Montag. Etwa dreißig vermummte Jugendliche zertrümmern auf der Champs-Elysées die Fensterscheiben der Weinhandlung Publicis Drugstore. Beim Beutemachen von Wein- und Champagnerflaschen filmen sie sich selbst mit ihren Handys. In Frouard nahe der ostfranzösischen Stadt Nancy werden ein dreijähriger Junge und zwei sechsjährige Mädchen schwer verletzt, als sie während der Siegesfeiern von einem Motorrad angefahren werden. Der Motorradfahrer flüchtet nach Angaben der Behörden. In Saint-Félix in Nordfrankreich stirbt ein Mann in den Dreißigern, als er kurz nach dem WM-Spiel in einen Baum rast.
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Legendenbildung NSU
„Am 4. November 2011 nehmen sich zwei Männer in einem Wohnmobil in Eisenach das Leben – die beiden Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.“ Mit diesem Satz beginnt spiegel.de den ultimativen Aufklärungstext über den NSU-Endlosprozess gegen Beate Zschäpe, der heute nach fünf langen Jahren mit der Urteilsfindung zuende gehen soll. Spiegel steigt also gleich mal mit einer entsetzlichen Unwahrheit ein. Alle Erkenntnisse über den angeblichen Selbstmord der beiden Uwes lassen darauf schließen, dass sie sich eben nicht selbst getötet haben. Genauso wenig, wie die insgesamt sechs (!) jungen, toten Zeugen und Zeuginnen dieses unseligen Prozesses. Aber die Medien schließen sich
WeiterlesenKleine Ergänzung: Pygmalion
Mittwoch. Eine der bekanntesten Künstlermythen aus der Antike ist die in Ovids „Metamorphosen“ erzählte Geschichte von Pygmalion. Der Bildhauer, von den Frauen enttäuscht, verliebt sich in eine von ihm geschaffene Statue, in späteren Adaptionen Galatea genannt. Auf seine Bitte hin wird diese von Venus zum Leben erweckt. Der Mythos ist die poetisierte Version vom Traum des Künstlers von der Beseelung seiner Schöpfung und wurde nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Literatur und Theater immer wieder aufgegriffen, thematisiert und je nach Zeitkontext variiert. (http://www.projekte.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/Paragone/legenden_pygmalion.html)
WeiterlesenAm Anfang war Siri
Dienstag. Wir werden mit unseren Erfindungen verschmelzen, glaubt Yuval Noah Harari (Homo Deus). Den zukünftigen Menschen sieht Harari als einen Cyborg, als ein technisch aufgerüstetes Mensch-Maschine-Mischwesen, uns Naturwesen gegenüber zielgerichtet optimiert und den Bedürfnissen einer digitalisierten Welt angepasst. In einer Reportage bringt es kürzlich ein französischer Erfinder auf den Punkt. Er stellt der verblüfften Zuschauerin seine Lebensgefährtin vor: Eine humanoide Roboterfrau. Eine Androidin. Oder besser: Eine Gynoide. Die Lady verfügt über eine menschliche Mimik, kann traurig aussehen und freudig strahlen. Sie hat eine künstliche Intelligenz, durch die sie in der Lage ist, auf ihren Nutzer einzugehen, ihm zu antworten, ihm Fragen zu
WeiterlesenSommerfest der Begegnungen
Sonntag, B.N. Dass Dorle und I. und G. von Tü anreisen, dass die Eisenacher wieder da sind, dass es ein Wiedersehen mit Sabine aus Erfurt gibt, dass J. und A. kommen, die ich seit dem gem. Italienurlaub nicht mehr gesehen habe, dass interessierte / interessante und mir bisher unbekannte Nachbarn dabei sind und Gespräche angerissen werden, die unbedingt weitergeführt werden müssen, dass die gemeinsame Festvorbereitung schöne Momente beinhaltet (ich könnte auch sagen: kostbare), weil PMs und meine Vorstellungen sich ergänzen statt auszuschließen, was für mich eine Luxuserfahrung ist, dass es G. zwar schlecht geht, er aber unter uns ist und zuhört
