Ein Tag in Trier

Dienstag, B.N. Nach dem schönen Städtetrip ins schöne Trier würde mich mal interessieren, wieviel von Triers Grundfläche bzw. Immobilien dem Bistum Trier gehört. An jeder Ecke alte Schlösser und Verwaltungsgebäude mit kirchlichem Verwendungszweck, da fühlt man sich direkt an Rom erinnert … Übrigens auch, was die wunderbaren Schuhgeschäfte und die hervorragende Zitronentarte bei Café-Bar Nikos am Kornmarkt angeht  … Der  romanische Dom und die gotische Liebfrauenkirche muten dagegen eher protestantisch-schlicht an, und das Karl-Marx-Haus erinnert mit seinen vielen kleinen Zimmern und Treppen und dem kuscheligen Innenhof an das Lutherhaus in Eisenach. Seit diesem Jahr – Marx‘ 200. Geburtstag – zeigt

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Das Ende

Dienstag, B.N. Und weil die Küche komplett unter Qualm ist vom angebrannten Schinken, mache ich die Terrassentür auf und stehe, als wenn sie nur darauf gewartet hätten und das haben sie ja auch, in einer schwarzen Wolke aus Fliegen. Die schwirren an mir vorbei in Küche und Esszimmer und kleben in Nullkommanichts an den Fensterscheiben, an der Decke, an der Spüle, am Dunstabzug, an den Lampen, an meinem Teller, an meiner Gabel. In Knäulen hängen sie am Fenstersims, und an den Scheiben laufen sie wie Wasser von unten nach oben, eine neben, vor und hinter der anderen. Das ist wie

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Thüringer Begegnungen

Sonntag, Eisenach. Wiedersehen mit liebgewonnenen Freunden und freundlichen Menschen auf dem alljährlichen „Marienstraßenfest“. Morgens um drei geht es durch das menschenleere Eisenach zum Glockenhof zurück. Da musst du schon etwas genauer auf den Weg gucken, das unablässige Nachschenken von Sekt, Bier und Bowle macht sich bei PM und J. in einer leichten Schräglage und meinerseits in leichter Übelkeit bemerkbar. Spontan hängen wir noch einen Tag dran, so dass der Nachmittag voller familiärer Verpflichtungen in einen Warmumsherz-Abend voller Anregungen, (Selbst)offenbarungen und Erinnerungen mit Toff und J. übergeht (Kartoffelhaus!). PM’s Heimat- oder Nostalgiegefühle kann ich gut nachvollziehen. („Meine Heimat gibt es nicht mehr.“)

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Elvis im Massakerkapitalismus

Donnerstag. Wunderbare Doku von Eugene Jarecki gestern Abend auf ARD, The King – Elvis und der amerikanische Traum zum vierzigsten Todestag des Rock’n’Rollers: Nachdenklich, melancholisch, aufwühlend … Stellt eine Verbindung her zwischen dem Verfall des amerikanischen Super- und Herzeige-Stars und dem Verfall Amerikas. In ihrer Deutlichkeit deprimierende Streiflichter im Wechsel mit Szenen aus Elvis‘ Leben. Der traurige Held als Metapher, einem raffgierigen Manager ausgeliefert, den nie sein Talent interessierte, sondern das, was pinkepinkemäßig hinten rauskam. Widerlicher, menschenverachtender Typ, und Elvis, der naive Junge vom Lande, ist stolz auf die Aufmerksamkeit, lässt sein Talent verkommen und folgt der Spur des Geldes,

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Rekordjuli

Dienstag. 40 Grad draußen und drinnen 40 Grad, nicht rausgehen, arbeiten, arbeiten, nicht rausgehen, der Himmel ist schmutzig, der Regen hält nicht an, der Regen hält nicht, was der schmutzige Himmel verspricht.

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Leben in zwei Welten

Sonntag. Ye und auch T. sind ausgezogen, es ist wieder ruhig, leise in meiner Wohnung, so leise, dass es manchmal schmerzt, aber der Schmerz geht vorbei, das weiß ich, und ich muss ja arbeiten, seit beinahe einer Woche bin ich schon im Arbeitsmodus, im anderen Arbeitsmodus, feile am Manuskript, kürze zu Ausschweifendes, pointiere allzu Vages, schreibe die Kapiteleinführungen, das vor allem: Kurze Essays, in denen jeweils eine konkrete Eigenerfahrung den Ausgangspunkt bildet, was im einen oder anderen Fall noch einer Idee bedarf, was natürlich noch die Hauptarbeit ist … Sechs Wochen habe ich Zeit, keinen Tag länger. Arbeitsferien. Kein Urlaub.

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Direktsaft

Donnerstag. Keine Ahnung, wie die Fachkraft von Alnatura das angestellt hat, jedenfalls liegt das Zeug plötzlich in meinem Warenkorb und schon auf dem Weg zur Kasse zweifle ich, ob ich es trinken werde. Es kostet 18 Euro, was mir für so ein kleines Fläschchen ziemlich viel vorkommt. Wahrscheinlich hat sie die Tun-Sie-sich-doch-mal-was-Gutes-Platte aufgelegt, für die ich, ihre Durchschaubarkeit übergehend, offenbar empfänglich bin. Das Gute besteht in einer unscheinbaren braunen Flasche, genauer, in 330 ml hundertprozentigem Aloe Vera Saft. Diese Flasche, verpackt in eine grün-weiße Schachtel, steht anschließend über ein halbes Jahr (es war um Weihnachten rum) am Küchenfenster und macht mir

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BayerAG und die Nachhaltigkeit

Sonntag. Geschieht Bayer recht! Eine Prozesslawine rollt auf den Chemieriesen zu. Nachdem Hunderte Landwirte, Gärtner und andere mit Glyphosat kontaminierte Ankläger an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und einige mittlerweile schon gestorben sind, nachdem deutlich der Verdacht im Raum steht, dass Monsanto, die Erfinderfima des Pflanzenvernichters, massenhaft Studien bezahlt habe, um die Harmlosigkeit des Teufelszeugs zu belegen, hat ein US-Bundesrichter in Kalifornien nun endlich mehrere hundert Klagen gegen Bayer/Monsanto zugelassen. Seit zwei Jahren hat Bayer alles darangesetzt, Monsanto zu vereinnahmen. Seit Juni 2018 ist der US-Saatgutriese in deutscher Hand. Seit Jahren stehen US-Klägeranwälte mit zahlreichen Sammel- und Einzelklagen gegen Monsanto in der Warteschleife.

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Ach Mensch, Irene

Samstag. Begegnungen können traurig und glückvoll und klärend in einem sein. Am Anfang steht eine E-Mail. Des Absenders Frau war meine Freundin Irene Mieth. Wir waren Freundinnen und Kolleginnen und saßen jahrelang am selben Tisch im selben Zimmer. Wir redeten über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes und manchmal auch über Kosmetikprodukte. Der Altersunterschied zwischen uns spielte keine Rolle. Irene war eine schöne, stolze Frau. Sie hatte den Gang einer Königin. Sie hatte das, was ich unter Haltung verstehe. Sie sagte ihre Meinung, sie hatte intellektuell den Durchblick, sie schrieb einige Bücher und sie leistete gute Arbeit.

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