Gegenwart

Dienstag. Nach Mitternacht bzw. in den sehr frühen Morgenstunden klingelt das Telefon, es ist PM. Er ist in Eisenach in seiner alten Heimat bei seinen alten Kumpels in seiner alten Kneipe, die jetzt ein Hotel ist, sein Hotel, und er ist glücklich. Ich höre, was er erzählt und die Worte sucht für diese vollkommene Gegenwart oder Gegenwärtigkeit (es geht um Biersorten und ein Straßenfest und irgendeinen, den sie Kennedy nennen), und ich bin es auch. Dass es ihn gibt.

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Vertrauen ade!

Welche Rolle spielen Chemiewaffen in Syrien/Duma, und wer hat sie eingesetzt? Assad war es. Darin sind sich alle einig, weshalb Trump heute Nacht eine Militäroperation gegen das Chemiewaffenprogramm des syrischen Regimes ausrief. An dem Angriff beteiligten sich auch Großbritannien und Frankreich. Nach einer Stunde war alles vorbei. Doch nicht so sicher, dass es Assad war?  Aber auch der begrenzte „Militärschlag“ war #völkerrechtswidrig. Die Untersuchungen der OPCW (Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons) wurde gar nicht erst abgewartet. So erinnert die Berufung auf die „gesicherten Informationen“ der Geheimdienste an die Lügen der Vergangenheit. Und wenn es Assad war, was berechtigt den

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Heute mal anders

Samstag. Heute mal kein PM und kein B.N., sondern arbeiten zu Hause, weil es momentan so viel ist, dass ich kein Land mehr sehe. U.a. beschäftige ich mich gerade  – von „Amts“ wegen – mit den beiden letzten Zeilen vom „König von Thule“ (J.W. Goethe). Sie sind m.E. entweder vermurkst oder zwangsverrätselt: Er sah ihn stürzen, trinken Und sinken tief ins Meer, Die Augen täten ihm sinken, Trank nie einen Tropfen mehr. Keine der zugängigen Interpretationen im Netz oder im vorhandenen Sekundärmaterial meines Bücherregals geht darauf ein. Nur, dass der König, indem er den goldenen Becher ins Wasser wirft, jetzt sein

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In den Augen der Anderen*

Wenn die Leute sich nach mir umdrehen, weiß ich schon Bescheid. Da müssen die gar nichts mehr sagen. Tun die ja sowieso nicht. Die drehen sich um und nageln mich mit ihrem Blick an die Wand. Was die sehen, weiß ich. Was ich sehe, wissen die nicht: Ihre Angst, ihre Abscheu. Ihre Wut sogar. Wut worauf? Das ist das, was ich nie kapiere. Ich tu denen nichts. Ich habe nichts mit denen zu tun. Ich könnte denen egal sein. Ich bin nicht mit Absicht so. Anders. Als sie. Als ich gerne wäre. Vielleicht haben sie Mitleid mit mir und gleichzeitig

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Puigdemont ist kein Rebell

Freitag, B.N. Eindeutig super, wie die Richter vom Oberlandesgericht in Schleswig entschieden haben: Carles Puigdemont wird nicht wegen Rebellion an Spanien ausgeliefert. Es gehe keine Gewalt von ihm aus, schließen sie aus dem konsequent friedlichen politischen Agieren des Katalanen und zerpflücken damit die Argumente ihrer spanischen Amtskollegen. Und ich fahre gleich nach Köln zu meinen Lieben!

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Friedlich

Donnerstag, B.N. Den Tag über bei meiner Mutter gewesen. Es geht ihr schlecht, sie ist sehr schwach, liegt im Bett, ihr Blick ist irgendwie nach innen gerichtet (wie damals bei meinem Vater). Sehr wache Momente zwischendurch. Es stört sie, wenn ich mit der Pflegerin quatsche. Meine Mutter und ich reden kaum was. Es geht nicht, weil sie so gut wie nichts hört, und es ist auch nicht nötig. Ich frage sie, ob ich ein bisschen arbeiten darf. Ja, gerne, sagt sie und lächelt, es dauert ein bisschen, bis die Frage zu ihr durchgedrungen ist, und ich weiß, dass sie sich

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Vorschau

Karfreitag, B.N. Aus dem Interview mit Arsène Verny: „Durch die Trauererfahrung verschieben sich die Relationen nachhaltig. Vieles, was mich früher brennend interessiert hätte, kommt mir heute so profan vor. Gäbe es eine Wichtigkeitsskala von 1 bis 10, dann würde ich sagen, bis 6 ist alles weg. Das meiste erscheint mir lächerlich unwichtig. Man erkennt plötzlich den Verlust dieses Grundgefühls ‚Das kann mir nicht passieren‘. So lange ich denken kann, habe ich angenommen, wem auch immer der Dachziegel auf den Kopf fällt, mich trifft er nicht. Und genau dieses Denken erweist sich plötzlich als Irrtum! Es gibt für nichts eine Sicherheit.

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March for our Lives

Eine Millionen Teilnehmer der Anti-Waffen-Demo werden dieses Wochenende in Washington erwartet. Der March for our Lives gilt schon jetzt als das größte Polit-Event in der jüngeren amerikanischen Geschichte. Angeführt wird die Großkundgebung von einer Gruppe überlebender Schüler*innen des Parkland-Amoklaufes am 14. Februar 2018. In nur einem Monat ist aus ihren öffentlichen Protesten eine landesweite Bewegung geworden. So fanden Massenkundgebungen auch in Chicago, Boston, Philadelphia, Miami, Minneapolis, Houston, Los Angeles sowie in New York statt. Vor dem Trump-Tower hielten Aktivisten selbstgemalte Schilder hoch: „Wenn unsere Führer sich wie Kinder verhalten, müssen Kinder führen.“ Wie wahr! Endlich wachen sie auf, die Jugendlichen, und lassen

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Langsam machen

Samstag. Sonne! Hat mich gestern noch ein Hagelschauer direkt auf dem Heimweg erwischt und mit Graupeleis überzogen, ist heute der Frühling da. Mit Susanne und Anne treffe ich mich am Affenberg, was trinken, quatschen, News austauschen. Zum ersten Mal in diesem Jahr sitzen wir im Freien. Samstagsfeeling in Tübingen: Viele Leute treffen (auch ein paar, wo ich nicht so scharf drauf bin), entspannt die Lage checken. Entschleunigung, endlich! Mit Anne verabrede ich einen Atelierbesuch bei einer ihrer Künstlerkolleginnen, die wunderschöne, großformatige Bilder malt. Morgen fahre ich nach B.N., und alles, was vorher noch zu erledigen ist, mache ich jetzt zur

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