Donnerstag. „Du sollst deinen Partner nicht langweilen!“, ist das Credo von Siri Hustvedt und Paul Auster und wohl auch das Geheimnis ihrer Ehe. „Es gibt viele Arten zu leben. Ich habe beschlossen, mit einem Menschen zusammen zu sein, mit dem ich sehr viel teile und der mich immer wieder aufs Neue interessiert“, sagt Siri Hustvedt im ELLE-Interview (April 2014). „Ich suche ein intellektuelles Ego, davon gibt es nicht sehr viele. Ich will keinen Kümmerer und sehe mich auch nicht als eine dem Mann dienende Frau.“ Intellektuelle Menschen sind Jäger und Sammler, ständig auf der Pirsch nach aufregenden Gedanken und neuen Erkenntnissen.
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Loneliness am Montag
Dienstag. Gestern. Um 17 Uhr ist Moni immer noch nicht da. Ich mache das Papier weg und esse die drei Stücke, die ich für uns gekauft habe, hintereinander und im Stehen auf. Donauwelle. Mit Blick aus dem Küchenfenster auf die verregnete B27 und auf meine Loneliness an diesem bemerkenswert beschissenen Montagnachmittag. Eva ist auch nicht da. PM sowieso nicht. Um 17.30 Uhr schreibe ich ihr eine SMS, dass sie unseren Termin (also mich!) NUN DOCH vergessen habe. Sie schreibt unmittelbar zurück, dass sie noch kommt. Ich suche nach etwas anderem Essbaren und finde im Gefrierschrank einen Aldi-Kuchen, den ich schnell
WeiterlesenLesetreffen
Sonntag. Stichwort für das heutige Lesetreffen ist ‚Athen‘. Stress. Ich habs nicht so mit der antiken Mythologie. Was sonst aber sollte man mitbringen, wenn es um Athen geht? Mir jedenfalls fällt nichts ein. In allerletzter Sekunde (und wenige Minuten vor Abgabe meiner Wahlzettel zu Europa-, Kreis- und Kommunalwahlen in der Grundschule um die Ecke) ziehe ich die Lysistrate vom obersten Regalbrett, na bitte, Reclamheftchen mehrerer Jahrzehnte seid Dank! Als Dorle mit Fürst Pücklers Reisebericht durch Griechenland anfängt und mehr und mehr Vergnügen am Vorlesen jener vergangenen Sprach- und Erlebniswelt findet, starre ich noch indifferent auf das Teppichmuster. I.`s Geschichte der
WeiterlesenKunstmuseum und Kulturnacht
Morgens (Frühstück auf der Terrasse): Ich: Die Eva, ja?, die setzt sich zum Denken an den Tisch. Dann sitzt die da mit ihrer Teetasse und guckt einfach vor sich hin und denkt. PM: – Ich: Wie findest du das? PM: Das ist mir eigentlich relativ egal gerade. Ich: Setzt du dich auch zum Denken hin? PM: Ich denke im Schlaf! Mittags (Stuttgarter Markthalle): PM: Da hat man einige Bierchen getrunken und dann gings rauf auf den Großen Hörselberg, und nach einer Weile ist der eine oder andere nicht mehr gewandert, sondern gepurzelt. Nachmittags (Kunstmuseum Stuttgart): Ich: Wo ist denn die
WeiterlesenErkenntnisse
Dienstag. Wenn das absolut Böse (Verrat, Betrug, Illoyalität) durch eine Person in dein Leben tritt, dann ist das ganz allein die Entscheidung dieser Person. Persönliche Gründe mag es für seine Entscheidung geben, aber keine Entschuldigung. Unerreichbarkeit ist ein aggressiver Akt. Unerreichbarkeit, Schweigen sind subtile Formen von Feindschaft. Schlimm, wenn die feindliche Person dir von Liebe spricht. Der Unerreichbare – wie auch das Unerreichbare – wird gerne idealisiert. Je unerreichbarer – kälter – , desto höher das Podest (der vermeintliche König). Das ist die Tragik der Vergeblichkeit. (Dr. K.)
