Donnerstag. Ich habe jetzt einen Agenten. Bisher habe ich alles allein gemacht, doch die Zeiten ändern sich. Verlage reagieren nicht mehr auf unaufgefordert eingesandte Manuskripte. Der Agent ist der Filter, der ihnen die ganz üblen Sachen vom Leib hält. Einen Agenten für sich zu gewinnen, ist nicht gerade einfach. Viele winken von vorn herein ab, sie nehmen niemanden mehr. Andere wollen nicht, weil sie mit dem Manuskript nichts anfangen. Meiner will. Er mag meinen Roman. Seit der Vertragsunterzeichnung, mit der alles unter Dach und Fach ist sozusagen, höre ich allerdings nichts mehr von ihm. Das kann mehrere Gründe haben. Die Literaturszene ist so gut wie tot. Was auf dem Buchmarkt gerade noch geht, sind Kochbücher. Und Bücher über das Coronavirus. Oder Corona-Kochbücher. Die Auswahl ist groß. Offenbar schreiben manche schneller als sie denken können, oder wie lässt sich eine Situation reflektieren, während man noch mitten drin steckt? Mein Agent liest meine E-Mails nicht zuende, das merke ich an seinen Antworten. Ich nehme es als Zeichen, dass er sich auf das Wesentliche fokussiert, das steht ja immer am Anfang. Er ist zugewandt. Und sehr busy. Wie man sich das so vorstellt bei einem Agenten.