Tage im Juni

Sonntag. Von irgendwoher ein Posaunenchor, ein Hund bellt, Blätter rauschen im Wind, ein Vogel wird kurz mal laut. Sommerimpressionen in Eisenach – ich habe mir einen neuen Liegestuhl bestellt. Den haben wir eben ausgepackt, und jetzt ab zum Sommer auf dem Balkon. Es gibt nichts Schöneres: in der Sonne liegen, Geräuschen lauschen, nichts tun. PM hat sich die nächste Maschine zugelegt. Sie spaltet Holz, Scheit um Scheit legt er ein, es kracht kurz, nächster Scheit. Ich dämmere weg, auf meiner Brust aufgeschlagen Tage im August von Dacia Maraini, der Meisterin des reduzierten Schreibens. Es ist Sommer, es regnet nicht, es sind

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Hundertundeins

Mittwoch. Es ist sein 101. Geburtstag. Regen. Für den ganzen Tag ist Regen angesagt. PM starrt an die Decke. Kaffee kochen. Tisch decken. Was der Alte sich so wünscht. Steh jetzt auf. Ich hole den Kuchen ab, du holst ihn ab. Hör nicht hin, vergiss alles. Eierlikör? Aromatique? Augen zu und durch.  Zucht und Ordnung haben Preußen groß gemacht (O-Ton Papa). Wir kriegen das hin.

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Erst Waffenstillstand, dann Wiederaufbau

S. Wagenknecht: „[…] Wer die Rede des ukrainischen Präsidenten bejubelt, der will keinen Frieden und nimmt eine weitere Eskalation bis hin zu einem großen europäischen Krieg in Kauf. Denn seine zentrale Botschaft war, die Zeit der Kompromisse sei vorbei, jetzt könne es nur noch um einen vollständigen Sieg der Ukraine gehen. Wir fordern stattdessen eine Friedenskonferenz, bei der alle Konfliktparteien mit am Tisch sitzen. Im Pressestatement für die BSW-Gruppe im Bundestag begründet Sahra Wagenknecht, warum das BSW der Jubelveranstaltung für Selenskyj im Bundestag ferngeblieben ist und warum eine Konferenz zum Wiederaufbau einen Waffenstillstand voraussetzt, wenn man nicht Steuermilliarden in einem

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Tübinger Impressionen

Samstag, Tübingen. Mit Mecki bei Weinhaus Beck abgehangen. Neben uns Thommy Kuhn, der  sich freundlich nach meinem aktuellen Buchprojekt erkundigt. Er ist Teil des Vorgängers Lass uns über den Tod reden gewesen, er ist der am wenigsten abgehobene Promi der Welt, einfach ein sehr liebenswürdiger, in sich ruhender Mensch, der kein Gespreize und Gestelze nötig hat. Ich sehe viele altbekannte Gesichter auf dem Marktplatz, ich merke den Abstand, und trotzdem bin ich ein Teil von Tübingen. Das freut und beunruhigt mich zugleich, aber der Cappuccino von Beck ist einfach nur great.

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Dorayaki

Freitag, Tübingen. Weil Dorayaki in fast jedem Roman aus Japan eine Rolle spielen, bestelle ich mir welche. Ich will endlich wissen, was es damit auf sich hat. Vicky, mit der ich im An An sitze und die japanisch/tailändische Küche genieße und einen der seltenen sonnigen Abende in diesem komischen Frühjahr, lehnt dankend ab. Auch die japanische Bedienung meint, Dorayaki schmecke ihr nicht, aber ihr schmecke sowieso nichts Süßes. Nun gut. Wir warten ca. 2 Minuten, dann kommen die Pfannkuchen mit süßem Bohnenmus. Convenience Food muss nicht grundsätzlich schlecht sein und das Hauptgericht war auch gut. An diesem Nachtisch aber ist

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Abgestraft

Mittwoch. Die Rechten auf dem Vormarsch in vielen europäischen Ländern, Neuwahlen in Frankreich: das ist die Abstrafung einer Kaste, die sich vom Volk entfernt hat, so die französische Politikwissenschaftlerin Dr. Claire Demesmay: „Viele fühlen sich nicht ernst genommen von den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in Paris. Zumindest haben sie den Eindruck, der Präsident versteht sie nicht, weil er auf einem anderen Planeten lebt.“ Ihr Fazit lässt sich wohl auch auf andere europäische Staaten übertragen. Und immer noch fällt der Ampel nichts Besseres ein als auf ihre politischen Gegner*innen einzudreschen, so wie SPD-Klingbeil, der die AfD-Weidel am Wahlabend wütend über ihren Wahlerfolg

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Schlafen

Dienstag. Alle drei haben eine 1 kassiert. Mit Fachkenntnis, flüssiger Rede und Eloquenz überzeugen sie uns, die Prüfungskommission. Und ich denke bei mir, während ich auf ihre Antworten zu reagieren versuche und die nächste Fragen stelle: Die Mühe hat sich gelohnt. Sie sind gut!, jeder auf seine Art. Ich muss gar nicht groß kämpfen, die Große Vorsitzende zieht mit und ist zufrieden. Ich auch, und dann Handschlag einer nach dem anderen, und sie marschieren aus dem Prüfungsraum. Das kenne ich noch vom alten „Amt“, da werde ich immer auch ein bisschen melancholisch, weil ich sie vielleicht nie mehr wiedersehe. Anschließend stehe

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Ich freu mich

Sozusagen grundlos vergnügt . Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit. Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit, Wenn Heckenrosen und Holunder blühen. – Daß Amseln flöten und daß Immen summen, Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen. Daß rote Luftballons ins Blaue steigen. Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen.. Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht Und daß die Sonne täglich neu aufgeht. Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter, Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn.

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Falsches Lachen richtig verstanden

Im Berliner Abgeordnetenhaus geht es um den Mord an dem Mannheimer Polizisten Rouven Laur, der im Rahmen einer islamkritischen Veranstaltung am 31.05.24 Dienst gemacht und sein Leben verloren hat. „Ist Mannheim tot?“, unterbricht launig die Grünenabgeordnete Tuba Bozkurt die Rede von Innensenatorin Iris Spranger und erntet für den Gag spontanes Gelächter von ihren Parteifreund*innen. In den Rängen des Abgeordnetenhauses sitzen auch Kolleg*innen des ermordeten Polizisten. Was in ihnen wohl in dem Moment vorgegangen ist? Anschließend entschuldigt Bozkurt sich auf Social Media für den Faupax. Es ist aber gar kein Faupax. Es ist auch kein Irrtum. Und deshalb auch nicht zu

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