Donnerstag. Keine Ahnung, wie die Fachkraft von Alnatura das angestellt hat, jedenfalls liegt das Zeug plötzlich in meinem Warenkorb und schon auf dem Weg zur Kasse zweifle ich, ob ich es trinken werde. Es kostet 18 Euro, was mir für so ein kleines Fläschchen ziemlich viel vorkommt. Wahrscheinlich hat sie die Tun-Sie-sich-doch-mal-was-Gutes-Platte aufgelegt, für die ich, ihre Durchschaubarkeit übergehend, offenbar empfänglich bin. Das Gute besteht in einer unscheinbaren braunen Flasche, genauer, in 330 ml hundertprozentigem Aloe Vera Saft. Diese Flasche, verpackt in eine grün-weiße Schachtel, steht anschließend über ein halbes Jahr (es war um Weihnachten rum) am Küchenfenster und macht mir
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BayerAG und die Nachhaltigkeit
Sonntag. Geschieht Bayer recht! Eine Prozesslawine rollt auf den Chemieriesen zu. Nachdem Hunderte Landwirte, Gärtner und andere mit Glyphosat kontaminierte Ankläger an Lymphdrüsenkrebs erkrankt und einige mittlerweile schon gestorben sind, nachdem deutlich der Verdacht im Raum steht, dass Monsanto, die Erfinderfima des Pflanzenvernichters, massenhaft Studien bezahlt habe, um die Harmlosigkeit des Teufelszeugs zu belegen, hat ein US-Bundesrichter in Kalifornien nun endlich mehrere hundert Klagen gegen Bayer/Monsanto zugelassen. Seit zwei Jahren hat Bayer alles darangesetzt, Monsanto zu vereinnahmen. Seit Juni 2018 ist der US-Saatgutriese in deutscher Hand. Seit Jahren stehen US-Klägeranwälte mit zahlreichen Sammel- und Einzelklagen gegen Monsanto in der Warteschleife.
WeiterlesenAch Mensch, Irene
Samstag. Begegnungen können traurig und glückvoll und klärend in einem sein. Am Anfang steht eine E-Mail. Des Absenders Frau war meine Freundin Irene Mieth. Wir waren Freundinnen und Kolleginnen und saßen jahrelang am selben Tisch im selben Zimmer. Wir redeten über Gott und die Welt im wahrsten Sinne des Wortes und manchmal auch über Kosmetikprodukte. Der Altersunterschied zwischen uns spielte keine Rolle. Irene war eine schöne, stolze Frau. Sie hatte den Gang einer Königin. Sie hatte das, was ich unter Haltung verstehe. Sie sagte ihre Meinung, sie hatte intellektuell den Durchblick, sie schrieb einige Bücher und sie leistete gute Arbeit.
WeiterlesenSieger
Montag. Etwa dreißig vermummte Jugendliche zertrümmern auf der Champs-Elysées die Fensterscheiben der Weinhandlung Publicis Drugstore. Beim Beutemachen von Wein- und Champagnerflaschen filmen sie sich selbst mit ihren Handys. In Frouard nahe der ostfranzösischen Stadt Nancy werden ein dreijähriger Junge und zwei sechsjährige Mädchen schwer verletzt, als sie während der Siegesfeiern von einem Motorrad angefahren werden. Der Motorradfahrer flüchtet nach Angaben der Behörden. In Saint-Félix in Nordfrankreich stirbt ein Mann in den Dreißigern, als er kurz nach dem WM-Spiel in einen Baum rast.
