Corona Diary / Karzeit

Karfreitag. Heute ist Karfreitag, und ich muss an die Menschen denken, die in den Krankenhäusern und Altenheimen sterben, ohne dass sie ihre Liebsten nochmal sehen dürften. Und die sie. Das Besuchsverbot gerade in Altenheimen und Krankenhäusern verlangt den Todkranken genau wie den Angehörigen Unmenschliches ab.
Mit meiner Mutter telefoniere ich gerade täglich, manchmal mehrmals. Sie ist verwirrt, verwechselt Zeiten und Menschen, eine Sekunde später zeigt sie mit einer Frage oder Bemerkung, dass sie hervorragend über die Coronakrise informiert ist. Ihren Zustand führe ich auf die unerträgliche Vereinsamung zurück. Sie gehört zu den Ausnahmen, die in normalen Zeiten noch Besuch bekommen – die Highlights ihrer Tage. Die fallen nun weg, und die Highlights sind unsere Anrufe, was wirklich wenig ist. Auch drängt sich durch das, was sie erzählt, der Verdacht auf, dass im Heim die Situation gerade ausgenutzt wird. Schlimme Zustände hat mein Bruder durchs Fenster dokumentiert, ihr Zimmer liegt zum Glück im Erdgeschoss. Damit konnte er letztlich einiges bei der Leitung auslösen und regulieren. Trotzdem bleibt nach solchen Vorgängen ein sehr ungutes Gefühl. ‚Zutritt verboten‘ lässt einen zuerst ohnmächtig und dann wütend zurück.