunkel und kalt wird in Berlin. Warmherzige Doku über die großartige Band vom großartigen Charly Hübner. Wenn ich aus dem Kino komme und mit PM durch das menschenleere Eisenach nach Hause laufe, habe ich Bauchschmerzen vor Heimweh. Frage mich, wann das endlich aufhört …
WeiterlesenÖzdemirs Tochter
Wenn Cem Özdemir in der FAZ eine härtere Asylpolitik fordert, weil seine Tochter und ihre Freundinnen „von Männern mit Migrationshintergrund unangenehm begafft oder sexualisiert werden“ – welches weibliche Wesen noch nicht? – dann werden die meisten sich wundern, wieso es eines persönlichen Familienerlebnisses bedarf, den Mind Change des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft vor der Öffentlichkeit zu legitimieren. Oder instrumentalisiert Özdemir seine Tochter schlichtweg, um dem abtrünnigen Wähler*innenvolk zu demonstrieren: auch die Grünen sind in Sachen Migration flexibel? Mich nervt der FAZ-Artikel. Meines Erachtens steht Özdemirs schräge Argumentation in einer Reihe neben der ewig gleichen Litanei salbungsvollen Bedauerns und Empörens und
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