Unbeirrbarer Frieden

Dienstag. Vielleicht sollte ich weniger hinterfragen, warum die Bedingungen so und so sind, warum die oder der so handelt und nicht anders, warum ich hier und nicht an einem ganz anderen Ort bin. Vielleicht sollte ich genau an diesem merkwürdigen Ort einfach meinen Unterricht abhalten, mein Wissen, so gut ich es kann, weitergeben und mich bemühen, geduldig, friedlich und freundlich zu bleiben. Anstatt mich gegen die Standards aufzulehnen, was sowieso nichts bringt. Vielleicht sollte mir das genügen: Arbeiten und Gutes tun, jeden Tag aufs Neue. Wie es die buddhistischen Meister lehren: Gehe hin, tu deine Arbeit. Das wäre ja auch

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Kleine Welt

Alte Mälzerei Eisenach: Ulrich Grober liest aus seinem neuen Buch Die Sprache der Zuversicht und wird begleitet von dem tollen Jazztrio Americana mit Felix Eckenfelder (Drums) / Nicolas Buvat (Bass) / Sebastian Minet (Gitarre). Wie sie auf der Bühne erzählen, führt ihre musikalische Spur nach Stuttgart und nach Tübingen. Wie klein ist doch …

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Und wieder IS

Sonntag. Amaq, der Nachrichtenkanal der Terror-Organisation Islamischer Staat, erklärt heute: „Der Angreifer auf die christliche Versammlung in der Stadt Solingen in Deutschland gestern war ein Soldat des Islamischen Staates.“ Der Täter wurde in der städtischen Asylunterkunft gefasst. Drei Tote und acht Schwerverletzte gehen auf sein Konto. Solingen feiert in diesen Tagen das 650-Jahre-Stadtfest unter dem Motto: Ein Festival der Vielfalt. Weitere Feste in den Nachbarstädten wurden abgesagt, so auch in Hilden das Fest der Kulturen. Die beiden direkt angegriffenen christlichen Kirchen schweigen. Die Politik ist erschüttert und betroffen. Steinmeier fordert das Ende von Gewalt und Hass (von wem?). Faeser will

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Liebe, oder c‘est la vie

Samstag. Der selbstverliebte Blick in den Spiegel, hervorgerufen durch irgendeinen sensationellen Fummel aus irgendeiner sensationellen Boutique, ist selten geworden. Mir steht nicht mehr alles. Das erleichtert die Qual der Wahl – suche das Gute im Schlechten – und es ist gleichzeitig traurig. Na ja, nicht wirklich traurig. C‘ est la vie, so irgendwie. Wenn ich mir meine liebe L. anschaue und wie viel toller alles an ihr aussieht, freue ich mich an ihrer Schönheit. Ob sie es weiß? Wenn ich es ihr sage, guckt sie genervt. Sie interessiert sich nicht für Mode und für Äußerlichkeiten. Sie setzt in die Praxis

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Optionen

Freitag, Köln. Spontan für 2 Tage nach Köln gedüst. L. hat Geburtstag. Superfreundliche Aufnahme in ihrer WG. Bei allem, was gewöhnungsbedürftig ist, finde ich ihre Art zu leben und zusammenzuleben großartig. Hätte ich mir auch gewünscht, hab ja immer von einer Fortgeschrittenen-WG geträumt. Das bewundere ich am meisten: wie cool und gelassen die Mitbewohner*innen hier bleiben, auch wenn etwas anders läuft als geplant. Bringen sich sofort auf eine andere Spur, sind nicht sauer oder eingeschnappt. Optionen statt Standards. Kriegen wir hin!, höre ich immer wieder. Eine Haltung, die gut tut.

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Lohn

Mittwoch. Das ist die Belohnung für drei Jahre Arbeit: Nach intensiver Verlagsakquise kommen erste schöne Rückmeldungen. Sie machen mir Mut und geben mir die Zuversicht, dass es auch ein schönes Buch werden wird. Noch steht ein Interview aus, doch das ist eine Sache von wenigen Tagen. Und ich spüre schon den Schmerz des Loslassens, der sich gegen Ende immer einstellt. Eine Aufgabe, die mich so lange beansprucht, beschäftigt, begleitet hat, geht ihrem Finale entgegen. Danach habe ich keinen Einfluss mehr. Dann gehört es allen.

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Wiedersehen

Sonntag, Tübingen. Steve und seine Mutter zu Besuch in Tübingen. Gemeinsames Luxusfrühstück im Hotel Krone, Stadtbummel, abends im Alten Fritz in großer Runde mit T. und E., später Kneipen-Hopping Marktschenke – Tangente Jour. Als Steve im Sommer 2014 bei mir einzog, war er im 1. Semester, jetzt macht er seinen Facharzt. Ein bisschen Nostalgie, viele gemeinsame Erinnerungen.  Heftige Debatte zw. Steve und PM über das von Lauterbach geplante Krankenhaussterben, das die beiden schon hautnah und ganz massiv in ihrem Arbeitsalltag zu spüren bekommen. Noch viel mehr trifft es aber die Patient*innen. PM: Bessere Versorgung hieße mehr Empathie, mehr Personal, mehr

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Reisen

Donnerstag, unterwegs. 15 Min. zum Umsteigen. Auf dem Display das Piktogramm eines Laufmännchens. Also laufe ich. Und laufe. Trete endlich aus der Serpentinenendlosunterführung ans Tageslicht, die Viertelstunde ist rum, die Sonne brennt, hier muss es sein. Oder nicht? Ich überquere die sechsspurige Straße, finde nichts, wieder zurück. Kein Hinweis. Dafür einer im neonorangenen Komplettanzug hinter einer Art Tischchen, der weiß Bescheid. Sein Finger zeigt geradeaus. Wie weit?, frage ich.  Haus, sagt er und wiederholt die vage Handbewegung mehrmals: Weiter. Immer, immer weiter. Welches Haus?, schreie ich, wir sind von Häuserblocks umgeben. Haus, wiederholt er. Ich laufe am Steigenberger vorbei, das

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