Bellevue in Italien

Freitag, Diano Marina/Imperia. Hans-Ulrich Treichel sei, sagt PM, dem ich aus Frühe Störung vorlese, ein Meister des umständlichen Sprechens. Er dagegen liebe den Hauptsatz. Zum Beispiel: Das Meer rauscht. Oder: Das Meer rauscht wie verrückt. Oder allenfalls noch: Das Meer rauscht wie verrückt und unaufhörlich. Kurze, kleine Hauptsätze. Keine Nebensätze. Höchstens einer pro Seite. Das wäre dann ein Überraschungseffekt. Das Rauschen, das verrückt und unaufhörlich ist, kommt vom Meer. So, oder so ähnlich. Das Rauschen kommt durch die halboffene Balkontür, vor der sich hellgelbe Vorhänge bauschen und hinter der sich der Balkon mit seinem weiß verschnörkelten Eisengeländer befindet. Und wenn

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Programmatisches

Dienstag, Diano Marina/Imperia. Immer wieder gelingt es Thomas Mann, Dinge, die er erlebt hat, so umzuschreiben, dass sie „repräsentativ erscheinen“, wie er es programmatisch formuliert. „Es handelt sich nicht mehr darum zu dichten. Das Wichtigste ist das Beobachtete.“ Joseph Roth, Vertreter der neuen Sachlichkeit. Oder, in Abwandlung, Irmgard Keun, zeitweilige Lebensgefährtin von Joseph Roth: „Glanz ist vielleicht gar nicht so wichtig!“

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Schöne Tage in B.N.

Sonntag, B.N. … ein blühender Garten im Morgendunst – frische Brötchen und Mühlhäuser Marmelade aus Thüringen – PM, der sagt: Nawasdenn! – Bücher – Gedankenaustausch – Liegestühle – Wasserplätschern – ein blühender Garten im Sonnenschein – Rindersteak mit Spargel – frische Erdbeeren – PM, der sagt: Abersowasvon! – Shoppen in Bonn – Kunst in Bonn von August Macke – ein alter Friedhof mit August und Elisabeth Erdmann-Mackes Gedenkstein – ein selbstgepflückter Strauß Gladiolen vom Blumenfeld – ein Abendspaziergang – Stille am Ahrufer – neue Kontakte und Inspiration – ein blühender Garten in der Dämmerung – Bouletten mit Salat – frische

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Kapitalismus braucht Krieg

Samstag, B.N. ttp://www.tagesspiegel.de/politik/franziskus-spricht-von-barbarei-papst-der-kapitalismus-braucht-den-krieg/10040764.html Den deutlichen Worten des Papstes ist eigentlich nichts hinzuzufügen: Der Kapitalismus braucht Krieg. Führende Unternehmer, vorzugsweise Männer, befinden sich – so mein persönlicher Eindruck – ihr ganzes Leben lang im Krieg. Opfern sich scheinbar für unser Wirtschaftssystem und bezahlen mit Bluthochdruck, Herzinfarkt, Essstörung, Tablettensucht, Burn out. Aber ich bin mir ziemlich sicher, die finden das total geil. Weil, die kriegen ja was dafür: Geld, Geld, Geld. Ansehen. Öffentlichkeit. Ihre Waffen sind Menschenverachtung, Erpressung, Denunzierung des Gegners im WeltWeitenNetz, klammheimliche Übernahmen, Raub von Know How, von Mitarbeitern, Kunden etc. Eigentlich okay so. Zynisch könnte man behaupten, ihre real-kriegerischen

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Neidisches Deutschland

Donnerstag, B.N. „Wir investieren 4 Milliarden in unser Netz, damit du alles kannst, was du willst.“ Verspricht Vodafone vollmundig und verkündet der Welt seit Mai 2014 in einer groß angelegten Medienkampagne: „New Handset Every Year.“ Ach, ist das schön! Alle Jahre wieder ein neues Smartphone, das ist ja wie Weihnachten forever. Das ist ja geradezu eine Garantie auf Weihnachten. Ich muss bloß bei der Vodafone-Kampagne mitmachen. Schnell Vertrag unterschreiben – und dann kommt das Beste: „Und wir investieren in die neidischen Blicke deiner Freunde …, wenn du jedes Jahr dein neues Smartphone auspackst.“ Wie zum Beispiel das Sony Xperia Z2,

