Lohn

Mittwoch. Das ist die Belohnung für drei Jahre Arbeit: Nach intensiver Verlagsakquise kommen erste schöne Rückmeldungen. Sie machen mir Mut und geben mir die Zuversicht, dass es auch ein schönes Buch werden wird. Noch steht ein Interview aus, doch das ist eine Sache von wenigen Tagen. Und ich spüre schon den Schmerz des Loslassens, der sich gegen Ende immer einstellt. Eine Aufgabe, die mich so lange beansprucht, beschäftigt, begleitet hat, geht ihrem Finale entgegen. Danach habe ich keinen Einfluss mehr. Dann gehört es allen.

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Wiedersehen

Sonntag, Tübingen. Steve und seine Mutter zu Besuch in Tübingen. Gemeinsames Luxusfrühstück im Hotel Krone, Stadtbummel, abends im Alten Fritz in großer Runde mit T. und E., später Kneipen-Hopping Marktschenke – Tangente Jour. Als Steve im Sommer 2014 bei mir einzog, war er im 1. Semester, jetzt macht er seinen Facharzt. Ein bisschen Nostalgie, viele gemeinsame Erinnerungen.  Heftige Debatte zw. Steve und PM über das von Lauterbach geplante Krankenhaussterben, das die beiden schon hautnah und ganz massiv in ihrem Arbeitsalltag zu spüren bekommen. Noch viel mehr trifft es aber die Patient*innen. PM: Bessere Versorgung hieße mehr Empathie, mehr Personal, mehr

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Reisen

Donnerstag, unterwegs. 15 Min. zum Umsteigen. Auf dem Display das Piktogramm eines Laufmännchens. Also laufe ich. Und laufe. Trete endlich aus der Serpentinenendlosunterführung ans Tageslicht, die Viertelstunde ist rum, die Sonne brennt, hier muss es sein. Oder nicht? Ich überquere die sechsspurige Straße, finde nichts, wieder zurück. Kein Hinweis. Dafür einer im neonorangenen Komplettanzug hinter einer Art Tischchen, der weiß Bescheid. Sein Finger zeigt geradeaus. Wie weit?, frage ich.  Haus, sagt er und wiederholt die vage Handbewegung mehrmals: Weiter. Immer, immer weiter. Welches Haus?, schreie ich, wir sind von Häuserblocks umgeben. Haus, wiederholt er. Ich laufe am Steigenberger vorbei, das

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Manipulativ

Mittwoch. Wie die Regierung sich einen abbricht, um den Ukrainer, der 2022 wohl Nord- Stream 1 und 2 zerstört hat, als Russen hinzustellen! Gegen den Profitaucher ist Haftbefehl beantragt worden, doch der ist jetzt in Polen untergetaucht. Regierungsvertreter sprechen von einem „angeblichen Ukrainer“, gar von einer False Flag Operation: Dieser angebliche Ukrainer könne sehr wohl einen russischen Auftraggeber haben. Warum er dann allerdings ausgerechnet in Polen untertaucht, wird nicht erklärt. Seit dem Anschlag auf die Pipelines lautet das offizielle Narrativ: Die Russen waren es. Nennt man so ein kollektives Unterbinden der Wahrheit über verschiedene Länder und Behörden hinweg nicht Verschwörung?

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Mögen

Montag. Die sog. Langzeitarbeitslosen sind noch gar nicht so lang ohne Arbeit. Sie sind zwischen 17 und 24 und sind eine ganz bezaubernde Gruppe von etwas desorientierten, von ihrer Umwelt durchgeschüttelten und aus dem Konzept gebrachten, zum Teil wahnsinnig interessierten Jungs und Mädels. An diesem Vormittag lerne ich viel von ihnen. Sie von mir auch. Kurdische Jugendliche sind fast immer dreisprachig: Kurdisch, Arabisch und Deutsch. Keine*r von ihnen ist freiwillig hier, geschweige denn gerne. In der Pause zeigen sie mir Bilder von kurdischen Hochzeiten im Vergleich zu arabischen Hochzeiten und Webseiten mit funkelnden kurdischen Festkleidern. Die kann man mieten, für

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Erwartung

  Samstag. Frühmorgens, wenn die Wartburg noch im Nebel liegt die Sonne die Häuserfassaden zum Leuchten bringt, die noch ausgepackten Sachen vom Einkaufsbummel in Erfurt den Flur verstellen – ein Staubsauger, ein Schirmständer, Tassen, kein Paar Schuhe – PM noch schläft und vielleicht von seiner neuen Hütte träumt, die heute ihr Dach bekommt? weswegen Jochen demnächst aufschlagen wird und später Martina, die Gute, aus Berlin Angereiste, die freundlicherweise morgen den 101-jährigen übernimmt; und ich an meinen Lehrauftrag denke, drei noch unbekannte Klassen, fünfzig bis sechzig noch unbekannte Gesichter, Neustart dazu: Erwachsene, die bisher nicht viel Glück im Leben hatten, entscheiden

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Anhängsel

Mittwoch. „Unsere Außenministerin benutzt immer die schöne Formulierung: Gemeinsam mit unseren Verbündeten. Und das heißt dann, wir gucken was die USA machen, und genauso machen wir es auch.“ (R.D. Precht) Wo ist die unabhängige Außenpolitik, die Deutschland noch eine eigene Stimme gibt? Hier mehr davon:  Hören und denken, danke!

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