Die Khashoggi-Geschichte entwickelt sich nicht nur zu einem Horrorfilm der Extraklasse, sondern sie könnte auch zu einem Wendepunkt in Sachen Kapital-bestimmt-die-Moral werden. Zum ersteren: Die Aufklärungsarbeit des inzwischen kaum mehr infrage gestellten Mordes an dem saudi-arabischen Journalisten durch die türkischen Behörden bringt ein regelrechtes Horrorszenario zutage. Die Rede ist von einem 15-köpfigen saudischen Spezialkommando, das eigens zu Mordzwecken in die Türkei ein- und schnell wieder ausgeflogen wurde, von abgeschnittenen Fingern während des Verhörs, von einem Forensiker, der seinen Teamkollegen Kopfhörer mit schöner Musik empfiehlt, um die Knochensäge zu übertönen und weil ihnen dann das Zerteilen der Leiche leichter falle. Auch
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Gelber Sack
Donnerstag. Gelben Sack rausstellen ist so was, das dir nachts um halb zwei einfällt. Dein Geist fährt gerade runter und checkt nochmal den Tag durch, und plötzlich siehst du ihn vor dir, prall gefüllt mit deinem Verpackungsmüll von zwei Wochen oben in der Abstellkammer statt unten auf der Straße, was bedeutet: Nicht verhandeln, aufstehen! Mantel über Schlafshirt, Stiefel raus, Schlüssel raus, und nur das Wissen, dass du in viereinhalb Minuten wieder im Warmen liegst, lässt dich das jetzt durchziehen.
WeiterlesenThink positive
Dienstag. Mir gefällt Kevin Kühnert. Er bringt die Probleme der SPD auf den Punkt. Er macht klare Ansagen. Er hat nichts Bräsiges, er ist ungeduldig, er sitzt in den Startlöchern. Gestern kam in den ARD-Nachrichten, dass das Tübinger Freibad immer noch geöffnet hat, täglich von 7.30 bis 19.30 Uhr. Das ist so einer der Momente, wo ich mich freue,Tübingerin zu sein. Nicht unbedingt, weil ich auch im Oktober im Freien schwimmen will, sondern weil Tübingen, so gewöhnungsbedürftig und schrullig es gelegentlich daherkommt, eben etwas Besonderes ist. Boris Palmer hat manchmal ziemlich skurrile Einfälle („satirische“ Posts auf FB), aber insgesamt macht
WeiterlesenEin Mord und eine Apple Watch
Montag. Der weltweit anerkannte und für internationale Medien (Washington Post, Spiegel …) schreibende, saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi ist verschwunden. Ist das an sich schon seltsam genug, wird es noch seltsamer, wenn man sich den Ort seines Verschwindens vergegenwärtigt: Es ist das saudi-arabische Botschaftsgebäude in Istanbul, in welches Khashoggi zwar hineinging, nicht aber wieder herauskam. Seit dem 2. Oktober fehlt jedes Lebenszeichen von ihm. Besonders fehlen dürfte es seiner Verlobten, die vor dem Konsulat auf Khashoggi wartete; bei seinem Besuch in Istanbul ging um Dokumente für ihre anstehende Hochzeit. Im September 2017 war Khashoggi aus Angst vor einer Festnahme ins US-Exil
WeiterlesenNichts tun
Sonntag. Krank. Fieber und das alles. An Arbeiten, Lesen, Schlafen nicht zu denken … Würde mich gerne „von der Improvisation auf einen mich selbst überraschenden Weg verlocken“ lassen … (Franz Werfel, Das Lied von Bernadette, S. 34)
WeiterlesenWas eine Zahl nicht erzählt
Samstag. Unglaubliche geschätzte 240.000 Menschen haben sich heute unter dem Motto „Unteilbar – Solidarität statt Ausgrenzung“ zur Großkundgebung in Berlin versammelt. Ein breites Bündnis von Verbänden, Parteien, kirchlichen Organisationen und Gewerkschaften hat im Vorfeld zur Teilnahme der Veranstaltung aufgerufen. Außer gegen Rassismus und den Rechtsruck in Europa geht es um Sozialabbau, Wohnungsnot, Rentenabbau, Klimawandel, keine Waffenexporte nach Saudi Arabien … . Nach den Transparenten zu urteilen, geht es irgendwie um alles – wer ist denn nicht „Für eine offene und freie Gesellschaft“ ? Also auch darum, die Politik der GroKo anzuprangern? Kurios mutet daher die Begeisterung von Andrea Nahles und
WeiterlesenLiquid
Freitag. Man sitzt in den Straßencafés und fühlt sich in einem endless summer. Mit Beate im Liquid den Nachmittag verquatscht … über das Wort preisgeben philosophiert (B. führt eine Liste der schönen Wörter)… und geshoppt: eine Armbanduhr mit Mondanzeige … PM kommt nicht. Ist unabkömmlich.
WeiterlesenHeilige Familie
Mittwoch. Der Typ, der mir auf dem Heimweg entgegentänzelt, trägt eine Blätterkrone auf dem Kopf. Zwischen den Fingern hält er mehrere Getränkedosen. Er singt sich seine Musik, lacht für sich, direkt vor mir stoppt er. Tänzelt noch ein bisschen auf der Stelle, hebt die Arme wie zum Segen und ruft: „Maria! Mutter Gottes!“ Er macht eine bodentiefe Verbeugung. Bevor ich mir ausmale, was jetzt passiert, ist er schon an mir vorbei und entschwindet, einszweitipp, einszweitipp, in der Unterführung. In Tübingen bist du einiges gewöhnt. Du bekommst die seltsamsten Ansagen von seltsamen Leuten, das ist manchmal lustig und manchmal nervig. Mutter
WeiterlesenGebanksyed
Vier Tage alt ist das Wort: Gebanksyed. Definition: Wenn nach Verkauf eines Bildes dieses noch in der Auktion durch Aktivierung eines im Bilderrahmen eingebauten Schneidewerks geschreddert wird, sind der erschrockene, schockierte Käufer und sämtliche ZuschauerInnen des Live-Events gebanskyed worden (so Alex Branczik von Sotheby’s). Bei dem zerstörten Bild handelte es sich um das bekannte Werk „Girl with Balloon“ des Street-Art-Künstlers Banksy. Für 1,04 Millionen Pfund (1,18 Millionen Euro) war es unter den Hammer gekommen. Banksy selbst kommentierte das Geschehen auf seinem Instagram-Account mit dem Satz „going, going, gone“.
WeiterlesenLebenswelten
Dienstag. … von halb 8 bis 23 Uhr im „Amt“ – verrückter Großkampftag und anschl. Abendveranstaltung. Im Vorfeld immer stressbehaftet, jetzt mit gutem Gefühl ad acta gelegt. Fazit: freundliche Begegnungen mit den Erziehungsberechtigten, vor allem mein Eisenach-Programm im kommenden Juli wird mit Interesse & Wohlwollen aufgenommen. Bin selber supergespannt, weil es für mich auch neu ist (Ineinandergreifen meiner Lebenswelten, das „Amt“, PM und irgendwie auch das Schreiben …). Meine Schreibwerkstatt hat Zuwachs bekommen, ein schönes Gedicht ist entstanden, zwei, drei gute Essay-Ansätze, und auch eine Einladung zur jährlichen Lesung in Stuttgart/Stadtbibliothek liegt uns wieder vor. Den ganzen Tag keine Zeit zu
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