Meine Wohnung

Ein Haus oder eine Wohnung ist ein Ich mit vier Wänden, sagte Carolin Emcke im November letzten Jahres bei einem Vortrag in Tübingen. Bin ich meine Wohnung? Ist meine Wohnung ich? Wenn ich nach Hause komme, sind da meistens meine beiden Mitbewohner oder wenigstens einer von ihnen. In der Regel freue ich mich darüber. Wir quatschen etwas und dann geht jeder seines Weges, sprich: in sein Zimmer. Wenn ich mich mal nicht freue und schon weiß, dass ich mich nicht freue, gehe ich direkt in mein Arbeitszimmer und mache die Tür zu. Das ist ein Signal. Niemand würde es wagen,

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Einsamkeitsgesellschaft

Freitag. Wenn ich heute zwei relativ beliebige Beiträge von Spiegel-online zusammen nehme: den grausigen Video über den Tod einer jungen Frau durch ihren geistig verwirrten Freund und den Bericht über das Werk des Ausnahmeautors und maximal Depressiven David Foster Wallace, dann steht am Anfang aller depressiven Zustände und sehr vieler Verbrechen das Grundleiden Einsamkeit. In derselben Spiegel-Ausgabe – Zufall? – erfahre ich, dass die Zahl der Menschen mit Depressionen weltweit rasant ansteigt: Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren 2015 rund 322 Millionen Menschen betroffen, 4,4 Prozent der Weltbevölkerung. Das sind gut 18 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Wie wird

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Kontakt

Sehr komplizierte Kontaktaufnahme zwecks Gewinnung eines potentiellen Interviewpartners mit einem sehr komplizierten Kontaktformular. HATE!, wenn die Technik nicht will, wie ich will. Aber diesen Kontakt will ich …

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Schreibwerkstatt

Dienstag. Ganz konkret wird jetzt die Lesung mit meiner Schreibwerkstatt. Die Mädels und Jungs – ja, mittlerweile haben wir auch einen schreibenden Kerl – sind aufgeregt / nervös. Termin ist der 07. März bei Rosa Lux (Tübinger Buchhandlung). Die Plakate hängen aus, die Flyer sind alle verteilt. Den coolen Entwurf verdanken wir T. und seinem professionellen Know how. Vorhaben nach und nach umzusetzen heißt, sich neue Realitäten anzueignen (Kulturamt …?). Die jährliche Anthologie wird es auch wieder geben. Texte aus der Schreibwerkstatt, diesmal aber auch Texte aus dem Unterricht mit speziellen Schreibaufträgen. Wir sind prominent vertreten …

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Nur Geräusch

Montag. Heute eine Stunde lang Nichtstun. Dasitzen und andere arbeiten lassen. Das ganze Geschrei und Gelaber geht nicht an meine Adresse. Fliegt an meinen Ohren vorbei in andere Ohren. Keine Aufnahme, keine Verpflichtung, keine Aufmerksamkeit, kein Interesse, kein Auge, kein Ohr – ich bin körperlich da und funktioniere ganz legal nicht. Wie angenehm gefühlte tausend Stimmen klingen, wenn sie statt Sätze und Worte und Forderung nur Geräusch sind: wie Krähenkrächzen, Instrumente stimmen, Donnergrollen, Meeresrauschen, Gläserklirren, Windtanzen, Papierrascheln …

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Ewig jung

Sonntag. Ewig Jung vom LTT ist eine gnadenlose Show über das Altwerden in einer Gesellschaft, die reich genug ist, den Alten ihren Spaß zu lassen, aber auch empathiefrei genug, sie ansonsten mit zynischer Ignoranz, versteckt unterm christlich-sanften Freundlichkeitsdeckmäntelchen, in bewährter Weise in Schach zu halten. Fünf alte Schauspieler – alle tragen ihre Originalnamen, zur Freude des Abo-Publikums und aller LTT-Insider – leben in einem ausgedienten Theater und weinen vergangenen Zeiten hinterher. Zuerst denkst du, was für ein seichtes Boulevard: Die Alten haben nichts als ihre Erinnerungen, während Schwester Laura in weißer Kittelschürze mit ihren betagten Schützlingen christlichen Sakropop zum Mitklatschen anstimmt.

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Nochmal alles gut

Diese wunderbaren Briefe, diese Sonne am samtblauen Himmel, dieses unentwegt brummende Handy mit besten Wünschen, diese Fragen und Nachfragen von guten Kolleg*innen, dieser solide volle Kühlschrank, weil die liebsten Freunde heute Abend kommen – das Leben ist schön. Was mir direkt auffällt: Ich hab einiges entschieden, aussortiert, festgehalten, überdacht. Eine gute Bilanz. Die ich mir jetzt ganz ironiefrei mal selbst ausstelle. Mein Vorhaben, heute mit Pokerface durch den Tag zu schreiten … was kümmert mich mein Geschwätz von gestern.

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