Dienstag. Vergangenen Do, als der Artikel über unsere Lesung rauskam, war ich happy. So gut war er! Und so euphorisch. Gekrönt von einem Foto aller Teilnehmer*innen, wie sie da auf dem Sofa hocken, alle Blicke auf den einen gerichtet, der gerade seinen Text liest. Der vierspaltige Artikel mit dem Bild war so groß, dass keiner ihn übersehen konnte. Aber keiner hat ihn gelesen. Keiner sagt was. Die Besprechung, die Lesung, die Vorarbeit, die Zeit, das Engagement – niente! Allerdings wurde ich von der Chefetage aufgefordert, einen Bericht für den Monatsbrief zu schreiben. Stichwort „Außenwirkung“, die will man sich ja nicht
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Elle – Maske und Demaskierung
Sonntag. Elle ist ein Film, der viel Interpretationsraum offen lässt. Er erklärt wenig, spielt mit vielen, vielleicht zu vielen Handlungsmotiven und übertreibt es nicht mit dem Voyeurismus des Publikums. Ich hatte gedacht, der Film geht in die Richtung von Secretary von Steven Shainberg. Dem ist nicht so. Elle ist eher eine (satirische?) Abrechnung mit der französischen Bourgeoisie und ihrem allgegenwärtig drohenden Höhenfall. So hat die Vergewaltigungsszene gleich am Anfang viel weniger eine sexuelle Komponente als eine machtpolitische. Parallel dazu ist die Protagonistin Michèle Chefin einer IT-Firma, die PC-Games entwickelt. Kühl und ausschließlich mit Dollarzeichen in den Augen statt mit Anzeichen sexueller Erregung,
WeiterlesenDer Mond mal wieder
Der Mond hat sich in ein leuchtendes Kissen gekuschelt, da liegt er pfirsichfarben auf blauem Samt, und irgendwie sind das genau die Farben, die ich gerade bei einem Kleid gesehen habe, das mir nicht aus dem Kopf geht.
WeiterlesenAxt und Amok
Freitag. Sind irgendwie gerade ziemlich viele Geistesgestörte mit Äxten unterwegs, um Passanten zu zerhacken. Gestern neun Tote, heute wieder einer … Scheint sehr ansteckend zu sein, diese Geisteskrankheit. Was macht man eigentlich, wenn so einer auf einen zukommt? Was ist der Unterschied zwischen einem jugendlichen Amokläufer und einem erwachsenen Axthacker? Gibt es auch nicht-geistesgestörte Axthacker und Amokläufer? Und was macht den Einzeltäter besser als den mit ideologischer Peergroup im Rücken? Fragen über Fragen ….
WeiterlesenLiveshow
Mittwoch. Lesung gestern Abend ein voller Erfolg. Der Buchladen (Rosa Lux) war gut besetzt, das Publikum wohlwollend & interessiert, was man auch an den anschließenden Fragen gemerkt hat, die Mädels und Junge sehr aufgeregt & hinterher sehr glücklich: Ihre Texte waren angekommen. Lorenzo Zimmer vom Schwäbische Tagblatt zeigte sich einfach nur angetan. Er ist jung und souverän und kann nachvollziehen, dass das, was wir da machen, nicht alltäglich ist. (Wer schreibt, wer arbeitet noch an seinen Texten?) Feeling: Entspannte Wir-unter-uns-Wohlfühlstimmung. Die einführenden Worte, Bestuhlung, Beleuchtung – alles im richtigen Maß. Anschließend zu neunt Pizza essen im Gutenberg, das jetzt Osteria Da
WeiterlesenIch bin ein Mensch, der
Kennt wahrscheinlich jeder, diese Ansagen, die mit den Worten anfangen: Ich bin ein Mensch, der … Wow, denkst du, was kommt denn jetzt, dass die – oder der – das so feierlich einleitet, und dann geht es weiter: … grundsätzlich nichts plant! Oder: … keine Tiere isst! Oder: … die Wahrheit liebt! Ja, toll. Und? Dann plan eben nicht. Iss keine Tiere. Sag die Wahrheit. Tun andere auch. Is eigentlich jetzt nicht so was Besonderes, ey!
