Donnerstag. Wie bitte? Man denkt noch, sich verlesen zu haben, aber da steht es schwarz auf bildschirmgrau: Im Bundestag werden seit Jahren Daten gespeichert (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/fall-edathy-unmut-ueber-interne-vorratsdatenspeicherung-im-bundestag-a-969541.html). Also die Daten unserer Bundestagsabgeordneten. Es ist die IT-Abteilung von Parlamentspräsident Lammert, die speichert. Alles, was die Abgeordneten schreiben und austauschen und auch, wo sie im weltweiten Netz surfen, ist dokumentiert. Der angebliche Grund für dieses mehr als befremdliche Verfahren: Man wolle technische Fehler korrigieren. Aha! Mein Name ist Hase und ich glaube alles. Wenn das der Grund nämlich wäre, dann wüssten die Abgeordneten ja wohl Bescheid und wären froh und dankbar, dass sich da
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Selbstoffenbarung
Montag. Kann passieren, dass dir einer irgendeine mehr oder weniger blöde Bemerkung / Botschaft zukommen lässt, und dir fällt es plötzlich wie Schuppen von den Augen. Jede Botschaft ist eben immer auch eine Selbstoffenbarung dessen, der sie ausspricht.
WeiterlesenWochenende mit Putin
Sonntag. Ein Wochenende mit zusammen Einkaufen, Kochen (seit wann kann ich mit jemandem zusammen kochen?), Kneipen-Ranking (Kelter oder Meze), Diskussionen über Putin (sind Waffen und Kriege nicht total vorgestrig? Sollte Krieg sich nicht nur noch zwischen wütenden Männern im WeltWeitenNetz abspielen?, so jedenfalls meine Vorstellung), über den Unterschied zwischen Sekt und Prosecco, Ost- und Westvokabular, Design- und Ikeamöbeln und mit weiteren zielführenden Maßnahmen, die persönlichen Ost-West-Beziehungen zu intensivieren. PM’s blaue Augen: Ein offenes Meer.
WeiterlesenSchöne Welt – oder: Tübingen ist nicht Duisburg
Freitag. Tübingen ist schöne Welt – viel Grün, plätschernde Brunnen, freundliche Straßen, krasser Dialekt, unaggressive Taubenbeseitigung, Radfahrer und Fußgänger, die sich die Gehwege teilen (wobei die Radfahrer Helme tragen), ein Schloss, das über Fledermäuse wacht, ein Fluss, der Boote trägt und in der Sonne glitzert, Kinos, Theater, Straßenmusikanten von hoher Qualität und ein fröhlich grüßender Bürgermeister in Jogginghose. Joggt durch die Haaggasse. Die ist auch so. Spitzwegerisch. Trödel und Bücher hinter den Schaufenstern. Frisches Obst, gen- und giftfreies Gemüse in der Kornblume. Der Friseur steht vor der Tür und guckt die Straße hoch, und dann guckt er sie runter. Wo er
WeiterlesenHeimat I
Donnerstag. „Heimat ist, was allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war.“ (Ernst Bloch) Nichtheimat also, nur eine Sehnsuchtsort: Wo gehöre ich hin? Wo ist meine Ladestation? Das Loch, das nie gefüllte … Sie haben einen großen Schaden genommen, sagt Dr. K., mein unermüdlicher Begleiter seit Monaten, so ernst, dass ich bis in meine alleeverklebtesten Schichten erschrecke. Ist mir gar nicht mehr so präsent, diese uralte Geschichte, murmle ich, ist doch Schnee von vorgestern. Und weiß schon, was er nun sagen wird. Ja ja, sagt er. Das macht er manchmal, so ganz wenige Worte, die einen Vorhang aufreißen,
WeiterlesenAbscheulichkeiten
