Freitag. Wo ich gerade nicht mehr zum Schreiben komme vor lauter Arbeit im „Amt“ und zeitfressendem, leider in den meisten Fällen sinnfreiem Korrigieren (Systemfehler, einer von vielen), erscheint mir mein Leben stumpf und abgedroschen. Besteht der Fluss der Tage aus Broterwerb, einkaufen, Wäsche waschen, Rechnungen bezahlen, ist das die pure Immanenz, zum Erbrechen eindimensional, keine Flügel zum Abheben und über den Dingen kreisen … Oh, dass kein Flügel mich vom Boden hebt* … Ye hat sich bei der Arbeit in der Uni ihr Ohr an der Tür angeschlagen, bzw. die Tür ist ihr ans Ohr gefallen. Sie sagt, in Deutschland
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Tübinger Nächte
Sonntag. Hitze auf der Terrasse, Vogelgezwitscher – immer weniger, weil immer weniger Insekten -, ab und zu ein Flugzeug, Klavierklimpern aus einem offenen Fenster und ein erstaunliches Buch: Die Krähe von Kader Abdolah, den ich bisher nicht kannte und der von der Teheraner Studentenbewegung, von linkem Untergrundjournalismus, von der komplizierten Liebe im Land der Verbote und von seiner Flucht in die Niederlande erzählt – Mittagsruhe nach einer extrem arbeitsreichen Woche, und die nächste dieser Art ist bereits im Anmarsch in Gestalt eines Korrekturberges … PM ist schon weg, er beginnt heute sein soziales Experiment mit seinem Vater, oh je!, ich
WeiterlesenWie die AfD schweigend die Puppen tanzen lässt
Samstag. Ein Mädchen ist ermordet worden (Susanna Feldmann, 14 Jahre), und eine Partei, nämlich die AfD, nutzt die Gunst der Stunde und legt – klar, aus propagandistischen Zwecken – im Bundestag eine unangekündigte Schweigeminute ein. Verdammte Axt, wie verhält man sich da? Spontan zu reagieren, ist unseren Politiker*innen nicht mehr gegeben, alles, was sie sagen, ist in der Regel im Vorfeld fein mit der Nichtssager-Pinzette zurechtgezupft. Spontan ist gefährlich! Aber irgendwas muss ja jetzt passieren, oh Gott!, bloß was? Aufstehen und mitschweigen und das Zugeständnis riskieren, dass die falsche Partei möglicherweise gerade das Richtige tut, oder nicht nicht aufstehen und
WeiterlesenDen Linken ein Bärendienst
Montag. Eine Polizistin ist in einem Intercity von einem Flüchtling aus Eritrea mit dem Messer angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Bevor er auf die 22-Jährige losging, hatte der Angreifer einen anderen Fahrgast schwer verletzt. Die Polizistin war zu dem Zeitpunkt im Bereitschaftsdienst oder privat unterwegs, hier unterscheiden sich die Quellen, jedenfalls war sie einer Lautsprecherdurchsage gefolgt, nach der ein Polizist im Zug gesucht wurde, um den „Streit“ zu schlichten. Als sie dazu kam, ging der Messerangreifer sofort auf sie los. Im Bericht der taz vom 1. Juni 2018 hört sich das so an, als sei die Polizistin zufällig im
WeiterlesenTeam- und Soloplayer
Donnerstag, Diano Marina. Sieben ist gruppendynamisch betrachtet keine besonders gute Zahl. Mit Abgrenzung beschäftigt, manches geht mir gerade tierisch auf die Nerven (die abendlichen Besäufnisse des einen, die uninspirierenden Angebergeschichten der anderen …). Habe mich heute in Zuccarello verliebt. Auf der Rückfahrt von Genua haben wir, d.h. PM und ich, es entdeckt, im Hinterland von Albenga. Das Dorf liegt im Neva-Tal. Von der Straße aus, auf dem Weg nach Castelvecchio di Rocca Barbena, ist sie mir aufgefallen: Die mittelalterliche Kulisse aus zünftig verratzten Häuserrücken und einer uralten Steinbrücke über die Neva. Nachdem uns Castelvecchio nicht so umgehauen hat, wie es
WeiterlesenDefinitionssache
Donnerstag, Diano Marina. Liebe ist, morgens aufzuwachen und jemand liegt neben dir, und das ist ein gutes Gefühl. (PM am Morgen)
WeiterlesenWas ist Liebe?
– ich meine nicht diese schwache Sauce mit Spielereien und Eifersucht und Angst (gibt es Liebe ohne Angst?), sondern ein Fundament, mit dem Hauch von Vollendung, die Liebe als reines Glück unter dem mediterranen Vollmond …
WeiterlesenAufbruch
Samstag. Nach Übernachtung in Tübingen und Koffer umpacken für Sonne und Urlaub heute Weiterfahrt nach Italien (im Koffer meine neuen, hippen Sachen von Rinascimento, knallbunter Rock, orangenes Top, gelber Sweater … aaah, ich freue mich!). T. und Ye sind nicht da. Wo sind sie??? Sofort diese Mamasorgengefühle, dabei ist ihr Status – ja, auch T’s. – der eines Mitbewohners, daran muss ich mich gewöhnen. Es ist früh am Morgen, ich sitze an meinem Arbeitsplatz in meiner Wohnung und könnte jetzt auch da weiterarbeiten, woran ich die Woche über in B.N. gearbeitet habe. Schreiben ist eine asoziale Tätigkeit. Du willst deine
WeiterlesenPhilip Roth tot
Mittwoch, B.N. Philip Roth ist tot. Wie traurig! Ich liebe jedes seiner Bücher, jedes seiner Bücher war / ist ein persönlicher Gewinn für mich. Pulitzer-Preis ja, Literaturnobelpreis nein – schade! Eines seiner Lieblingsbücher war Max Frischs Stiller … wie schön!
WeiterlesenWilde Woche
Pfingstmontag, B.N. Wer spricht heute noch von Ex-Agent Skripal und dem Nervengift Nowitschok, das angeblich nur aus Russland stammen konnte? Niemand, denn wie sich vor drei Tagen plötzlich – wodurch eigentlich? – herausstellte, hat noch ein Land den gefährlichen chemischen Kampfstoff besessen: Deutschland! Genauer: Der Auslandsgeheimdienst BND, der Mitte der 90er Jahre durch einen Überläufer aus Russland daran gekommen sein soll. Und auch noch mindestens fünf weitere westliche Länder verfügen nach den jüngsten Enthüllungen über die Formel für das Nervengift. Die Angelegenheit soll in der nächsten Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums des Bundestags behandelt werden. Und der BND? Schweigt. Was ein absolut krasses
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