Der die das

Mittwoch. Regelschule Klasse 6b: 100% Migrationshintergrund. Thema: Definite und indefinite Artikel. Muttersprache: Arabisch. Im Arabischen gibt es weder definite noch indefinite Artikel. Ich habe nach längerer Zeit mal wieder eine Referendarin, eine ganz tolle übrigens, und darf bei ihr hospitieren. Was sie da macht, ist aber kein Deutschunterricht, sondern Deutsch als Fremdsprache – oder Zweitsprache, kurz DAZ genannt. Wofür sie nicht ausgebildet ist, und ich auch nicht. Von irgendwoher hat sie sich Übungen kopiert, sie gibt sich wirklich Mühe, sie erklärt es gut, den Unterschied zwischen die und eine, aber niemand hört ihr zu. Warum auch? Die Sinnlosigkeit ist so

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To mutch Natur

Dienstag. Statt Spinnenplage (durch Fenstergitter abgewehrt, GSD) jetzt also Schneckeninvasion. Wie in Hitchcocks „Vögel“ – nur eben Schnecken – kriechen sie aus allen Ritzen. Langsam, aber beharrlich, zieht eine ganze Armee aufs Haus zu. Es ist sechs Uhr morgens, eine Stunde noch, dann muss ich los. Ich sehe raus und stelle mir den Slalom vor, den ich gleich vollführen werde, und trotz allem Aufpassen das Drauftreten, dieses Geräusch, diese Schleimkatastrophe.  Als ich das nächste Mal nachschaue, kriechen sie bereits die Hauswand und über die borstige Fußmatte drüber die Fensterscheibe hoch, überall ihre krakeligen, im Morgenlicht glitzernden Ewigkeitsspuren zurücklassend. Was wollen

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Gelungen

Freitag, Bad Nauheim. Nachdem die Bahn den Zug von Frankfurt nach Bad Nauheim einfach mal streicht und mich kurzfristig via e-mail darüber informiert, bleibt mir nichts anderes übrig als die ganze Strecke mit dem Taxi zu fahren. Den Termin schaffe ich knapp. Direkt nach dem Einchecken suche ich mir in dem riesigen, weitläufigen Hotel ein ruhiges Plätzchen, installiere dort schon mal meine Technik, und dann kommt meine Interviewpartnerin. Ihr strahlendes Lächeln (ich finde keine anderen Worte dafür) ist wie die ganze Person vollkommen unprätentiös. Und fokussiert – auf ein flüssiges, unkompliziertes Gespräch. Am Abend fahren wir zusammen mit dem vom

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Werkbericht

Donnerstag. Den Tag damit verbracht, Änderungswünsche in zwei fertige Interviews einzuarbeiten und den Fragenkatalog für das nächste – letzte – Interview mit dem endgültigen Schliff zu versehen: Morgen! In den vergangenen Wochen alle vier Bücher der Interviewpartnerin gelesen und mir viele YouTube-Videos reingezogen. Sie ist gerade ziemlich präsent in den Medien. Kein Wunder, ihr aktuelles, zusammen mit dem Exmann verfasstes Werk ist ein Volltreffer. Und eine literarische Innovation. Das muss man hinkriegen, sowohl von der Idee her als auch in der Ausführung: Jeden Tag ihres gemeinsamen Teneriffa-Aufenthalts schreibt jede(r) einen Text, ohne den des/der jeweils anderen zu kennen. Superspannend, wie

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Smoothie Maker

Ein Süppchen möchte ich machen, diverse Gemüse, Kartoffeln, scharf gewürzt mit einem Tupfer Creme Fraiche oder Kürbiskernöl. Geschält und geschnibbelt ist schon, die zwei Töpfe dampfen, gleich geht es ans Pürieren, aber wo ist der Pürierstab? Ich ziehe sämtliche Schubladen auf, es gibt Momente, da bin ich noch nicht ganz zuhause in der Eisenacher Küche, ich frage PM und der meint: Wir haben keinen. Immer wieder verblüffend, was wir seit der Vernichtung seines Hausstandes durch die Ahrtalflut nicht haben bzw. noch nicht wieder angeschafft haben. Ich bin sauer. Ich möchte die Suppe püriert, nicht stückig. Ich versuche es mit der

