Sonntag. „W.: Ich bin einfach intellektuell ein bisschen müde.“ Steht ganz verblichen auf einem orangenen Zettel aus meinem Zettelkasten. Wer ist W.? Und wann habe ich das aufgeschrieben?
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Überraschung
Da ist sie, meine Überraschung! Eine wunderschöne Lederjacke, graphit, mit rotem Schottenkaro gefüttert, sehr, sehr cooles Design, und PM hat sie mit ausgesucht. Das ist das Schönste daran.
WeiterlesenGelb, grün, blau
Samstag. Die Luft heute wie ein Seidenschal und der Wind nur ein blauer Hauch. Auf dem Balkon leuchten die Herbstastern sonnengelb. Die Wiese ist nach den Regenwochen frisch gemäht worden, jetzt duftet sie saftiggrün herauf. Auf der Hauptstraße viele, viele bunte Autos. Vom Nachbarbalkon fliegt im Zickzackkurs eine Wespe heran, weil es bei mir Marmeladenbrötchen gibt. Frühlings-Déjà-vu. Bereit für Überraschungen.
WeiterlesenNetzwerken macht dreckiges Gefühl
Mittwoch. Wer Karriere machen will, muss netzwerken, heißt es heute auf Spiegel-online (Netzwerken macht ein dreckiges Gefühl, Timo Stukenberg) Zu diesem Zweck geplante Netzwerk-Events seien oft aber so grässlich, dass sich die Teilnehmer hinterher wie befleckt fühlen, körperlich schmutzig – es sei denn, sie halten sich für mächtig. Erzwungene Gespräche mit lauter fremden, potenziell karrierefördernden Leuten: Wer an einer derartigen Veranstaltung teilnimmt und andere Menschen nur unter dem Aspekt kennenlernt, seine persönlichen Jobchancen zu erhöhen, empfinde sich dabei oft als unauthentisch, unmoralisch, schuldig. Dieses Unbehagen sei so stark, dass es sich sogar auf den Körper übertrage, bis hin zum Bedürfnis
WeiterlesenSehr seltsam
Montag. Es ist sehr seltsam, von einem Menschen zu wissen, der dich emotional, finanziell und existentiell vernichten will. Noch seltsamer, wenn dieser Mensch der ist, um den du zwanzig Jahre lang einen never ending Tanz aufgeführt hast wie seinerzeit die Israeliten am Fuße des Horeb um ihr goldene Kalb. Ich finde, der, der geht, nein, der so geht, sollte froh und zufrieden sein, dass er alle Brücken mit Erfolg hinter sich eingerissen hat. Ansonsten soll er für den Rest seines Lebens unsichtbar bleiben. Und die Fresse halten.
WeiterlesenHimmlische Hochzeit
Sonntag, B.N. Die Hochzeit von L. und B. war ein himmlisches Fest. Das meine ich ohne Übertreibung. Nichts hat gefehlt. Nichts war zu viel. Ein Fest zum Eintauchen und Wohlfühlen. Eine wunderschöne Braut. Phantasievoll gestaltetes Outfit in Royalblau und Weiß. Vieles selbstgemacht. Perlen, Bänder, Accessoires. Kreativ statt protzig. Geschmackvoll. Hinreißend. (Meine Tochter!) Einhundert Gäste kamen ins Bürgerzentrum, das wir vorher geputzt und schön dekoriert hatten. Eine Bande von interessanten und interessierten, sozial eingestellten, kommunikativen, sehr entspannten Jungs und Mädels. Jeder war Teil vom Ganzen, trug dazu bei, dass das Fest so war, wie es war, zu Ehren des Brautpaares. Ein Buffet,
WeiterlesenWerkbericht
Das Interview mit C.M.-B. ist fertig. Gestern Abend habe ich es abgeschickt. Die Bearbeitung war extrem schwierig und hat viel Zeit gekostet, fast soviel wie das Interview mit C.B. Es ist erstaunlich, dass die meisten Menschen nicht in vollständigen Sätzen reden (ich übrigens auch oft nicht). Normalerweise fällt das nicht auf, aber die Aufzeichnungen zeigen deutlich diese Ungeduld, dieses nicht zu Ende Sprechen und Denken und mit jedem Halbsatz schon wieder ein neuer Gedanke. Mehrmals musste ich nachfragen, wie er was gemeint hatte. Besonders seine große emotionale Distanzierung verschleiert das Geschehene mehr, als dass sie es klärt. Ein paar Mal
WeiterlesenHeimat III
Sonntag, B.N. Hab geträumt, ich steige auf der Strecke nach Tübingen an einem unbekannten, kleinen Bahnhof aus und weiß nicht weiter. Laufe mit meinem Gepäck in den Ort, wo ich an einem hübschen Haus vorbeikomme, und kann bei der Familie auf dem Sofa übernachten. Das Mädchen untersucht meine Schminksachen, während sie mir von ihren Schulproblemen erzählt. Am nächsten Tag bringen die freundlichen Menschen mich zum Bahnhof, und ich stelle fest, dass ich einfach im Zug hätte sitzen bleiben müssen. Mit welchen Empfindungen werde ich heute Nacht den Schlüssel in die Haustür stecken? Wie wird meine Wohnung nach so langer Abwesenheit
WeiterlesenOst-West-Konflikt
Der amerikanische Schauspieler Richard Kiel ist im Alter von 74 Jahren in einem Krankenhaus in Kalifornien gestorben, sagt der Nachrichtensprecher beim Morgenkaffee. Richard Kiel? Nie gehört. Doch mit dem nächsten Stichwort löst sich das Rätsel: Der Gegner von James Bond in Der Spion, der mich liebte und Moonraker, aaah, der Beißer, der Eisenbeißer, der mit seinem Stahlgebiss alles kaputt beißt und fies grinst und nie redet und immer überlebt, sogar, wenn Gebäude über ihm zusammenstürzen, augenblicklich habe ich ihn vor Augen. Ist das so wichtig, wundert PM sich, dass sie das in den Nachrichten bringen? Im Osten, sage ich, gab es das auch.
WeiterlesenBuch-Challenge
Donnerstag, B.N. Heinz Koch hat mich für die Buch-Challenge nominiert (danke, dass es kein Eiswasser war). Hier zehn von vielen anderen Büchern, die für mich wichtig waren oder es im Moment sind: 1. H. Christof Müller-Busch: Abschied braucht Zeit 2. A. u. M. Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern 3. Marion Brasch: Wunderlich fährt nach Norden 4. Stefan Schwarz: Die Großrussin 5. Daniel Kehlmann: Ruhm 6. Thomas Mann: Tonio Kröger 7. Rafael Yglesias: Dr. Nerudas Therapie gegen das Böse 8. Philippe Djian: Betty Blue 9. Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand 10. Phillip Roth: Der menschliche Makel Beste Grüße an die zehn von mir
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