Danke, Kanzler

Dienstag. Egal, was man dem Bundeskanzler alles vorwerfen kann – ich danke ihm ewig, dass er in Sachen Taurus nicht nachgibt. Egal, wie oft Baerbock, Strack-Zimmermann, Hofreiter, CDU-Merz, Pistorius etc. pp. es auch wiederholen: Marschflugkörper bomben uns den Frieden nicht herbei.

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People in the Sun

Sie sieht aus wie Maike, auch wenn ich ihr Gesicht nicht sehen kann. Dieselben schulterlangen Haare, derselbe Gelbton. Und ihr Arm. Maikes schlanke Arme, stundenlang kann sie so sitzen, ohne sich zu regen. Sich aufzuregen. Die Füße nebeneinander auf dem Boden. Auch Maike achtet auf eine gesunde Fußstellung und einen geraden Rücken. Maike ist 800 km weit weg. Dass sie mir bis hierher folgen würde. Das verblüfft mich nun doch einigermaßen. Der erste Tag ist wahrscheinlich der schwierigste. Man muss sich erst eingewöhnen. Sagen hier alle: Erstmal ankommen. Die Speisekarte recht vielversprechend. Ich werde heute Abend eine Rinderroulade essen. Dazu

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Wir können alles. Auch Comedy

Donnerstag. Aufgewacht, und die Welt ist eine andere. Nicht gerade in meiner noch schummrigen Küche, wo ich wie immer hastig ein Frühstück zusammenzimmere, bevor es losgeht. Aber draußen! MAGA als neue Hymne der USA, und  an der Spitze ein talentierter Stand-Up-Comedian mit, wie ich zugeben muss, hohem Unterhaltungswert. Ach, und plötzlich ist ja auch noch die Ampel weg. Der Lotse hat den Leichtmatrosen von Bord geschubst. Und schickt einen auf allen Kanälen fleißig geteilten verbalen Arschtritt hinterher, der an Giftigkeit kaum zu überbieten ist.  (Beschuldigungssalven in the old Style statt Selbstreflexion , genau das, was an der Ampel so unendlich genervt

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Ampeln beim BSW

Samstag. Katja Wolfs pragmatischer Alleingang bei den Thüringer Koalitionsverhandlungen bringt den ersten handfesten BSW-Streit auf den Plan. Und in die Medien, die sich schon die Hände reiben: Ampeln beim BSW, besser kann’s gar nicht laufen. Ob es wirklich um die Corona-Aufarbeitung und die außenpolitischen Positionierungen des BSW geht (mehr Diplomatie statt Waffenlieferungen zur Beendigung des Ukrainekriegs, Nein zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland), oder darum, die CDU vor sich herzutreiben oder als BSW in der Opposition zu bleiben, wissen nur BSW-Interne. Wagenknecht hebt die Zuverlässigkeit und Treue zu ihren Wahlversprechen hervor, die weitreichende Kompromisse wie die des Thüringer Sondierungspapiers ausschließen.

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Spooky

Freitag. Meine neue Freundin Monia nimmt mich mit zu einer Führung in der Georgenkirche. Anschließend genießen wir noch eine halbe Stunde das schöne Herbstwetter und diskutieren die Seltsamkeiten der Stadt. Für ein Jahr war sie meine Kollegin, bis sie den Bettel hingeschmissen und gekündigt hat. Jetzt findet sie als Sozialpädagogin mit akademischem Abschluss keinen Job im unübersichtlichen Dickicht der sozialen Einrichtungen Eisenachs. Kirchliche, private, städtische, es ist alles dabei. Und sie alle suchen dringend Fachkräfte – aber Monia nehmen sie nicht. Superschräg, nicht nachvollziehbar, ein bisschen spooky. Über kurz oder lang ist sie auf dem Absprung nach Bayern zu ihrem

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Schuldgefühle

Dienstag. Irgendwann drängt sich die Realität so massiv vor das Wunschdenken, dass Wegschauen nicht mehr funktioniert.  Dann geht’s nicht weiter. Tatsache ist, dass ich hier die Exotin bleibe, warum auch immer. Ich mache nichts Besonderes, und dennoch wird jede meiner Handlungen voller Misstrauen beäugt, sowohl im beruflichen wie im privaten Umfeld. Was? Das lässt du dir bieten?, staunt mein Bruder, der drei Tage bei uns zu Besuch ist: Warum kündigst du nicht sofort! Da können unsere West-Mitglieder ja mal sehen, was sich aus so einem alten DDR-Bau noch rausholen lässt, sagt eine von der Frauengruppe, der ich seit kurzem angehöre. Sie

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Premiere

Tübingen. Finde ich gut: Messebesuch mit Grund. Ich bereite mich dann mal auf den Gesprächstermin vor. Und da ich gerade wieder in Tübingen bin, hab ich mir ein Buchmesseoutfit zugelegt, einen Hosenanzug von Rich & Royal. Meine persönliche Hosenanzug-Premiere, übrigens. Weshalb das hier auch dokumentiert werden muss. Nicht konservativ à la Merkel, sondern Smart-Chic … ein Outfit mit  Botschaft, sozusagen. Marcel nimmt mich morgen früh mit nach Frankfurt. Wir waren schon zweimal zusammen auf der Buchmesse. Marcel ist büchersüchtig, ich kenne niemanden, der so viele Bücher besitzt wie er. Er verteilt sie auf zwei Häuser, seins und das seiner Schwiegereltern. PM

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Man hat auch schlechte Tage

Scheiße“, sprach der Großherzog, als das Heer vorüberzog. – Und die Herzogin sprach leise: „Scheiße, wirklich, große Scheiße!“ – Und sie hatten beide Recht, Denn das Heer war wirklich schlecht.   Angeblich aus der Feder Goethes als Glosse an SKH Herzog Carl August von Sachsen- Weimar-Eisenach etwa 1780.

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Pazifismus oder Bellizismus – das ist hier die Frage

Ich bin nicht der Meinung, dass man Russland bellizistisch zurückdrängen und auf einen guten Weg bringen kann. Ich bin der Meinung, so unsympathisch mir ein Diktator wie Putin ist, man muss Verhandlungen finden. Das wünsche ich mir beim Ukrainekrieg seit langem. “ Man muss beides versuchen. Man muss beides praktizieren. Verhandlungen führen, als gäbe es keinen Terror, und den Terror mit aller Macht und mit aller Intensität bekämpfen. Und aus diesen beiden Polen entsteht hoffentlich etwas, das dem Frieden näher rückt. Wenn wir die vergangenen 25, 30 Jahre betrachten, dann stellen wir fest: Wir sind vom Frieden, vom Verhandeln immer

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