WeiterlesenLegendenbildung NSU
„Am 4. November 2011 nehmen sich zwei Männer in einem Wohnmobil in Eisenach das Leben – die beiden Neonazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.“ Mit diesem Satz beginnt spiegel.de den ultimativen Aufklärungstext über den NSU-Endlosprozess gegen Beate Zschäpe, der heute nach fünf langen Jahren mit der Urteilsfindung zuende gehen soll. Spiegel steigt also gleich mal mit einer entsetzlichen Unwahrheit ein. Alle Erkenntnisse über den angeblichen Selbstmord der beiden Uwes lassen darauf schließen, dass sie sich eben nicht selbst getötet haben. Genauso wenig, wie die insgesamt sechs (!) jungen, toten Zeugen und Zeuginnen dieses unseligen Prozesses. Aber die Medien schließen sich
WeiterlesenKleine Ergänzung: Pygmalion
Mittwoch. Eine der bekanntesten Künstlermythen aus der Antike ist die in Ovids „Metamorphosen“ erzählte Geschichte von Pygmalion. Der Bildhauer, von den Frauen enttäuscht, verliebt sich in eine von ihm geschaffene Statue, in späteren Adaptionen Galatea genannt. Auf seine Bitte hin wird diese von Venus zum Leben erweckt. Der Mythos ist die poetisierte Version vom Traum des Künstlers von der Beseelung seiner Schöpfung und wurde nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Literatur und Theater immer wieder aufgegriffen, thematisiert und je nach Zeitkontext variiert. (http://www.projekte.kunstgeschichte.uni-muenchen.de/Paragone/legenden_pygmalion.html)
WeiterlesenAm Anfang war Siri
Dienstag. Wir werden mit unseren Erfindungen verschmelzen, glaubt Yuval Noah Harari (Homo Deus). Den zukünftigen Menschen sieht Harari als einen Cyborg, als ein technisch aufgerüstetes Mensch-Maschine-Mischwesen, uns Naturwesen gegenüber zielgerichtet optimiert und den Bedürfnissen einer digitalisierten Welt angepasst. In einer Reportage bringt es kürzlich ein französischer Erfinder auf den Punkt. Er stellt der verblüfften Zuschauerin seine Lebensgefährtin vor: Eine humanoide Roboterfrau. Eine Androidin. Oder besser: Eine Gynoide. Die Lady verfügt über eine menschliche Mimik, kann traurig aussehen und freudig strahlen. Sie hat eine künstliche Intelligenz, durch die sie in der Lage ist, auf ihren Nutzer einzugehen, ihm zu antworten, ihm Fragen zu
WeiterlesenSommerfest der Begegnungen
Sonntag, B.N. Dass Dorle und I. und G. von Tü anreisen, dass die Eisenacher wieder da sind, dass es ein Wiedersehen mit Sabine aus Erfurt gibt, dass J. und A. kommen, die ich seit dem gem. Italienurlaub nicht mehr gesehen habe, dass interessierte / interessante und mir bisher unbekannte Nachbarn dabei sind und Gespräche angerissen werden, die unbedingt weitergeführt werden müssen, dass die gemeinsame Festvorbereitung schöne Momente beinhaltet (ich könnte auch sagen: kostbare), weil PMs und meine Vorstellungen sich ergänzen statt auszuschließen, was für mich eine Luxuserfahrung ist, dass es G. zwar schlecht geht, er aber unter uns ist und zuhört
WeiterlesenGesslers Hut
Freitag. Kaum flattert Chef-Mail rein, haben alle nichts Besseres zu tun, als der enorm brisanten Anweisung Folge zu leisten. Unisono und ohne zu hinterfragen: Die Tür des Stützpunktes hat ab sofort regelkonform verschlossen zu sein, ungeachtet der auf der Hand liegenden Nachteile. Jahrelang war sie von morgens bis abends angelehnt, mit herausgedrehtem Riegel, damit du sie, von oben oder von unten im Anflug, immer in Eile und die Arme immer voller Zeug, mit dem Ellenbogen oder dem Fuß oder einem freien Finger öffnen konntest. Nun heißt es plötzlich, Achtung, Diebstahl! Vorschrift! Einhalten! Solange du da arbeitest, also ewig, hat es
WeiterlesenPlastik
Donnerstag. Der Jangtse ist der dreckigste Fluss der Welt. Er transportiert jährlich 330.000 t Plastikmüll ins Meer. Der zweitdreckigste ist der Ganges mit 115.000 t. Im Vergleich dazu ist der Rhein mit 20-30 t ziemlich sauber und erfreulich schuldlos am Zustand der Meere. Da können wir uns auf die Schultern klopfen. Doch der Müll in Asien ist auch unser Müll. Über Jahrzehnte exportierten wir unseren Plastikabfall nach China. Außerdem kaufen wir viele Produkte made in China. All die schönen, bunten Sachen bei Butlers & Co. … Hergestellt aus Plastik. Nebenprodukt: Plastikabfall. In China und Indien fehlen Strukturen zum Sammeln und
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