Triora / Ligurien ist eine halbe Geisterstadt. Aber zuerst musst du mal überhaupt dahin kommen. 35 von den 65 Kilometern führen durch enge Bergstraßen und Haarnadelkurven, das zieht sich scheinbar endlos hin. Zum Glück versteckt sich die Sonne hinter Wolken und es sieht nach Regen aus, doch auch der Regen bleibt in der Wolkendecke hängen. Auf der Strecke fährst du dauernd an diesen „pittoresken“, an den Berggipfeln klebenden Dörfern mit hohem Kirchturm als Zentrum vorbei, und dauernd denkst du, das muss es jetzt sein, schöner kann es nicht werden. Doch nur Triora hat vom DUMONT das rote Ausrufezeichen bekommen, und
WeiterlesenKategorie: 2017
Schwimmen, schwamm, geschwommen
Dienstag, Diano Marina. Ich schwimme jetzt jeden Tag eine halbe Stunde, das ist einfacher als Runden zählen. Und dabei muss ich doch tatsächlich mal wieder daran denken, dass ich den Freischwimmer, also das Zertifikat, also das runde Stück Stoff mit der einen Welle, das dann später auf meinen Mädchenbadeanzug genäht wurde, unrechtmäßig erworben habe, weil ich da, wo das Kamener Schwimmbad flach wurde, auf dem Boden langgelaufen bin. Wie die blauen Kacheln sich unter den Füßen angefühlt haben, weiß ich noch wie heute, das ist ja Über-Ich-mäßig schon ein bisschen daneben. Der Bademeister hatte Besseres zu tun als am Beckenrand
WeiterlesenPrivileg
Montag, Diano Marina. Heute ist einer dieser privilegierten Tage, wo du höchstens darüber nachdenkst, ob du dich vom Rücken auf den Bauch drehst oder doch lieber vom Bauch auf den Rücken. Vor mir gluckert der Pool, hinter mir das Meer, das ewige Meer, das in den ewig himmelblauen Himmel übergeht. Wie einer dieser kostbaren Stoffe, Brokat oder Taft, himmelblauer Taft, genau so sieht das über mir aus. Aber eigentlich ist über mir, also noch vor dem Himmel, der Riesengummibaum mit seinem dichten Geäst, und da war er auch schon im letzten Jahr und die drei Jahre davor, weshalb auch der
WeiterlesenBoule
Freitag, B.N. Bei Bernd und Maria entdecken wir das Boule-Spielen (neu). Man muss es ernst nehmen, muss debattieren, wie die nächste Kugel ihren Lauf zu nehmen hat, sonst macht es keinen Spaß. Maria ist Spezialistin im von oben Wegdonnern gegnerischer Kugeln. Das einzige, was an diesem schönen Vollmond-Abend (der ewige Mond hinter den Bäumen über der Ahr) fehlt, ist eine Flasche Pastis. Bernds und Marias Garten ist eine große Spielwiese für Erwachsene. Ob H. und K. heute Abend ankommen – wir wissen es bis zuletzt nicht. H. ist gesundheitlich miserabel drauf, und ob wir morgen, wie geplant, zusammen nach Italien /
WeiterlesenFamilienkommunikation
Donnerstag, B.N. Das Drohen war in meiner Herkunftsfamilie das primäre Kommunikationsmittel, und das wirkt bei manchen bis heute nach. Wenn man das mal kapiert hat, ist es so traurig, ineffektiv sowieso, furchterregend schon lange nicht mehr und irgendwie auch armselig. In einem Punkt bin ich mir sicher: Ich habe das nicht an L. und T . weitergegeben. Sozusagen Auftrag erfüllt, mit best. üblen Traditionen ein für alle mal zu brechen.
WeiterlesenEinsatz
Den Tag heute in Köln bei L. und B. verbracht, eingekauft, Ratatouille gemacht und noch so ein paar andere Sachen, und trotzdem ist da, wenn du wieder gehst, das Gefühl, dein Einsatz ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Auch die am Anfang stehen, überrollt der Alltag mit Macht. Bei Hussel L.’s Lieblingspralinen gekauft, bei Esprit eine lässige Jacke für mich. Der Hauptbahnhof mit seinen Verlockungen …
WeiterlesenShould I stay or should I go …
Pfingstmontag, B.N. Gehe ich joggen an der Ahr? Lese ich In Plüschgewittern von W. Herrndorf weiter? Mache ich schon mal die Frühstückseier? Poste ich was auf Freitag.de? Schaue ich mir den schlafenden PM an? Korrigiere ich meinen Text von gestern? Erstelle ich eine Packliste für nächste Woche Italien? Repariere ich das Loch vom rausgefallenen Jeansjackenknopf? Telefoniere ich mit L. oder T. oder Jerome und Beret? Nehme ich den Vierfarbkugelschreiber auseinander? Zeit zu haben und nichts Dringendes zu tun … Sehr bizarr … Sturz ins Zeitloch … Definitiv nicht daran gewöhnt … Kann ich ja kaum damit umgehen … Also, ich hol
WeiterlesenLola Bensky
Pfingstsonntag, B.N. Also, Lola Bensky von Lily Brett kann man empfehlen. Ein Roman sei es, in Wahrheit ist es aber ein Stück Biografie. Brett war, wie ihre Heldin Bensky, Journalistin eines US-Rock-Magazins und hat sämtliche Größen der sechziger und siebziger Jahre vors Mikrophon gekriegt. Spannend: Die Insider über Mick Jagger und Jim Morrison. Der eine supernett, der andere ein Super-Asshole! Diese Erinnerungen verknüpft sie mit der Holocaust-Vergangenheit ihrer Eltern. Die Toten gehen ihr nach, die Großeltern, Tanten, Onkel genauso wie der berühmte Club 27, von dessen traurigen Mitgliedern sie alle interviewt hat. Es gibt noch ein drittes Leitthema: Übergewicht. Brett /
WeiterlesenHard Girl
Samstag, B.N. Ich weiß. Manchmal bin ich nicht da. Da hat eine neulich so eine Episode zum Besten gegeben, an die ich mich selbst nicht mehr erinnern kann. Aber wenn die stimmt, und ich fürchte, sie stimmt, war ich wirklich wie weggetreten. Wenn die stimmt, habe ich Menschen schon schlimm enttäuscht. Wenigstens in den entscheidenden Momenten bin ich für ein paar andere immer da. Dachte ich. Aber seit mir jene Episode untergekommen ist, weiß ich, dass nicht mal das stimmt. Weg von der Bühne, auf der sich das Leben abspielt. Dann eben ohne mich. Nebenwelt. Nebelwelt. Wo denn? Keine Ahnung. Manchmal
WeiterlesenEssenz aus dem IC 114
Egal, das denken die sowieso Das ist nicht meine Welt Solipsismus ist eine ganz abgefahrene Sache Das sieht ziemlich schön aus Wahrscheinlich war ich noch zu nüchtern für all das Letztes Jahr in der Wüste von Afrika, wo es keine light-pollution gibt Lass uns was machen Es bilden sich irrationale Versammlungen Das hättest du nicht tun sollen Ich glaube, das weiß ich, Mann! Du Meisterin des mokanten Lächelns Vielleicht erleben wir das kollektive Glück Das ist der Sinn der Aktion Ich werde immer genauer
Weiterlesen