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Eintauchen

Dienstag, B.N. Ich arbeite / schreibe wieder. Das ist wie das Eintauchen in ein Gewässer, auf dem ich seit Monaten vor Anker liege (in einem viel zu kleinen, zu engen Boot) und aus irgendeinem Grund nicht aussteigen konnte. Jetzt also ein erster Schwimmzug. Fingerübungen. Automatisches Schreiben for example. Immerhin: Zielgerichtet. Ich bin unendlich erleichtert.

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High Heels

Donnerstag. Du hast aber hohe Absätze!, sagt die Kollegin A. heute Morgen. Ja, sage ich, und wundere mich über ihren strengen Blick. Ich hab bei der Gelegenheit auch schon mal gesagt: So hoch sind die gar nicht. Oder (bei Plateauschuhen): Die sind vorne auch hoch, das relativiert sich dann. Als müsste ich mich entschuldigen. Fragt sich nur, für was. Als würde das Tragen hoher Absätze ein Vergehen darstellen. Vielleicht tut es das in den Augen der Kollegin. Ich bin auf einmal größer als sonst, größer als sie. Ich mache mich groß, sozusagen. Das klingt nach Täuschung, oder schlimmer noch: nach

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Der Weltbeste

Mittwoch. Ich bin der beste Philosoph der Welt, sagt Rüdiger. So gut wie ich kennt sich kaum einer in der Philosophie aus. Eigentlich bin ich hier schon drüber raus, sagt er. Es gibt da ein Institut in Stuttgart, die interessieren sich für mich, bei denen könnte ich morgen einsteigen. Rüdiger sagt auch: Regie führen ist absolut mein Ding, da könnte ich schon mal was in Richtung Profiliga übernehmen. Manchmal fragt er bei der Sekretärin nach, ob Hollywood heute schon angerufen habe. Das meint er scherzhaft. Das erkennt man an seinem gespielt unscherzhaften Gesicht. Ich hatte das beste Examen meines Jahrgangs,

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2001 – Odyssee im Weltraum

http://www.spiegel.de/einestages/stanley-kubricks-making-of-2001-space-odyssey-a-971834.html Eine Neuauflage des Film-Making-Of von 2001 – Odyssee im Weltraum gibt es nun vom Taschen-Verlag (Das Original hat inzwischen Sammlerwert und kostet 1000 €). 2001 – Odyssee im Weltraum ist für mich nicht nur der beste SciFi aller Zeiten, sondern einer der besten Filme aller Zeiten. Kein anderer Film hat durch seine visuellen und akustischen Eindrücke das Genre künstlerisch und intellektuell so nachhaltig geprägt. Erkennbar ist sein Einfluss auch daran, dass bis heute kaum ein SciFi darauf verzichtet, das unerreichbare Vorbild an irgendeiner Stelle mehr oder weniger gekonnt zu zitieren. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie mein Vater

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Bettina Wegner und Joan Baez

Sonntag. Das Meze und die Kelter sind meine, bzw. unsere Stammkneipen geworden. PM: Die Bettina Wegner war unsere Joan Baez, die kenne ich von Eisenach, von der Annenkirche her, na klar, da ist die aufgetreten, die war so ein bisschen weinerlich, das war der Zeitgeist. Musik weckt ja auch Erinnerungen, du denkst an früher, und da wird eben das eine oder das andere Auge feucht. Darf Musik das, Stimmungen manipulieren? Ist das sogar der erklärte Sinn von Musik? (Dringender Recherchebedarf bei Nietzsche, der sich mit Wagners Musik auseinandergesetzt hat, weil er sie als manipulativ und insistierend betrachtet hat. Beide Werke

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