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drückdich.com – Das Seidenraupenzimmer

Samstag. Was habe ich hier gelesen? Wer es bis zu den letzten Seiten schafft, dürfte sich auch so fühlen wie ich mich gerade: absolut neben mir, verstört (ist mir zu abgegriffen, heute sind alle immerzu verstört), sprachlos.  Erstmal nichts sagen, Gedanken sammeln. Also: Fast heiter beginnt Seidenraupenzimmer von Sayaka Murata mit Natur, Gebirge, Serpentinen, Autofahrt mit der Familie zu den Großeltern. Steigende Vorfreude auf das Haus, auf das geheimnisvolle Seidenraupenzimmer und noch mehr auf Cousin Yu. Die Protagonistin, Yuki, hat mit ihren zehn Jahren bereits gelernt, sich selbst zu helfen, zum Beispiel, wenn ihr bei den Kurven schlecht wird, im

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Mein Name ist Hase …

Freitag. Dass Islamisten und deren Sympatisant*innen faschistisch und iranische Theokraten faschistisch plus Atombombe & Terror & Frauenhass/Femizide sind, wollen in Deutschland nur wenige wissen … Könnte sehr anstrengende Konsequenzen haben. Mit schlechtem Beispiel allen voran geht Bundespräsident Steinmeier: Jedes Jahr am 11. Februar schickte er dem iranischen Ajatollah ein heimliches Glückwunsch-Telegramm zum Jahrestag der islamischen Revolution im Namen des Deutschen Volkes! Bis ein Reporter die Herausgabe von Kopien der Telegramme einklagte. Er berief sich dabei auf das Informationsfreiheitsgesetz (IFG). Der Klage wurde nicht stattgegeben, doch Steinmeier unterlässt seitdem seine Gratuliererei. Im Mördersystem Iran gab es in 2023  834 Exekutionen.

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Ein Geheimnis von Philippe Grimbert

Donnerstag. Philippe Grimbers Geheimnis schwebt über seinem ganzen Leben. Bis eine wesentlich ältere Freundin endlich anfängt zu reden: 15 Jahre müssen vergehen, damit das Familientabu sich dem Protagonisten in seiner ganzen Tragik offenbart. Erst im Rückblick kann er seine diffusen Phantasien und seine Sehnsucht nach einem älteren Bruder deuten. Dem Buch äußerst zuträglich: Grimbert ist – bei der Familiengeschichte sicher kein Zufall – von Beruf Psychoanalytiker und weiß den Plot von hinten aufzuziehen … Der autobiographische Roman zeigt einmal mehr auf, wie wenig es bringt, Kindern die Wahrheit vorzuenthalten und sie, mit einem Tabu belastet, ins Leben zu entlassen. Die

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Als wäre nichts gewesen

Donnerstag. V., der mir gestern noch wohlgesonnen war, ist heute so aggro und geladen wie eh und je. Die Verbindungen halten nicht oder höchstens für eine Doppelstunde. Danach ist alles weg, als habe es sie nie gegeben. Darin liegt die größte Herausforderung in meinem neuen Job. Was für miese Erfahrungen haben diese Kids bloß gemacht, dass sie so von Misstrauen durchtränkt sind?

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Schwarz oder weiß, das ist hier die Frage

Mittwoch. Als ich meine Mittwoch-Aufsicht mal nicht vergesse und in Slow Motion meine Runden über den Hof drehe, steht V. plötzlich neben mir. Die hat mich ankanackt, sagt er und zeigt gespielt empört auf seinen Fuß. Echt, was heißt das denn?”, stelle ich mich doof. Ich bin Kanacke, grinst das Mädchen mit Kopftuch, das neben V. steht und sich als die Fußtreterin outet. Als ich sie frage, warum sie sich selbst so nennt, meint V., dass er sich selbst auch Nigger nenne, aber das dürfen nur er und sein bester Freund. Weißt du was, V., sage ich zu ihm, ich

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