Mittwoch. Die D-Mark kam – und mit dem neuen Geld kamen die Aufkäufer aus dem Westen. Zum 28. Jahrestag der Deutschen Einheit sollten endlich die Vorgänge rund um die Abwicklung der 8000 Betriebe der DDR durch die „Treu“hand (zur Wahrung des Volkseigentums!!), die Einverleibung der ostdeutschen Banken durch die WestBanken und die Währungsunion aufgearbeitet werden. Privatisieren, Sanieren, Stilllegen-Liquidieren statt Transformieren – die DDR wurde entindustrialisiert und marginalisiert und der Westen rieb sich die auf wundersame Weise so plötzlich vergoldeten Händchen. Seitens der Aufkäufer/Profiteure gab es, gelinde gesagt, bisher wenig Interesse an der Vergangenheitsbewältigung. Darüber müsste endlich gesprochen werden – anstatt
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Hinrichtung – Opfer zum Schweigen gebracht
Dienstag. Heute wurde die 24-jährige iranische Kurdin Zeinab Sekaanvand hingerichtet. Mit 15 Jahren wurde sie mit einem Mann verheiratet, der sie jahrelang misshandelte und – abwechselnd mit seinem Bruder – missbrauchte. Nun wurde das Opfer endgültig zum Schweigen gebracht. Hier der Text von Amnesty International zu dem Geschehen: Als Antwort auf die schrecklichen Nachrichten, dass die 24-jährige iranische kurdische Frau Zeinab Sekaanvand am frühen Morgen im Zentralgefängnis von Urumieh in der Provinz West-Aserbaidschan hingerichtet wurde, sagte Philip Luther, Forschungs- und Advocacy-Direktor von Amnesty International für den Nahen Osten und Nordafrika: „Die Hinrichtung von Zeinab Sekaanvand ist eine widerliche Demonstration der Missachtung
WeiterlesenVerlust der Selbstverständlichkeit
Sechs Jahre ist der Crash jetzt her, dramatisch-peinlich-klischeehaft wie eine RTL-II-Realitydoku-Schmonzette. Ich kann wieder nach vorne schauen, mich über schöne Tage, Herausforderungen und auf die Zukunft freuen. Ich kann wieder lieben. Und so Fundamentales wie essen, einkaufen, was lange Zeit mit Ekel & Widerwillen behaftet war. Aus dem Supermarkt schlugen Flammen bis auf die andere Straßenseite, und wenn der Wahn mal überwunden war und ich endlich drin war und den Einkaufswagen durch die Gänge schob, überkam mich so eine erdrückende Dumpfheit, dass ich mich wie ein Sack über den Wagen hängen wollte, nur schnell das Notwendigste aus den Regalen herausgriff
WeiterlesenZusammen
Sonntag. Zusammen Geburtstag feiern (PM) / uns feiern / Pläne machen. Alles, was ich liebe …
WeiterlesenEinzeltäterin – Hélène Gordon-Lazareff
Freitag. „Ernst im Leichten, Ironie im Schweren“ – cooles Motto für Schreibende von ELLE-Begründerin Hélène Gordon-Lazareff. Die Journalistin und studierte Ethnographin war die erste, die Politik, Feminismus, Kultur und Mode unter einen Hut brachte. Ihr neues Konzept überzeugte schnell, die erste ELLE-Ausgabe erfolgte am 1. Oktober 1945. Die Themen des Heftes bewegten sich zwischen Frauenwahlrecht, Rezepten und wie man aus alten Kleidern neue Modelle zaubert. Sich als Intellektuelle und Feministin für Mode zu engagieren, stellte für sie keinen Widerspruch dar. Während so unaufbauende Themen wie die never ending Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche (alles Einzelfälle), immer Neues von der MeToo-Front
WeiterlesenWieso gehen?
Sonntag, B.N. J. ist wieder fast der Alte. Es geht ihm gut, er kann arbeiten, flitzt mit seinem Sportwagen quer durch die Republik und hat Aufträge. A. passt auf ihn auf. Sie sind so ein attraktives und eingespieltes Zweierteam, dass man sie dauernd anstarren möchte. Für A. ist J. der Schönste, für J. ist A. die Schönste, so einfach ist das. Am frühen Abend gehen wir zu viert – J. & A. + PM & ich – ins Milano, J. hat Geburtstag, den wollen wir feiern und auch, dass er wieder fast gesund ist, es hatte ihn um Silvester herum schlimm
WeiterlesenDie gute Tat
Freitag. Ganz spontan geht Kollegin P. mit mir nach unten, um mir bei etwas zu helfen, worüber ich mich freue, denn ich habe sie nicht darum gebeten. Da sagt sie noch im Gehen, das sei jetzt ihre gute Tat und damit sei sie für heute durch. Ich sage mir, dass ich es prima finde, für jemanden die gute Tat zu sein. Ich biete mich direkt noch für den nächsten Tag an, aber Kollegin P. meint, so gehe das nicht, eine gute Tat müsse sich immer aus dem Augenblick heraus ergeben und es sollte auch nicht zwei Mal hintereinander dieselbe Person
WeiterlesenNett, netter, am …
Mittwoch. Alleinlebende Frauen und Handwerker – auch so ein Thema. Mit Fachkenntnis kannst du nicht punkten, ist auch nicht gefragt. Also Brötchen schmieren und Kaffee kochen und NETT SEIN. Im besten Fall bist du jetzt die Mutti und sie erzählen dir ihr Leben (was ich mag, weil es manchmal die tollsten Geschichten befördert). Flirten ist auch noch okay. Im schlimmsten Fall checken sie deine Wohnung, als wollten sie gleich übernehmen. Das sind die Nassforschen. Die sich irre witzig finden, aber ganz schnell stinkstiefelig werden, wenn du nicht mitlachst. Da kommst du dann schwer ins Grübeln, was tun. Weil sie noch
WeiterlesenTreppe aufwärts
Dienstag. Verfassungsschutzpräsident Maaßen hat ziemlich viel Mist gebaut und muss gehen. Merkel, Seehofer und Nahles haben das heute beschlossen. Darüber wird er aber nicht so traurig sein, denn gehen müssen heißt im bundesdeutschen Beamtenapparat nicht wegmüssen. Maaßen wird jetzt Staatssekretär im Innenministerium. Die GroKo hat sich damit bis auf weiteres hinübergerettet und alle sind zufrieden, am meisten wahrscheinlich Maaßen selbst. Wie man heute überall nachlesen konnte, steigt sein Grundgehalt um 2580,20 Euro pro Monat auf 14.157,33 Euro.
WeiterlesenInschallah – Das Haus an der Moschee
Montag. Das Haus an der Moschee von Kader Abdohlah ist ein wunderschöner Roman, der die Leserin in eine Welt der Poesie, der Entschleunigung und der blühenden Safranfelder entführt. Am Beispiel einer frommen und einflussreichen Familie – oder eines alten Hauses, was in dem Fall auf das gleiche herauskommt -, zeigt er sowohl die gegenseitige Faszination als auch den tiefen Graben zwischen morgenländisch islamischer und christlich geprägter, abendländischer Kultur auf. Männer, die von Frauen gewaschen und angezogen werden, die ihre Nägel geschnitten und das Essen mundgerecht gereicht bekommen, stehen neben bzw. über Frauen, die noch nie über eigenes Geld verfügt und deshalb nie
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