Coronavirus Update

Donnerstag, B.N. Vor jeder neuen Corona-Maßnahme sollte geschrieben stehen: Du bist für dich selbst verantwortlich. Übernimm Eigenverantwortung. Tu was, damit das Virus nicht an dich herankommt. Trage Sorge, dass du dich nicht ansteckst. Sorge für dich selbst.
Solche Sätze kann man gar nicht oft genug hören. Sie lösen mehr aus als: du musst!, du darfst nicht!, das ist verboten! Ganz von selbst zaubern sie einem die Maske aufs Gesicht und halten einen auf Abstand – aber bitte, weil ich es selbst will, und nicht weil irgendein Söder oder Laschet mir die Leviten liest. Leviten lesen ist immer kontraproduktiv bzw. unmotivierend. An die Eigenverantwortung zu appellieren ist immer produktiv bzw. motivierend.
Sapere Aude!, wage weise zu sein, rief Kant der Welt zu, wobei er sich das Schlagwort eines alten Weisen, Horaz, aneignete und in seiner Abhandlung „Was ist Aufklärung“ in einen neuen Zusammenhang stellte. Angesichts der jüngsten Bilder von Maske verweigernden Rechtspopulisten oder Evangelikalen, die auf Hilfe von oben hoffen, anstatt eigenverantwortlich zu handeln, drängt der Slogan sich auch im 21. Jahrhundert wieder ins Bewusstsein.
Der Podcast Coronavirus-Update von Prof. Christian Drosten motiviert mich. Indem er, der Mitentdecker des Coronavirus SARS-CoV und Direktor des Fachbereichs Virologie von „Labor Berlin“, dem größten Labor Europas, mir Fakten und neue Erkenntnisse zumutet, traut er mir Weisheit, d.h. Differenziertheit in der Sache zu. Er tastet sich vor, er gibt zu, dass sogar er über Covid 19 (noch) nicht alles weiß und über die Mutationen noch ein bisschen weniger. Er ist zurückhaltend. Er ist das Gegenteil von einem Populisten.
Während Politiker und Journalisten anklagen, verwerfen, höhnen und fordern, als seien sie höchstdekorierte Experten in Sachen Virologie, bloß um die Wahrheit zu kaschieren, dass sie nämlich nichts wissen außer dem angelesenen Zeug, das jeder nur Halbbegabte sich durchlesen kann, lächelt Drosten entschuldigend, weil es jetzt wieder mal komplex wird. Und weil eine neue wissenschaftliche Erkenntnis sich selten in zwei Halbsätzen erläutern lässt.
Drosten kommandiert nicht, er analysiert. Was ich damit mache und welche Konsequenzen ich daraus ziehe, überlässt er mir. Ich setze die Maske auf und meide Nichtmaskenträger. Ich halte Abstand. Wenn ich den Kopf neige und auf den Boden schaue, sind das ungefähr 1,50 m, das abzuschätzen fällt mir nicht schwer. Manchmal halte ich auch einfach den Regenschirm – die Grip Bag, das Fahrrad – von mir: bis hierher und nicht näher, alles klar, Mitbürger*in?