Dienstag. Es gibt so Unternehmungen, da weißt du genau, es wird richtig unangenehm. Aber du musst da hingehen. Es gibt wirklich keinen Ausweg. So einen Termin habe ich gleich. Genauer: In einer Dreiviertelstunde. Der Ordner steckt schon in meiner Tasche. Da hilft es mir auch gar nichts, dass der in hellem Meerblau erstrahlt. Meerblau mit Sonnenglitzern. Karibik, ganz klar! Palmen, Strand, Wattewolken sind auch darauf zu sehen. Die wattigen Versprechen eines Fotodrucks. Hoffentlich fehlt nichts in den Unterlagen. Bestimmt fehlt was. War bisher immer so. Jedes Blatt dokumentiert eine andere Abscheulichkeit. Da ist der Drang, es einfach wegzuschmeißen, immens. Aber
WeiterlesenPink Floyd
Samstag, B.N. Was ich liebe: Auf die Location zuzulaufen – dieses Mal die Bonner Harmonie – und bereits auf der Straße von den Bässen eingefangen zu werden, die durch die Mauern in den sanften Frühlingsabend pumpen. Du weißt noch nicht, was dich erwartet, aber du weißt schon jetzt, dass es großartig wird, und in dem Moment blitzen die Straßenlaternen hinter dem Baumkronenblätterwerk auf. Die nachtschwarzen, mit Plakaten und Künstlerfotos überzogenen Wände, die Kneipe in der Ecke, die Kasse, der Stempel auf den Handrücken: die Echoes spielen Pink Floyd. Wir kommen ein wenig zu spät, die Truppe ist schon voll bei
WeiterlesenFranziska Linkerhand
Freitag, B.N. „Ach Ben, Ben, wo bist du vor einem Jahr gewesen, wo vor drei Jahren? Welche Straßen bis du gegangen, in welchen Flüssen hast du gebadet, mit welchen Frauen geschlafen? Wiederholst du nur eine geübte Geste, wenn du mein Ohr küsst oder die Armbeuge? Ich bin verrückt vor Eifersucht … Die Gegenwart macht mir nicht angst … aber deine Erinnerungen, gegen die ich mich nicht wehren kann, die Bilder in deinem Kopf, die ich nicht sehen kann, ein Schmerz, den ich nicht geteilt habe … Ich möchte mein Leben verdreifachen, um nachzuholen, die lange lange Zeit, als es dich
WeiterlesenKieler Trinktagebuch
Donnerstag, Kiel. Bei Beret: Grappa (Cellini), Linie Aquavit. Kaffee aus der neuen Jura. Neuentdeckung für Nachmittags: Jacobs momente choco Cappuccino. Im Peaberries: Hot Chocolate mit Caramel, Milchcafé Bei City: Eisschokolade Im Kieler Kaufmann (PM ist nachgekommen, zwei Tage wohnen wir im KK): Pro Secco, offener Weißwein, (Silvaner), Campari Im Schwimmbad: Pfefferminztee Im N.i.L.: Campari Bei McCafé: Eiskaffee Im HauptCafé Eckernförde: Eisschokolade Am Hafenkiosk Goldfisch, Schilksee: nichts getrunken, aber: Fischbrötchen „Dänischer Sherry-Matjes“ gegessen (beste Fischbude der Welt, sorry Gosch!)
WeiterlesenDie Holtenauer Straße
Donnerstag, Kiel. Wieder mal in Kiel. Jerome: Leberwurstküsse mag ich nicht. Das muss ich ganz offen sagen. Holtenauer Straße – meine Lieblingsstraße in Kiel Was immer sein muss: Im Peaberries Hot Chocolate mit Caramel oder Milchcafé, dazu Bagel oder Muffin. Alles äußerst schmackhaft! Am besten zu genießen in einem der Standkörbe vor dem Café. Wochenmarkt in Kronshagen: wie aus der Zeit gefallen. Gerüche von Fisch und frischem Brot. Gemüsefarben, Obstfarben. Menschen, die langsam gehen. Ein Bund Möhren für einen Euro. Die Tüte Champignons auch. Schwedenhappen. Krabbensalat. Der Wind jagt die Sonne. Wind gewinnt.
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