WeiterlesenGesslers Hut
Freitag. Kaum flattert Chef-Mail rein, haben alle nichts Besseres zu tun, als der enorm brisanten Anweisung Folge zu leisten. Unisono und ohne zu hinterfragen: Die Tür des Stützpunktes hat ab sofort regelkonform verschlossen zu sein, ungeachtet der auf der Hand liegenden Nachteile. Jahrelang war sie von morgens bis abends angelehnt, mit herausgedrehtem Riegel, damit du sie, von oben oder von unten im Anflug, immer in Eile und die Arme immer voller Zeug, mit dem Ellenbogen oder dem Fuß oder einem freien Finger öffnen konntest. Nun heißt es plötzlich, Achtung, Diebstahl! Vorschrift! Einhalten! Solange du da arbeitest, also ewig, hat es
WeiterlesenPlastik
Donnerstag. Der Jangtse ist der dreckigste Fluss der Welt. Er transportiert jährlich 330.000 t Plastikmüll ins Meer. Der zweitdreckigste ist der Ganges mit 115.000 t. Im Vergleich dazu ist der Rhein mit 20-30 t ziemlich sauber und erfreulich schuldlos am Zustand der Meere. Da können wir uns auf die Schultern klopfen. Doch der Müll in Asien ist auch unser Müll. Über Jahrzehnte exportierten wir unseren Plastikabfall nach China. Außerdem kaufen wir viele Produkte made in China. All die schönen, bunten Sachen bei Butlers & Co. … Hergestellt aus Plastik. Nebenprodukt: Plastikabfall. In China und Indien fehlen Strukturen zum Sammeln und
WeiterlesenKontemplation und Diskurs
Sonntag. Ich liebe wolkengroße Schaumberge auf meinem Badewasser. Das Obstgesicht von Ed Sheeran … ist wie seine Songs. Eigentlich ist mein gestörter Nachbar ein armes Schwein, aber weil er gleichzeitig so ein Kotzbrocken ist, der die Hausbewohner tyrannisiert und allen Angst einjagt mit seinem Cholerikergebrüll und seinem Armehochreißen (und seine Arme haben den Umfang von Walzen), kommt kein Funken Mitleid bei mir auf. Viele Mails und Telefongespräche: Für mein Buchcover darf ich in Absprache mit dem Ch. Links Verlag einen Grafiker meiner Wahl um Entwürfe bitten! Eine Gratwanderung, das Thema ‚Tod‘ gestalterisch so anzugehen, dass es Neugier weckt, aber nicht aufdringlich
WeiterlesenWeitermachen
Samstag. Ja, und in diesem anderen „Amt“ haben sie mir jetzt einen Job angeboten. Das hätte ich als Allerletztes erwartet. Denke nun aber dauernd darüber nach. Warum?, das frage ich mich. Ein „Amt“ ist wie das andere unterm Strich, und mein „Amt“ ist okay. Vielleicht fühle ich mich einfach nur irgendwie geschmeichelt … Ye hat heute ein Date. Endlich sitzt sie nicht nur in ihrem Zimmer, das kommt mir schon ganz rätselhaft vor. PM bleibt dieses WE in B.N., unser Sommerfest vorbereiten … viel, viel Arbeit. Ein WE ohne ihn: blöd. Er fehlt. T. hatte gestern e. Auftritt, schläft noch,
WeiterlesenHunde schlafen
Freitag. Meine Mädels wollen heute wissen, wie alt ich bin. Ich sage, irgendwas zw. 29 und 70. Sie lachen und fragen nochmal: Nee, echt jeeetzt! Warum das wichtig sei, frage ich sie. Wenn ich mich für einen Menschen interessiere, interessiert mich nie sein Alter. Klar kann ich grob einschätzen, ob jemand jünger oder älter als ich ist – mehr auch nicht. Mit achtzehn war ich in einen Sechzigjährigen verknallt, mit 25 in einen Neunzehnjährigen. Leute, die frei im Kopf sind, behaupte ich jetzt mal, denken nicht in diesen Kategorien. Das Alter ist nämlich eine sehr konventionelle Kategorie. Im Vergleich zu manchen
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