Bad Luck Banging or Loony Porn

Sonntag. Bad Luck Banging or Loony Porn heißt soviel wie Pech beim Knallen oder verrückter Porno und ist ein verrückter, wilder Film des rumänischen Regisseurs Rado Jude.
Wenn wg. Corona nur die beiden Programmkinos geöffnet sind und ihr kleines, sehr spezielles Angebot dir sagt: das oder gar nichts, dann wählst du eben das und landest in einem Film, der dich zwei Stunden lang ins Plüschpolster drückt, dass dir Hören und Sehen vergeht. PMs Kommentare wie üblich laut und zahlreich, was angesichts der rar gesäten Zuschauer*innen diesmal nicht so auffiel, und von den wenigen verließen zwei auch noch vorzeitig den Saal. Stimmung wie bei einer Privatvorführung. Um was geht es?
Sex und Politik haben sehr viel miteinander zu tun. Wo die Empörung im Kleinen Wellen schlägt – Lehrerin dreht Pornos, die versehentlich im Netz landen -, bleibt sie im Großen – Staat, Faschismus, Kirche, Rassismus/Diversität – aus. Diese Botschaft wird serviert von in Drastik und Hässlichkeit schwelgenden Bildern, eingeblendeten Philosophen-Zitaten (leider viel zu lang und jeweils über mehrere Bilder gehend, sodass der Anfang schon wieder vergessen ist, bevor du das Ende gelesen hast) und genüsslichen Großaufnahmen. Noch nie so viele glänzende Schwänze auf einmal gesehen. Alle Achtung, die Zuschauerin kommt nicht zu kurz, der Zuschauer sowieso nicht!
Der Film beamt einen in Fassbinder-Zeiten zurück, in experimentelle Hybridkonzepte von Doku und Spielfilm. Er bleibt im Kopf (besonders erwähnt sei hier die großartige Elternabend-Szene mit drei möglichen Ausgängen), auch nachdem man schon längst draußen ist und im Ludwig’s einen neuen Longdrink testet und über Gott und die Welt quatscht. Über alte Beziehungen. Die Nachhaltigkeit der Bilder lockert Zungen und eingefrorene Gedanken.
Übrigens ist Bad Luck Banging or Loony Porn 2020 gedreht, die Schauspieler tragen alle Maske – bis auf die ikonographische Sexszene -, sodass man sich seltsam zu Hause fühlt. Die medizinische Maske ist in der Kunst angekommen. Und Judes Film verdientermaßen der diesjährige Berlinale-Gewinner.