WeiterlesenEisenach
Montag. Am Wochenende waren wir in Eisenach. Kaum angekommen, schenken sehr freundliche, alte Menschen, die PMs Eltern sind, mir eine Kiste voller Bücher. (Eine DDR-Literaturgeschichte. Viel Sekundärliteratur. Ein paar Romane.) Vom Küchenbalkon der freundlichen, alten Menschen sieht man direkt auf die Wartburg. Wir reden nicht nur über Luther. Aber auch, was mir gefällt. Und dass sie mir schwarz-weiße Kinderfotos von PM zeigen, gefällt mir auch. Es gibt Kartoffelsalat und Würstchen, später Kaffee und selbstgemachten Streuselkuchen. Am Abend suchen wir PM’s Freund auf seinem Grundstück am Fuße der Wartburg, doch der ist leider ausgeflogen. Schade. Ich hätte so gerne sein legendäres Kühlhaus
WeiterlesenFlorian, meine Mfg
Sonntag. Florian, meine Mfg von B.N. nach Tübingen, zu den Neuzugestiegenen: Habt ihr was dagegen, die Känguru-Chroniken Teil zwei zu hören?, dann müsstet ihr’s sagen, den ersten Teil kennen wir anderen schon von der Herfahrt, und ich, ich hab den sogar schon zweimal gehört, kennt ihr überhaupt die Känguru-Chroniken? Nee? Die sind voll lustig, also, das ist so ein Typ, ein Autor, der wohnt in Berlin Kreuzberg, und eines Tages kommt sein Nachbar rüber, um sich Eier und Mehl und einen Herd auszuleihen, der ist eben ein Känguru, und das ist kommunistisch angehaucht, weil es mit seiner Mutti in der
WeiterlesenHistorisieren
Samstag, B.N. „Experten sprechen in einem solchen Fall vom ‚Historisieren‘ eines Stoffs: Man tritt einen Schritt zurück, der Dunst des Zeitgenössischen verzieht sich und erlaubt die kühlere Analyse, vorsichtig wird das Thema der hastigen Gegenwart entzogen.“ (Sebastian Fischer, Washington, Spiegel online 8. Mai 2014) Unspektakulär. Schließen sich Kapitel. Die einmal die Aura des Bedeutungsvollen hatten.
WeiterlesenEin Mann, der
Ein Mann, der sich nicht erinnert. Ein Mann der sagt, ich will so bleiben wie ich bin. (Am besten für immer.) Ein Mann, der Gedichte aus Büchern abschreibt und dann verschenkt, als wären sie von ihm. Ein Mann, der sich daran und daran auch nicht erinnert. Ein Mann, der grinst, als er sich dann doch erinnert. Ein Mann der schweigt und mit den Schultern zuckt und schweigt und beklagt, man wisse doch rein gar nichts über ihn. (Ich bin zu gut für diese Welt!) Ein Mann, der sagt, was soll ich denn sagen. Ein Mann der weint, wenn er sich
WeiterlesenVorratsdatenspeicherung – VDS Teil II
Freitag. Ich habe meinen Chef gefragt. Unsere Daten werden auch alle gespeichert. Wo? Na, irgendwo in Stuttgart. Im Kultusministerium. Ach! Im Kultusministerium? Und wer kann da ran, an meine Daten im Kultusministerium? Ich jedenfalls nicht, sagt mein Chef. Dazu bräuchte er ein Passwort, das er nicht habe. Ob denn die Daten, wie im Bundestag, auch nach drei Monaten gelöscht werden?, frage ich. Sie können Ihren Verlauf selber löschen, sagt er. Aber dann müssen Sie im Löschaccount nochmal alles löschen, sonst kann man es wieder herstellen. Und wenn Sie was Verbotenes machen, dann nützt Ihnen auch das nichts. Dann holt die
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