WeiterlesenMy Life is My Life
Sonntag, B.N. Ein paar special präzise Sätze der Mitscherlichs: Darüber, wie die unbefangene Aufmerksamkeit, die kreative Phantasie und die geistige Beweglichkeit eines Einzelnen – oder gar eines ganzen Volkes – unterdrückt und verhindert werden, wenn alle Energie der Abwehr des Unbewältigten geopfert wird. Das Glitzern des Morgenlichts auf der bewegten Oberfläche der Ahr, wenn ich aus dem Fenster sehe. Der alte Tisch vom Kalvarienberg-Flohmarkt, den ich nicht gekauft habe, weil PM die besseren Argumente hatte. Die Erinnerung an einen kurzen, aber intensiven Besuch gestern in Godesberg. Das Bild von Wolfgang Kaskeline, das noch fremd an der Wand lehnt und mir
WeiterlesenViel schlimmer
Mittwoch, B.N. Kaum ereignet sich etwas in der Welt, werden wir mit Bildern und schlauen Sprüchen zugespamt. Im Handumdrehen bekommt das Ereignis ein Image: Trump der Trottel, Putin der fiese Strippenzieher … Und ehe ich irgendetwas erfasst habe vom wirklichen Ereignis, von den wirklichen HINTERGRÜNDEN – OMG!, wie old school -, ist es schon mundgerecht durch den Medien-Fleischwolf gedreht. Kauen? Überfüssig! Dass die Interpretationen sehr oft ohne Informationen auskommen, spüren wir inzwischen. Inzwischen sind wir aufmerksamer. Zu viele Fehldeutungen, zu viele unbedachte Zitate, zu viele falsche Bilder – wie etwa beim ZDF-Heute Journal – haben uns schon auf die falsche Fährte gesetzt und
WeiterlesenSchöne Begegnung
Dienstag.B.N. Schöne / herzliche / überraschende Begegnung in Bonn-Bad Godesberg mit einer Leserin meines Blogbeitrags Auschwitz ist überall. Daraufhin hatte sie mich kontaktiert und eingeladen: Sie war jahrelang die Sekretärin und Mitarbeiterin meines Großonkels Wolfgang Kaskeline. Seltsam, über die eigenen Familienangehörigen weiß man manchmal so gut wie nichts. W.K. hat nicht nur gemalt und gezeichnet, er hat auch Geschichten geschrieben und Dokumentarfilme gedreht. Bei Kaffee und selbstgebackenem Käsekuchen stöbern wir in Bildern und Texten von ihm. Ich bekomme ein abstraktes Ölgemälde geschenkt. Es gefällt mir. Ich weiß schon, wo ich es aufhänge. In Familien dominieren oft Gerüchte die Tatsachen, leider …
WeiterlesenRosenmontag
Montag. Auf den Bahnsteigen von Mainz ziehen verkleidete Truppen – Prinzengarden, Monster, Kinderfeen – an unbeteiligt vor sich hin starrenden Reisenden vorbei. Die einen sind im Feier- , die anderen im Arbeits- oder Urlaubsmodus. Läuft so parallel – stehen zwei nebeneinander, sagt der mit der roten Pappnase: ich feiere gerade. Sagt der andere: Ich nicht. Auch in den Regionalzügen sitzen verkleidete Fahrgäste. Sie haben bunte Perücken auf, tragen Raketen oder Besen oder Leitern auf dem Rücken und fahren als Astronaut oder Putzfrau oder Schornsteinfeger von A nach B. Alles ganz peacefull. Die Polizei von NRW hat die Asylanten aufgefordert, sich von Umzügen fern
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