Laut und leise – West und Ost

„Das Lautsein ist uns ausgetrieben worden“, sagt PM. „Wir haben gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen“, sagt Toni Krahl von City im Forum Demokratie*. „Die Künstler, das Publikum und die Stasi haben das Zwischendenzeilenlesen gelernt!“ „Wir haben in Nuancen gedacht und gesprochen“, sagt PM. „Ich bin sicher, dass auch die Rockmusik der DDR zum allmählichen Untergang der Republik beigetragen hat“, sagt Olaf Leitner im Forum Demokratie*. „Warum hätte ich mir die Einheit wünschen sollen? Ich wollte eine demokratische DDR mit Pressefreiheit und Versammlungsrecht“, sagt PM. „Der Westen war oft unsensibel“, sagt PM. *Phoenix, Montag, den 13.10.14

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Grundzweifel. Grundfreude.

Mittwoch. S. ist meine beste und zuverlässigste Freundin. Sie hat mir gestern sowas von aus der Patsche geholfen, das will ich hier gar nicht länger ausbreiten, aber ohne sie hätte ich es unmöglich geschafft. Sie kam für eineinhalb Stunden vorbei, und allein das Wissen, dass sie kommt, hat mich in die Gänge gebracht. (Es gibt solche Aufgaben, die sind mit Schrecken und Ängsten behaftet, die übersteigen meine Kraft, jedenfalls scheint mir das so, die schiebe ich leider immer wieder so lange vor mir her, bis sie mich um ein Haar überwältigen. Immer wieder eine faszinierende Beobachtung: Bloß um ein Haar!)

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Köpfe ab

Dienstag. Was da gerade mit den Kurden geschieht, übersteigt mein politisches Verständnis. Wie ist dieser Rückfall in die primitivste Barbarei – Köpfe abhacken – zu erklären? (Wie kann man einen anderen Menschen töten, ohne Grund töten, so töten?) Und: Welche Rolle spielt die Türkei? Warum heißt ISIS plötzlich nicht mehr ISIS, sondern IS? Die Terrorgruppe bestimmt, wie wir sie zu heißen haben, und die ausländischen Journalist*innen stehn Gewehr bei Fuß? Warum sind die ISIS-Kämpfer aus Europa und Russland die brutalsten? Welches Rollenbild haben junge Männer, wenn sie sich von bluttriefenden Propagandavideos anfixen lassen? Vielleicht ist die letzte Frage die entscheidende.

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Richtig

Alles fühlt sich richtig an. Wenn ich PM’s Schrank aufmache, hängt da meine Jacke, und meine Schuhe stehen in der Ecke. Ich freue mich auf heute Abend, auf alte Freunde aus Eisenach und neue Freunde von hier und auf PM’s Kinder, um Geburtstag mit ihm zu feiern. Wenn ich die Kartoffeln für den Kartoffelsalat aufsetze, ist das das richtige Essen und ich trage die richtigen Kleider und bin am richtigen Ort mit den/dem richtigsten Menschen.

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Une porte condamnée

Samstag, B.N. Eine Stelle, die mich bewegt (aus: Andreas Altmann: Das Scheißleben meines Vaters, das Scheißleben meiner Mutter und meine eigene Scheißjugend, Piper 2011): Im Französischen gibt es den eigenwilligen Ausdruck „une porte condamnée“, wörtlich übersetzt: eine verurteilte Tür. Gemeint ist eine Tür, die unpassierbar ist, blockiert. So ein vernageltes Tor hängt auch bei mir, hängt vor jener Herzkammer, die an meinem Geburtstag verbarrikadiert wurde. Auf ewig. Keine Rosskur, auch keine Schreibkunst, wird sie aufbrechen. Auch nicht der Mensch, der bereit wäre, mich zu lieben, schaffte sie – die Tür, eben dieses Wissen der Wertlosigkeit – aus der Welt. Denn

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Täter und Opfer

Freitag, im Zug. Die emotionale Abgewandtheit des „Täters“ über zwanzig lange Jahre hat natürlich ihre Entsprechung auf der „Opfer“-Seite, diese zu ertragen und gleichzeitig zu glauben, sie durch unermüdliche Bemühungen korrigieren/heilen zu können (was nicht gelingen wird). Die Korrekturbemühungen des „Opfers“ können sogar so weit gehen, ein Buch zu schreiben. (Das, was das „Opfer“ am besten kann.) Ein Buch, um den geliebten „Täter“ endlich gefühlsmäßig zu erreichen. Durch größtmöglichen Aufwand auf der „Opfer“-Seite eine noch so geringfügige Reaktion auf der „Täter“-Seite hervorzurufen – das würde dem „Opfer“, so wie es drauf ist, ja schon genügen. Das „Opfer“ wird immer leer ausgehen.

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Kein Freund

Freitag. Der sexuelle Betrug lässt sich mit dem finanziellen Betrug kaum vergleichen. Deshalb kann man auch nicht entscheiden, was schlimmer ist. Wenn du nach dem sexuellen auch noch den finanziellen Betrug erlebst, ist das jedenfalls die totale Pleite. Die totale Aufkündigung von Respekt und Achtung. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Er hat sich geirrt, sage ich. Er macht es nicht mit Absicht. Immer noch. Immer noch will ich, dass er es nicht mit Absicht macht. Nicht seinetwegen, sondern meinetwegen. Dabei weiß ich es längst besser. So handelt kein Freund, sagt Dr. K. Freund? Welcher Freund? Eine bizarre Bilanz über zwanzig

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Entscheidungen

Donnerstag. Nachmittags Besuch von Petra und M. mit ihren beiden kleinen Kindern. Im Meze zusammen Mittag gegessen, danach hat Petra meine Kleider durchgesehen und konnte einiges gebrauchen. Hab jetzt kaum noch Teile aus meinem „alten Leben“, das tut gut. Meine Sachen an Petra zu sehen, ist schon manchmal komisch, weil sie bei ihr so anders wirken. Am Abend kommt Ulla vom zweiten Stock hoch, und wir quatschen bis ca. 22 Uhr, das heißt, U. quatscht und ich gebe meine Kommentare ab. Sie ist nicht mehr bei der LINKEN wegen deren Haltung zum Islamismus und den damit zusammenhängenden Problemen. Das hat

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