Am Anfang war Siri

Dienstag. Wir werden mit unseren Erfindungen verschmelzen, glaubt Yuval Noah Harari (Homo Deus). Den zukünftigen Menschen sieht Harari als einen Cyborg, als ein technisch aufgerüstetes Mensch-Maschine-Mischwesen, uns Naturwesen gegenüber zielgerichtet optimiert und den Bedürfnissen einer digitalisierten Welt angepasst. In einer Reportage bringt es kürzlich ein französischer Erfinder auf den Punkt. Er stellt der verblüfften Zuschauerin seine Lebensgefährtin vor: Eine humanoide Roboterfrau. Eine Androidin. Oder besser: Eine Gynoide. Die Lady verfügt über eine menschliche Mimik, kann traurig aussehen und freudig strahlen. Sie hat eine künstliche Intelligenz, durch die sie in der Lage ist, auf ihren Nutzer einzugehen, ihm zu antworten, ihm Fragen zu

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Sommerfest der Begegnungen

Sonntag, B.N. Dass Dorle und I. und G. von Tü anreisen, dass die Eisenacher wieder da sind, dass es ein Wiedersehen mit Sabine aus Erfurt gibt, dass J. und A. kommen, die ich seit dem gem. Italienurlaub nicht mehr gesehen habe, dass interessierte / interessante und mir bisher unbekannte Nachbarn dabei sind und Gespräche angerissen werden, die unbedingt weitergeführt werden müssen, dass die gemeinsame Festvorbereitung schöne Momente beinhaltet (ich könnte auch sagen: kostbare), weil PMs und meine Vorstellungen sich ergänzen statt auszuschließen, was für mich eine Luxuserfahrung ist, dass es G. zwar schlecht geht, er aber unter uns ist und zuhört

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Gesslers Hut

Freitag. Kaum flattert Chef-Mail rein, haben alle nichts Besseres zu tun, als der enorm brisanten Anweisung Folge zu leisten. Unisono und ohne zu hinterfragen: Die Tür des Stützpunktes hat ab sofort regelkonform verschlossen zu sein, ungeachtet der auf der Hand liegenden Nachteile. Jahrelang war sie von morgens bis abends angelehnt, mit herausgedrehtem Riegel, damit du sie, von oben oder von unten im Anflug, immer in Eile und die Arme immer voller Zeug, mit dem Ellenbogen oder dem Fuß oder einem freien Finger öffnen konntest. Nun heißt es plötzlich, Achtung, Diebstahl! Vorschrift! Einhalten! Solange du da arbeitest, also ewig, hat es

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Plastik

Donnerstag. Der Jangtse ist der dreckigste Fluss der Welt. Er transportiert jährlich 330.000 t Plastikmüll ins Meer. Der zweitdreckigste ist der Ganges mit 115.000 t. Im Vergleich dazu ist der Rhein mit 20-30 t ziemlich sauber und erfreulich schuldlos am Zustand der Meere. Da können wir uns auf die Schultern klopfen. Doch der Müll in Asien ist auch unser Müll. Über Jahrzehnte exportierten wir unseren Plastikabfall nach China. Außerdem kaufen wir viele Produkte made in China. All die schönen, bunten Sachen bei Butlers & Co. … Hergestellt aus Plastik. Nebenprodukt: Plastikabfall. In China und Indien fehlen Strukturen zum Sammeln und

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Kontemplation und Diskurs

Sonntag. Ich liebe wolkengroße Schaumberge auf meinem Badewasser. Das Obstgesicht von Ed Sheeran … ist wie seine Songs. Eigentlich ist mein gestörter Nachbar ein armes Schwein, aber weil er gleichzeitig so ein Kotzbrocken ist, der die Hausbewohner tyrannisiert und allen Angst einjagt mit seinem Cholerikergebrüll und seinem Armehochreißen (und seine Arme haben den Umfang von Walzen), kommt kein Funken Mitleid bei mir auf. Viele Mails und Telefongespräche: Für mein Buchcover darf ich in Absprache mit dem Ch. Links Verlag einen Grafiker meiner Wahl um Entwürfe bitten! Eine Gratwanderung, das Thema ‚Tod‘ gestalterisch so anzugehen, dass es Neugier weckt, aber nicht aufdringlich

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Weitermachen

Samstag. Ja, und in diesem anderen „Amt“ haben sie mir jetzt einen Job angeboten. Das hätte ich als Allerletztes erwartet. Denke nun aber dauernd darüber nach. Warum?, das frage ich mich. Ein „Amt“ ist wie das andere unterm Strich, und mein „Amt“ ist okay. Vielleicht fühle ich mich einfach nur irgendwie geschmeichelt … Ye hat heute ein Date. Endlich sitzt sie nicht nur in ihrem Zimmer, das kommt mir schon ganz rätselhaft vor. PM bleibt dieses WE in B.N., unser Sommerfest vorbereiten … viel, viel Arbeit. Ein WE ohne ihn: blöd. Er fehlt. T. hatte gestern e. Auftritt, schläft noch,

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Hunde schlafen

Freitag. Meine Mädels wollen heute wissen, wie alt ich bin. Ich sage, irgendwas zw. 29 und 70. Sie lachen und fragen nochmal: Nee, echt jeeetzt! Warum das wichtig sei, frage ich sie. Wenn ich mich für einen Menschen interessiere, interessiert mich nie sein Alter. Klar kann ich grob einschätzen, ob jemand jünger oder älter als ich ist – mehr auch nicht. Mit achtzehn war ich in einen Sechzigjährigen verknallt, mit 25 in einen Neunzehnjährigen. Leute, die frei im Kopf sind, behaupte ich jetzt mal, denken nicht in diesen Kategorien. Das Alter ist nämlich eine sehr konventionelle Kategorie. Im Vergleich zu manchen

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Wie mit Gift sehr viel Geld gemacht wird

Montag. Monsanto heißt jetzt nicht mehr Monsanto. Die Bayer AG hat den anrüchigen Namen des Chemie- und Saatgutkonzerns ausgelöscht, seit sie ebendiesen verschluckt hat. Monsanto richtet zwar immer noch genauso viel Schaden an, aber nun unter dem Deckmantel des Leverkusener Pharmakonzerns. Monsanto ist der Erfinder und Vertreiber der alles tötenden Pflanzengifte Agent Orange und Roundup mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat und gleichzeitig des genveränderten Saatgutes, das eben gegen Glyphosat resistent ist! Die Bauern müssen also beides kaufen, denn das Glyphosat bleibt nicht auf den Äckern liegen; es fliegt durch die Luft und vernichtet alles, was diese Resistenz nicht aufweist. Natürlich

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