Alleinsein

Die erste Woche im „Amt“ war – okay. Ich vermisse W., der leider nicht mehr mein Kollege ist, dafür aber noch mein Freund und Nachbar, weshalb wir gestern gemeinsam den umbrisch-provencalischen Markt in Tübingen besuchten und ein paar Sachen einkauften, die man eben so kauft auf so einem Markt: Seife, Gewürze, einen Olivenholzlöffel für L. und eine Feigensalami, die beim Kauen knirscht und knackt vor lauter Feigenkernen. Das Wochenende war ich alleine in Tü, und das hat nach der langen Zeit in B.N. gut getan. Manchmal muss man sich selbst genügen. Den Staub von den Regalen wischen. Die Dinge gerade

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So genau …

Sonntag. Der Bundestag hat die Beteiligung am Syrienkrieg beschlossen. „Für welche Seite sind wir dort im Einsatz?“, fragt Klaas Butenschön die Abgeordneten, als sie den Plenarsaal verlassen. Eigentlich die nächstliegende Frage (wenn schon nicht klar ist, was deutsche Soldatinnen und Soldaten überhaupt in Syrien verloren haben). Die Antworten muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Waldemar Westermayer (CDU): „Wir sind …, tja, eine gute Frage…“ Thorsten Hoffmann (CDU): „Wir sind natürlich für die Gemeinschaft.“ Roland Kiesewetter (CDU): „Wir kämpfen für die Interessen Europas und Deutschlands.“ Dorothee Schlegl (SPD): „Auf der Seite der Menschen.“ „So genau kenne ich mich da

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Verantwortlich

Durch die schöne, grüne Südstadt läuft eben eine vor mir her, als ihr plötzlich eine Kastanie auf den Kopf fällt. Die landet auf dem Boden und rollt mir vor die Füße. Also, das ist doch wohl ein Fall für die Versicherung!, sagt die Frau, während sie sich den Kopf reibt. Sehen ja hübsch aus, aber müssen die überm Gehweg wachsen? Na klar, sage ich, die gehör’n alle abgesägt. Sie guckt mich an und weiß nicht, was sie von mir halten soll. Sicherheitshalber wechsle ich die Straßenseite.

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Doppelstern

Samstag. Als ich mir das komische leuchtende Ding am Himmel genauer ansehen will, ist es ein Stern. Großer Schrecken. Ich sehe den Punkt als Strich. Auch die Mondsichel hat plötzlich auf einer Seite eine hauchfeine, zweite Linie. Nur wenn ich die Augen zukneife, sehe ich Mond und Stern wieder normal. Das ist wohl mein neues Normal: Ver-rückt, im wahrsten Sinn des Wortes. Es ist auf beiden Seiten, ich teste das sofort. Auf einen Schlag. OMG!, und ich hasse Brillen…

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Un-fall

T. hatte einen Unfall. Ein LKW ist ihm seitlich reingeknallt. Toter Punkt und so, der Andere habe ihn nicht gesehen (warum muss der dann überholen?). Keine Panik auf der Titanic, sagt T., ihm sei ja nichts passiert. OMG! Da pennt einer eine Sekunde lang … irgend so ein Trottel … und verändert u.U. das Leben eines Anderen (meines Sohnes!), nein, vieler Anderer um hunderachtzig Grad … wenn überhaupt … ist ja noch mal gut gegangen … trotzdem ist da so eine Wut und Fassungslosigkeit!

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Nachtrag

Mittwoch. Um meinen letzten Blogpost  ein wenig zu relativieren: Ich liebe Sprache. Weshalb ich die vielen Grausamkeiten, die ihr angetan werden, zutiefst verabscheue und – in Maßen – daran leide. Es ist ja vollkommen in Ordnung, dass jeder sich in den verschiedenen sozialen Netzwerken zu jedem Problem schriftlich äußern kann, auch wenn die Äußerungen sehr oft kryptisch bis unverständlich ausfallen. Oder im schlimmsten Fall einfach durch Emojis ersetzt werden. Aber da schreiben eben Leute, die eigentlich gar nicht schreiben. Für die die Umwandlung eines bestimmten Tatbestandes in Wort und Syntax keinen Reiz, keine Herausforderung darstellt. Die lieber den Smiley-Button drücken,

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Babylonisches Deutsch

Die deutsche Sprache verändert sich. Das kann jeder beobachten, der viel mit Menschen zu tun hat oder einfach mal ab und zu Talkshows sieht. Da geraten manch einem die vier Fälle ganz schön durcheinander, die Tage des bestimmten Artikels scheinen gezählt, und ein reicher Wortschatz kommt einem fast schon antiquiert vor … Unter dem Einfluss der unter uns lebenden Migranten verschiedenster Nationen geht diese Entwicklung wahrscheinlich um einiges rasanter vonstatten als „früher“. Zum einen ist das nicht weiter verwunderlich. Wo Sprachvielfalt herrscht, herrscht mehr spielerische Kreativität im Sinne der gegenseitigen Anpassung. Das lässt sich schon an mehrsprachig aufwachsenden Kindern beobachten,

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Aufstehen

Samstag. Heute Abend bin ich wieder zu Hause, aber was ist zuhause?, für mich inzwischen ja auch längst B.N., weshalb ich eben zwei Zuhauses habe (und hier voll mal die Freiheiten der zweiten Rechtschreibreform ausschöpfe). Gestern Abend im Bell’s von D. und M. verabschiedet. Donnerstag einen schönen Tag in Köln bei/mit L.und B. verbracht. Mittlerweile gut vorbereitet aufs „Amt“, manuskripttechnisch alles erledigt, good vibrations, Sonne, neuen Pullover von meinem Lieblingslabel an, jetzt noch Koffer packen und gegen Mittag fahren wir nach Tü. „Aufstehen“ hat gestern ihren Gründungsaufruf versendet, Thesenpaper oder Grundsatzprogramm hätten wir es genannt, aber ein Programm ist es

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Was ist ein Rebell?

Donnerstag, B.N. Idlib ist die letzte noch verbliebene Terroristen-Hochburg in Syrien. Bei den Terrortruppen, die die Stadt in ihren Fängen halten, handelt es sich um radikal-salafistische Al Qaida-Kämpfer. Jeden Tag hängen sie Menschen auf, deren Einstellung ihnen nicht passt, sei es, dass sie zu modern denken oder aber, dass sie pro Assad sind. Auch Andersgläubige werden in Idlib gehängt oder hingerichtet. Kleinen Mädchen wird die Vollverschleierung aufgezwungen, Frauen haben keine Rechte. Die Bevölkerung ist ihnen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. ‚Rebellen‘ nennen unsere Medien diese Terrortrupps, gerne auch ‚gemäßigte Rebellen‘. Und die sind jetzt irgendwie die Guten. Das macht die Bundesregierung, die

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