Doppelmoral

Freitag. Man hat es sowieso nicht geglaubt, als Merkel gestern vom Lieferstopp für Waffenexporte nach Saudi-Arabien sprach. Und heute hören wir es: Das Embargo gilt nur für zwei Monate. Der saudische Prinz hat Narrenfreiheit. Sei es der zerstörerische Krieg im Jemen, die Entführung des libanesischen Regierungschefs oder der Mord an einem unliebsamen Regierungskritiker, Menschenrechtsverletzungen pflastern den Weg des MbS. Und wieso auch nicht? Für keine seiner Gräueltaten zieht der Westen ihn zur Rechenschaft. Die Regierungschefs und ihre Außenminister flattern ein bisschen mit den Flügeln, doch sie kehren schon wieder zum Alltag zurück, als sei nichts gewesen. Wofür dann die Aufklärungsarbeit?, fragt

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Frage

Donnerstag. Was, wenn du deinem ehemaligen Folterknecht, sagen wir, auf der Straße, begegnest und du erkennst ihn erst nicht, weil er jetzt einen Geckenbart trägt und seine Bäckchen blitzen so blank daraus hervor, dass du an ein Riesenbaby denken musst, und der zwinkert dir zu, als wollte er sich die Mittagszeit mit einem Pläuschchen vertreiben, und, so what!, warum nicht mit dir?

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Deal

Mittwoch. Mit zweien, die nicht gelernt haben zu schreiben, die damit über die Jahre irgendwie durchgerutscht sind, einen Deal abgeschlossen. Per E-Mail schicken sie mir jeden Tag Texte, Inhalt egal, und ich schicke sie mit Fehleranalyse und dem entspr. gramm. Regelwerk versehen wieder zurück. Bisher funktioniert es. Der eine entwickelt, ausgehend von einem Impuls-Satz, eine Fantasy-Reisegeschichte, die mich an In achtzig Tagen um die Welt erinnert. Der andere schreibt kleine Reflexionen über sich und das Leben. Sie können eigentlich doch schreiben. Wenn mal einen Tag nichts kommt, hake ich nach und provoziere sie mit Fragen. Jeder kann doch irgendetwas, schreibt

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Langer Tag

Dienstag. Bis halb vier morgens korrigiert. Zweieinhalb Stunden gepennt (als ob!), Weckerklingeln und dann zehn Stunden Dienst im „Amt“. Einmal fast eingeschlafen. Abends bei Sudoku und Die Höhle der Löwen die Work-Life-Balance (ha!) wiederhergestellt. Es gibt Tage, da bist du froh, wenn sie vorbei sind.

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Blick aus dem Fenster am Morgen

Montag. Eine geputzte Fensterscheibe, eine fertige Arbeit, eine neue Glühbirne, eine nie getragene und neu entdeckte Bluse, frisch lackierte Nägel, ein warmes Bad … kleine Auferstehungen. „Es gibt keine Natur des Menschen, die den Menschen festlegt, sondern der Mensch ist das, wozu er sich …“ On y va!, Monsieur Sartre …

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Schlau

Das macht die türkische Regierung doch sehr schlau, das Beweismaterial über die Ermordung Khashoggis nur häppchenweise rauszulassen. Auf die Weise schlägt Grinseprinz MbS immer neue Haken, um sich reinzuwaschen, verstrickt sich immer tiefer in sein aberwitziges Lügengespinst, zeigt sein wahres Gesicht. Und zwingt die Außenminister dieser Welt zu einer Reaktion (oder doch nicht, wenn die USA oder Deutschland o.a. ein Waffenembaro gegen Saudi Arabien verhängen wollten, hätten sie es längst tun können …). Und jetzt die CIA: Kein anderer als der saudische Kronprinz sei es gewesen, der Khashoggis Ermordung angeordnet habe. Belegt wird die geheimdienstliche Einschätzung mit Mitschnitten der Telefonate

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Klare Ansage

Sonntag. 1938-2018 / Gegen jeden Antisemitismus / Kein Vergeben, kein Vergessen  Gerade in diesen Zeiten ein so wichtiges Statement. Dank an das Epplehaus hier in Tübingen, dass ihr immer klare Ansagen macht und Haltung beweist! (Foto: Andreas Bergholz auf FB)

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Lass uns über den Tod reden – Jan Schmitt (Dokumentarfilmer)

„Das Bild Die Toteninsel von Arnold Böcklin ist eine Metapher für unsere Familie.“ … sagt der Dokumentarfilmer Jan Schmitt in meinem im März 2019 erscheinenden Buch Lass uns über den Tod reden (Chr. Links Verlag). Mit dem Tod beschäftigt sich Schmitt, seit seine Mutter Suizid beging und auf ihrem Schreibtisch einen Auftrag an ihn, den Sohn, hinterließ, der sein Leben für immer veränderte.

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Ein Geräusch*

Freitag. Kommt da einer oder knackt nur die Tür? Tickt die Uhr plötzlich irre laut oder ist das ein irres Insekt, das seine Flügel wogegen schlägt? Schiebt einer heimlich den Schlüssel ins Schloss oder ist das in der Nachbarwohnung? Fliegt da etwas von der Kommode oder raschelt die Zugluft durch die am Boden liegende Zeitung? Glühen die Heizdrähte des Toasters oder dehnt sich der Heizkörper aus? Tropft der Wasserhahn oder klopft Regen an die Scheibe? Ich schließe die Augen und schaue nicht nach. Vielleicht kommt einer, vielleicht fliegt was runter, vielleicht heizt sich was auf oder kühlt sich was ab.

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Spuren im Abwasser

Die Causa Khashoggi wird immer widerlicher. Saudi-Arabien habe nach dem Mord an dem regierungskritischen Journalisten eine Kommando von Spezialisten eingeflogen, um Spuren zu beseitigen, berichtet die türkische Zeitung „Sabah“ unter Berufung auf „vertrauenswürdige Quellen. Zu diesem Team, das am 11. Oktober in Istanbul eingetroffen sei, haben auch ein Chemiker und ein Toxikologe gehört. Trotz Chemiker und Toxikologe – Khashoggi ist nicht ganz spurlos verschwunden. In der Abwasserleitung des saudiarabischen Konsulats in Istanbul wurden Rückstände von Säure gefunden …

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