Promi Big Brother

Dienstag, B.N. In L.’s WG habe ich ein Mädchen kennengelernt, die bei Promi-Big-Brother arbeitet. Sie ist extra für diesen Job nach Köln gezogen (in das Zimmer von dem Typen, der dachte, er wäre während der Zeit weg, jetzt aber gar nicht weg ist und deshalb solange in der Küche schlafen muss!) Sie hat mir erzählt, dass ihr Job darin besteht, jeden Tag acht bis neun Stunden Promi-Big-Brother zu gucken, und zwar die gesamten Aufzeichnungen von einer Kamera. Sie muss alles dokumentieren, was da passiert, und mit Hilfe ihrer Dokumentation wird dann von der Regie entschieden, welche Szenen zusammengeschnitten werden für

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Too cold, too cold …

Montag, B.N. Ich unterbreche jetzt mal meine Arbeit und geh mir eine Jacke kaufen. It’s too cold, too cold for me! Wird ja wohl auch nix mehr mit dem Sommer. Heizen? Im August? Und in meinem Koffer nur die paar Sachen vom Urlaub: Bikinis, T-Shirts, kurze Röcke, weiße Hosen … Ach ja, und drei Paar Sandalen!

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Pink Hotel

Sonntag, B.N. Hab gerade eine schöne Stelle gelesen (PINK HOTEL) … ‚Melancholie‘, dachte ich bei mir, ‚von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit oder Depressivität gekennzeichneter Gemütszustand.‘ Was für ein schönes Wort, das man immer weiterspinnen konnte, das einen zu anderen Wörtern führte, zu ‚Melange‘ und ‚cholerisch‘ beispielsweise, ja sogar zu ‚Liebe‘. aus: Pink Hotel von Anna Stothard, Diogenes 2013 (S.92)

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Von der Arbeitsfront

Samstag, B.N. Wieder ein Interview fertig (C.B.). Sehr langwierig diesmal. Arbeite jetzt seit einer Woche täglich bzw. nächtlich an dem Text, dabei ist das alles nur Nachschliff. Den Originaltext hatte ich schon vor zwei Monaten bearbeitet. Jeder Satz muss wieder und wieder abgewogen werden: Stimmt er so mit C.B.s persönlichem Sprachduktus überein? Passt er in die Aufzeichnungssituation? Ist da zu viel Authentizität? Oder zu wenig? Entspricht die Wortstellung der gängigen Syntax? Wie gehe ich mit französischen oder englischen Termini um, die ihm immer wieder unterkommen, dass der Text verständlich – gerade noch verständlich – bleibt? Nur glatt darf er nicht

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Geburtstag in Köln

L. hat Geburtstag. B. ist auch gerade in Köln, er wohnt solange mit in der WG. Die ist eng, chaotisch und gemütlich. Peaceful. Am liebsten hätte ich mich hingelegt und ein wenig geschlafen. An den Wänden hängen Fotos und Objekte, um das Auge zu beschäftigen. Im Bad gibt es Intensität verleihendes Rotlicht. Die Schuhe baumeln paarweise an Haken in einem Makrameenetz an der Flurwand (geht nur mit Schnürschuhen). Auf dem Dach, unter dem Fenster, wachsen Tomaten, die einer der WG-Bewohner mit viel Liebe betreut. Es ist derselbe, der aus Versehen sein Zimmer untervermietet hat, sodass er nun für eine Zeitlang

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Herrschaftswissen

Am Bahnsteig fragt ein Typ – leere Augen, Bierflasche in der Hand, kaputte Leopardenleggings – , ob der Zug bis Bonn fährt. Ich weiß es nicht und drehe mich zu der Frau neben mir auf der Bank um – ältere Lady mit auffälligen Ohrclips. Sie schweigt, Blick ins Nirgendwo. Fährt der Zug bis Bonn?, frage ich sie, und da nickt sie. Blickt immer noch ins Nirgendwo. Sagt nix. So sind sie, die Leute in diesem katholischen Kurstädtchen. Lassen sich keine Sonntags-, keine Feiertagsmesse entgehen, aber behalten ihr Wissen für sich.

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Fegen für Buddha?

Freitag, B.N. Auf dem Weg zum Bahnhof komme ich an einem Typen vorbei, der die Einfahrt seiner Autowerkstatt fegt. Schaufel in der einen, Besen in der anderen Hand, hockt er am Boden und fegt mit geduldigen Bewegungen – von der Schaufel weg. Buddhistische Übung? Bekifft?

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Explosionen im Kopf

Donnerstag, B.N. Das Buch von Alexander und Margarete Mitscherlich (Die Unfähigkeit zu trauern – Grundlagen kollektiven Verhaltens) lässt mich nicht mehr los. Es ist keins, um sich damit auf den Balkon zu hauen und dann drei Stunden am Stück darin zu versinken. Der Lesevorgang ist hier ein anderer. Einer in kleinen, geradezu homöopathischen Dosierungen. Ich lese immer nur so weit, bis ich von einem Satz oder Gedanken so angefixt bin, dass ich durchatmen und das Buch weglegen muss. Dann warte ich auf die Explosionen im Kopf. Und die kommen … (Was meine große historische Verspätung erklärt: Das Buch hat mir

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Selbsttäuschung

Mittwoch, B.N. Freud sagt: Die Neurose verleugnet die Realität nicht, sie will bloß nichts von ihr wissen. Die spezifisch gehegte Selbsttäuschung zu erkennen und zu überwinden, ist die intellektuelle Aufgabe jedes Einzelnen oder jedes Kollektivs, das von solchen Abwehrvorgängen betroffen ist. Ist die Abwehr zunächst doch eine allgemein menschliche Reaktionsform … (nach: Die Unfähigkeit zu trauern – Grundlagen kollektiven Verhaltens, von Alexander und Margarete Mitscherlich.)

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Eros kommt bis nach Heimersheim

Montag, B.N. Gestern Abend: Weinfest in Heimersheim. Dorothee, eine Freundin von PM, hat mich überredet … Weinfeste sind sonst nicht gerade meine Art von Freizeitvergnügen, also mit Vorbehalten los, in einer aufgekrempelten Hose von PM und hohen Stiefeln und mit schnell nach hinten gegeelten Haaren fürs Coolheitsfeeling. Da ist dann das ganze Dorf in so ein Fest involviert, die Einwohner öffnen ihre Innenhöfe und du kannst essen und trinken oder wie im Mittelalter Messer, Pfeile, Bögen und Lederschmuck kaufen, es gibt eine Bühne, auf der eine Dudelsackkapelle aufspielt, und auf dem Dorfplatz steht ein Holzkohlengrill und lange, mit Sonnenblumen und

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