Freitag, Diano Marina. Wenn Lanz Wagenknecht immer wieder das Wort im Mund herumdreht, nervös mit dem Knie zappelt, sich an einzelnen Worten festbeißt wie ein ausgehungerter Hai, sich auf reine Fangfragen reduziert, lacht anstatt versteht und Wagenknechts Meinung einfach nicht stehen lassen kann, dann liest die Zuschauerin darin die intellektuelle Überlegenheit der promovierten Nationalökonomin gegenüber dem ZDF-Journalisten. Der will sie endlich knacken wie eine faulige Nuss und scheitert doch immer wieder an ihr. Sie war schon so oft bei ihm, sie kann sich auf sich selbst verlassen und gelassen bleiben. Wagenknecht ist eine Nummer zu groß für Lanz.
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Lügner vs. Jammerlappen
Freitag, Diano Marina. Am Strand lese ich PM vor, was Trump (78) und Biden (81) sich beim TV-Duell gestern Abend alles so an den Kopf geworfen haben, und er lacht sich schlapp. Statt Inhalte auszutauschen, ist verbales Prügeln angesagt: „Fremdgänger mit der Moral eines Straßenköters“ versus „Vater eines Kriminellen“, den Lügner-Titel hauen sie sich gleich gegenseitig um die Ohren. Für Biden, laut Trump ein Versager, Trottel, Jammerlappen, der sich besser mal einem Drogentest unterziehen sollte, wächst sich die Debatte zur echten Katastrophe aus. Er scheint nicht mehr Herr seiner Sinne, starrt mit offenem Mund in die Kamera, nicht weil er
WeiterlesenIrgendwas mit Wetter
Freitag, Diano Marina. Zeit für die Liebe im entspannten italienischen Hier und Jetzt. Nur die Sonne lässt auf sich warten. Magnolien und Bougainvillen blühen dieses Jahr verhalten, der Jasmin noch gar nicht. Weshalb es anders riecht als sonst. Seit April sei das Wetter schlecht, jammert die Restaurantchefin beim Frühstück. Manche wollen darin beruhigende Anzeichen in Sachen Klimaerwärmung erkennen. Ich denke an das unglückliche Gesicht meines vorletzten Gesprächspartners Mojib Latif: Verbreitete Fehldeutungen wie diese bringen den leidenschaftlichen Meeres- und Wetterforscher zur Verzweiflung. Das CO2 müsste sich braun einfärben, hat er geseufzt, dann würden die Menschen das Problem begreifen. Wenn bei uns
WeiterlesenJulien Assange ist frei
Mittwoch, Diano Marina. 12 Jahre Haft, davon fünf Jahre Einzelhaft – zuvor gefeiert und mehrfach ausgezeichnet für die Aufdeckung von zahlreichen US-Militärverbrechen in Afghanistan und im Irak – wie gebrochen ist ein Mensch nach dieser Achterbahn und nach dieser unmenschlichen Tortour? Seine Anwältin und spätere Frau Stella Assange, geb. Morris, beschreibt 2022 seine Lage: Pro Tag 22 Stunden in einer etwa drei mal zwei Meter großen Einzelzelle untergebracht, habe er kein Internet, dürfe eine begrenzte Anzahl an Büchern besitzen und eineinhalb Stunden pro Woche unter Beobachtung Besuch empfangen. 2022 heiratet das Paar, Stella hat in den vergangenen Jahren seit 2015
WeiterlesenTage im Juni
Sonntag. Von irgendwoher ein Posaunenchor, ein Hund bellt, Blätter rauschen im Wind, ein Vogel wird kurz mal laut. Sommerimpressionen in Eisenach – ich habe mir einen neuen Liegestuhl bestellt. Den haben wir eben ausgepackt, und jetzt ab zum Sommer auf dem Balkon. Es gibt nichts Schöneres: in der Sonne liegen, Geräuschen lauschen, nichts tun. PM hat sich die nächste Maschine zugelegt. Sie spaltet Holz, Scheit um Scheit legt er ein, es kracht kurz, nächster Scheit. Ich dämmere weg, auf meiner Brust aufgeschlagen Tage im August von Dacia Maraini, der Meisterin des reduzierten Schreibens. Es ist Sommer, es regnet nicht, es sind
WeiterlesenHundertundeins
Mittwoch. Es ist sein 101. Geburtstag. Regen. Für den ganzen Tag ist Regen angesagt. PM starrt an die Decke. Kaffee kochen. Tisch decken. Was der Alte sich so wünscht. Steh jetzt auf. Ich hole den Kuchen ab, du holst ihn ab. Hör nicht hin, vergiss alles. Eierlikör? Aromatique? Augen zu und durch. Zucht und Ordnung haben Preußen groß gemacht (O-Ton Papa). Wir kriegen das hin.
WeiterlesenErst Waffenstillstand, dann Wiederaufbau
S. Wagenknecht: „[…] Wer die Rede des ukrainischen Präsidenten bejubelt, der will keinen Frieden und nimmt eine weitere Eskalation bis hin zu einem großen europäischen Krieg in Kauf. Denn seine zentrale Botschaft war, die Zeit der Kompromisse sei vorbei, jetzt könne es nur noch um einen vollständigen Sieg der Ukraine gehen. Wir fordern stattdessen eine Friedenskonferenz, bei der alle Konfliktparteien mit am Tisch sitzen. Im Pressestatement für die BSW-Gruppe im Bundestag begründet Sahra Wagenknecht, warum das BSW der Jubelveranstaltung für Selenskyj im Bundestag ferngeblieben ist und warum eine Konferenz zum Wiederaufbau einen Waffenstillstand voraussetzt, wenn man nicht Steuermilliarden in einem
WeiterlesenTübinger Impressionen
Samstag, Tübingen. Mit Mecki bei Weinhaus Beck abgehangen. Neben uns Thommy Kuhn, der sich freundlich nach meinem aktuellen Buchprojekt erkundigt. Er ist Teil des Vorgängers Lass uns über den Tod reden gewesen, er ist der am wenigsten abgehobene Promi der Welt, einfach ein sehr liebenswürdiger, in sich ruhender Mensch, der kein Gespreize und Gestelze nötig hat. Ich sehe viele altbekannte Gesichter auf dem Marktplatz, ich merke den Abstand, und trotzdem bin ich ein Teil von Tübingen. Das freut und beunruhigt mich zugleich, aber der Cappuccino von Beck ist einfach nur great.
WeiterlesenDorayaki
Freitag, Tübingen. Weil Dorayaki in fast jedem Roman aus Japan eine Rolle spielen, bestelle ich mir welche. Ich will endlich wissen, was es damit auf sich hat. Vicky, mit der ich im An An sitze und die japanisch/tailändische Küche genieße und einen der seltenen sonnigen Abende in diesem komischen Frühjahr, lehnt dankend ab. Auch die japanische Bedienung meint, Dorayaki schmecke ihr nicht, aber ihr schmecke sowieso nichts Süßes. Nun gut. Wir warten ca. 2 Minuten, dann kommen die Pfannkuchen mit süßem Bohnenmus. Convenience Food muss nicht grundsätzlich schlecht sein und das Hauptgericht war auch gut. An diesem Nachtisch aber ist
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