Dienstag. In zwei Wochen möchte ich nach Israel fahren. Unerträglich ist mir, was hierzulande auf Großdemonstrationen an neuen antisemitischen Ausfällen in vielen Städten passiert und wieder möglich ist. Fast immer ist der Antisemitismus von einer tiefen und beleidigenden Unkenntnis des Judentums geprägt. Gerade als Deutsche möchte ich mich entschieden von judenfeindlichen Äußerungen und von vorschnellen Urteilen über den Staat Israel distanzieren. Dazu ist der Konflikt – nicht nur von unserer Warte aus – historisch zu komplex, zu verwoben und undurchschaubar, um sich ein unbefangenes Urteil zu erlauben. NUR MAL SO ZUR ERINNERUNG: DIE UNABHÄNGIGKEITSERKLÄRUNG DES STAATES ISRAEL, ERSTER TEIL: HISTORISCHE
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Ernst Jandl: Aus der Fremde
Sonntag. Aus der Fremde von Ernst Jandl war eine Privatvorstellung im Zimmertheater anlässlich der Geburtstagsfeier von Jochen K., zu der PM und ich eingeladen waren. Die distanzierende Kraft des Konjunktivs und der dritten Person zieht sich unerbittlich durch das ganze Stück. Am Ende gipfelt sie fulminant – das sei hier vorweggenommen – in dem Tischgebet: „Käme Herr Jesus, wäre er ihr Gast und würde er segnen, was er ihnen bescheret hätte …“ Zwei Personen mittleren Alters, ein Mann und eine Frau, sitzen beim Abendessen und fragen sich gegenseitig so Sachen wie: „Ob er noch etwas wolle?“ „Ob sie tatsächlich satt sei?“
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Freitag. Es ist einfach nicht einfach.
WeiterlesenKleine Feier
Dienstag. Käse, Ciabatta, Tomaten und Oliven, Gurke und Kresse, süße Kuchen und natürlich ein Fläschchen Sekt – alles vom Markt, unter Umgehung des Supermarktes (das ist entscheidend). Heute Abend kommt meine Freundin Susanne. Jede von uns hat auf ihrer Strecke einen Teilsieg zu feiern …
WeiterlesenBotschaft aus dem Off
Finde gerade auf meiner Terrasse ein vom Regen durchweichtes DIN A 4 Blatt mit einer XY-Koordinate und einer wellenförmigen Kurve / Punktelinie. Jemand hat das mit Bleistift gezeichnet. Darunter steht handschriftlich: „Oft kann man die Abhängigkeit auch in Worte fassen.“ Hm. Seltsam. Würde gerne wissen, von wem das ist.
WeiterlesenWeltmeister
Montag, nach Mitternacht. Weltmeister! Zum Glück habe ich es vor dem einen, entscheidenden Tor gerade noch vom Bahnhof nach Hause geschafft. Während der Fahrt stand es 0:0, ein Typ hielt mich auf dem Laufenden, nachdem er mir im Netz einen Anschluss nach Tübingen rausgesucht hatte, weil die ursprünglich geplante Zugverbindung mal wieder geplatzt war. Der Zug war gespenstisch leer wie auch die Bahnhöfe wie auch die Straßen von Tübingen. Ich nahm ein Taxi. Es war der gleiche Taxifahrer wie letztes Mal. Er sagte, Mühlstraße und Neckarbrücke seien schon seit einer Stunde gesperrt wegen der WM-Feiern. Draußen vor den Fenstern explodieren
WeiterlesenSamstag Nachmittag in Köln
Samstag, B.N. PM hätte gerne Munchs Vier Mädchen auf der Brücke oder Manets Spargelbündel oder Liebermanns Rasenbleiche. Die Rasenbleiche würde ich auch nehmen oder Slevogts Weinlaube in Neukastel oder Manets Fischerboot am Strand von Berck. Köln ist nicht nur wegen seiner Sammlungen und Museen eine wunderbare Stadt. Es gibt dort ein Schuhgeschäft nach dem anderen und phantastischen Kuchen und Ausgrabungsplätze von mittelalterlichen Stadtvierteln, und PM kennt sich aus. Er läuft mit mir durch die Straßen und sieht so lässig aus mit seiner gewachsten Barbour-Jacke und seinem rasierten Schädel.
WeiterlesenProgrammatisches
Freitag. Wie weit darf die/der Autor*in sich öffnen, was ihre inneren Vorgänge angeht? Ich denke, sehr weit. Von einer Autorin oder allgemein Künstlerin erwarte ich, dass sie sich zeigt. Das erwarte ich übrigens auch von jeder Freundin, von jedem Freund. Wer nichts von sich zeigt, wer nicht ab und zu mal wenigstens ein bisschen die Hosen runterlässt, langweilt mich ziemlich schnell. Deshalb erwarte ich vorzugsweise von einer Autorin Mut, und wenn schon keine Kamikazegesinnung, so doch eine prägnante Lust am Ausleuchten eigener und fremder Bewusstseinsgrenzen. Im Unterschied zu anderen Menschen sollte die Künstlerin sich bis an die Außenränder des Erfahrbaren
WeiterlesenSommer
Donnerstag. Die Blumen, die ich im Vorbeifahren oder Vorbeilaufen pflücke und mit nach Hause nehme und über der Spüle nach Farben zusammenstelle und auf Länge schneide und in Vasen verteile, zeigen mir, dass es Sommer ist. Bevorzugtes Objekt: Männertreu.
WeiterlesenIm Supermarkt
Mittwoch. Wie ein Mantel, der über mir zusammenschlägt und schwer an den Schultern hängen bleibt, überfällt mich hinterrücks der Überdruss. Ich schiebe den Einkaufswagen weiter, mit der Hüfte, die Hände wollen sich kaum heben. Gerüche in jeder Ecke. Essen, Essen, nichts als Essen. Ich will nichts kaufen, aber es ist nun einmal Fakt, dass mein Kühlschrank leer ist. Milch. Das ist das Wichtigste. Wenn die Milch fehlt, werde ich panisch. Ich packe sie in den Wagen, keine Lust zum Vergleichen und Überlegen, ich nehme die erstbeste und mach, dass ich weiterkomme. Ich brauche Kaffee, Kakaopulver, Jogurt, Butter, Zwieback, Blaubeeren, so
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