Ich rege mich nicht auf …

Dienstag. dass die Ukraine mit Kanzler-Zustimmung Waffen aus Deutschland gegen militärische Ziele in Russland abfeuern darf, dass nur einen Tag zuvor die US-Regierung der Ukraine erlaubt hat, amerikanische Waffen gegen Militärziele auf russischem Gebiet einzusetzen, dass Rheinmetall als neuer Sponsor bei Borussia Dortmund einsteigt – nachdem die Fohlen von Mönchengladbach den Deal mit dem Düsseldorfer Waffenhändler ausgeschlagen haben ( BVB-Trikots zukünftig mit Panzeraufdruck?), dass der Mannheimer Anschlag auf einen Islamkritiker, bei dem ein Polizist ermordet wurde, die letzte Meldung in den Nachrichten war – ohne Nennung der Herkunft des Täters (Afghanistan) und der Umstände (2014 abgelehnter Asylantrag) – und das,

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Auszeit

Mittwoch. Das lange Wochenende in Weimar hat gut getan. Das Zusammensein mit Frieder, Kathrin, Rainer und Christina auch. Frust bei der Arbeit, ein sinnloser Streit, Prüfungen, tagelange Korrekturen in den letzten drei Wochen sind für die Psychohygiene nicht gerade förderlich. Austausch ist für mich die beste Medizin. Wenn der noch in einem schönen Garten mit Freunden und gutem Essen und seltenen Getränken stattfindet, um so besser. Auszeiten – das ist gerade mein Thema ….

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Manazuru

Donnerstag. Hiromi Kawakami hat in ihrem Roman Am Meer ist es wärmer das lange Ende einer Liebesbeziehung beschrieben. Darüber gibt es schon unendlich viele Bücher, aber Kawakami, die zu den bekanntesten Schriftstellerinnen Japans gehört, fokussiert den Schmerz, die Verletzung, die Eifersucht, den Hass und das Begehren eines Geliebten, der nicht mehr da ist, atmosphärisch in einer solchen Zartheit und Intensität, dass es direkt ins Herz zielt. Rei, der junge Familienvater, ist eines Tages verschwunden. 13 Jahre ist das her, seine Frau Kei hat inzwischen einen anderen Mann gefunden, mit dem sie intellektuell und sexuell zwar gut harmoniert, doch nicht annähernd

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Liebe Grüße

Liebe Grüße, schließt seine belanglose Nachricht ab. Zeigt das unangemessene Wording nach 13 Jahren mir vor allem eins: Es gibt Menschen, um die machst du besser einen ganz großen Bogen. Der deckenhohe Weihnachtsbaum, wie aus dem Himmel gefallen saust er auf mich zu. Verfolgt mich noch heute in schlechten Träumen. Während ich am Boden hocke, um den Platz für die Landung freizuräumen. Und als ich zufällig hochschaue … sein teilnahmsloses Gesicht überm Balkongeländer im 5. Stockwerk … das sind Momente, die du nie vergisst. Liebe Grüße.

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Verdient

Mittwoch. Jenny Erpenbeck hat für Kairos als erste Deutsche den International Booker Prize gewonnen. Ich liebe diesen großartigen Roman über eine hoffnungslose Liebe auf dem Hintergrund einer hoffnungslos missglückten (Wieder)vereinigung zweier deutscher Staaten. Das medienübliche DDR-Bashing fehlt, weshalb die Kritiker der Leitmedien ihre Probleme mit dem Werk hatten. Umso erfreulicher, dass die internationale Kritik es feiert. Was jeden Roman der in Ostberlin aufgewachsenen Autorin zu einem nachhaltigen Leseerlebnis werden lässt: Sie nimmt sich die Zeit, auch verborgenste Gefühlsnischen mit einer Zartheit und Punktgenauigkeit auszuleuchten, dass es einem den Atem nimmt. Ich freue mich für Jenny Erpenbeck… … und jetzt los. 6.30

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Zwiegespalten

Sonntag, Tübingen. Inspiriert und happy bin ich in Tübingen, ein fleißiges Bienchen in Eisenach. Und die Angst, mich irgendwann einmal für eines davon entscheiden zu müssen, treibt mir den Schweiß aus den Poren. Der ewige Zwiespalt zwischen Brot- und Kreativberuf klafft bei mir auch radikal geografisch auseinander.

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Viel

Dienstag. Dann gibt es Tage, da frage ich mich am Morgen, wie das alles reinpassen soll zeit- und kräftetechnisch, und weißt im gleichen Moment, dass bis Mitternacht immer alles geschafft ist, irgendwie. In dem Fall Korrigieren, digitale Noteneingabe, Abgabe der Prüfungsaufgaben für die mündlichen Prüfungen auch noch heute, denn morgen gehts schon wieder nach Tübingen. Ja, das habe ich davon: zum ersten Mal erlebt die Regelschule freiwillige mündliche Prüfungen im Fach Ev. Religion. Eine Bedingung knüpfe ich daran: Jugendbibel kaufen und einmal komplett durchlesen. Um als kirchenfern Sozialisierte nach gerade mal einem Jahr Religion Mose und Jesus nicht zu verwechseln.

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Passt!

Sonntag. Das Essen, die Stimmung, das Wetter – alles passt. Wir sind sehr zufrieden mit uns, und die Verwandtschaft mag unser neues Zuhause. Das freut – und erleichtert – mich. Mit dem Essen mache ich es das nächste Mal genauso wieder (weshalb ich es zur Erinnerung hier notiere): Antipasti vom Blech, Datteldipp, Knoblauchdipp, Mayonnaisedipp, italienischen Nudelsalat mit Mozzarella, Kartoffelsalat, gegrillte Thüringer Bratwürste und die Soljanka – und zum Nachtisch eine riesige Schüssel frische Erdbeeren in Schäumle-Sahnequark. Die Schulklasse ist satt geworden. Die Schnecken bleiben in ihren Löchern, GsD! Die Nachbarn wissen Bescheid und meckern nicht, wenn die Stimmen jetzt anschwellen

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Paradigmenwechsel

Freitag. 22 Leute, das ist ja direkt Schulklassenstärke!, fällt mir mitten in der Nacht ein. Schweißausbruch, Gedankenkarussell, auf jeden Fall kein Weiterschlafen mehr. Den Tag verbringen wir mit letzten Putz- und Verschönerungsaktionen im und ums Haus. Danach Großeinkauf. Morgen ist Familientag. Ich freue mich drauf und denke, dass alles klappen wird. PMs Soljanka ist schon fertig und duftet durchs ganze Haus. Heute Abend noch die Dipps und Salate vorbereitet – ich habe eine To-Do-Liste und liege gut in der Zeit. Dann der Anruf: meine liebe L ist mit dem Lchen und dem Tchen und zwei Freunden auf der Werra unterwegs.

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