Fragen

Sonntag, Tübingen. Treffen mit meinen liebsten Freund*innen,  shoppen in den schönsten Geschäften, bummeln über den alljährlichen Haaggassen-Antikmarkt … durch menschenüberlaufene Straßen (Kontrast zu den leeren Straßen in Eisenach) …  Zeit mit Baby Z. verbringen. Was ist der Sinn meines Lebens? Ist Familie das Wichtigste? Was mache ich dann in Eisenach? Und welchen Stellenwert hat Arbeit? Quälende, unbeantwortete Fragen. Die Angst vor falschen Entscheidungen. Ich genieße die Auszeit in meiner Wohnung hoch über der B 27, den Blick auf Laubwald und erblühende Apfelbäume jenseits der Straße an den Hängen des Galgenbergs. Früher, noch vor einem dreiviertel Jahr, mein normales Leben.

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Nordkorea TV für die Kleinsten

Samstag. Bis zur Auflösung der allgemeinen Wehrpflicht verweigerten linke, grüne Antimilitaristen den Kriegsdienst. Darauf war – auch für mich – immer Verlass: der Pazifismus war eine der ethischen Säulen von Grünen und Linken. Der Gamechange kam mit der Ampel: Warum nicht wegen der Ost-Ukraine den Dritten Weltkrieg riskieren? Die grüne Wahnsinnsbotschaft: Mehr Waffen schaffen Frieden. Dass der seit zwei Jahren anhaltende Krieg wie vorausgesehen eskalierend verläuft mit immer mehr Toten auf beiden Seiten, wird als Kollateralschaden behandelt.  Belästigen Sie mich nicht mit Fakten scheint das Motto der Stunde. Die Forderung nach einer Atombombe ist da nur konsequent. Jedes Mittel ist

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Arbeit und Inspiration

Dienstag. Den ganzen Tag mit der Eingabe der VERA-8-Ergebnisse verbracht, was hier Kompetenztest heißt. Wenn ich gewusst hätte, dass mir das nochmal blüht … Nichts ist sinnloser und gleichzeitig arbeitsaufwendiger als diese Art von gleichgeschalteter Kontrolle (nämlich undifferenziert für alle Schularten), die über die Einzelleistung nichts aussagt, eher schon über den Unterricht, aber das hat keinerlei Konsequenzen. Am Abend superinteressante Stadtführung über bekannte Eisenacher Frauen. Allen voran – für mich jedenfalls – Avital Ben Chorin: 1923 als Erika Fackenheim in Eisenach auf die Welt gekommen, mit 13 Jahren ohne ihre Eltern nach Israel ausgewandert und, nach Auslöschung ihrer gesamten Familie

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Die ganze Dummheit in einer Antwort – ein Positionenvergleich

Flak-Zimmermann: „Ich hatte kürzlich ein Streitgespräch mit Margot Käßmann, in dem sie betonte, dass nur die Liebe zähle. Das klingt sehr schön.  Aber in der Ukraine tanzt nicht das Bolshoi Ballett Schwanensee, sondern töten russische Soldaten unschuldige ukrainische Kinder, Frauen und Männer.“ Soweit die Antwort. Und hier das sehr differenzierte Statement von M.K.: Margot Käßmann: Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schrieb Stefan Zweig von der „fast zernichtende(n) Tragik des Pazifismus, daß er nie zeitgemäß erscheint, im Frieden überflüssig, im Kriege wahnwitzig, im Frieden kraftlos ist und in der Kriegszeit hilflos“. Das bleibt mehr als hundert Jahre später zutreffend. Und doch

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Witz des Tages

Der Papst proklamiert Frieden, und alle, alle – Göring-Eckardt, Strack-Zimmermann, Kiesewetter, Wolfgang Thierse, sogar die Präsidentin des Evangelischen Kirchentages 2025 in Hannover Anja Siegesmund – stehen unter Schock. „Mut zur weißen Flagge“ – Frieden – damit fangen unsere Häuptlinge nichts an.

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Hau-Drauf-Heiligtümer

Warum wird ausgerechnet Israel kritisiert? Warum verliert der senile Biden „mit Netanjahu langsam die Geduld“? Weil alle in dasselbe antisemitische Horn stoßen? Im Ramadan soll die Nahostregion brennen – so wünscht es sich die Hamas: Hamas-Sprecher Abu Obaida hat am Freitag in einer Video-Botschaft die Palästinenser dazu aufgerufen, im Fastenmonat zur Al-Aksa-Moschee auf dem Jerusalemer Tempelberg zu marschieren. „Möge der gesegnete Monat Ramadan (…) sich zur maximalen Flutwelle auf den Straßen und Fronten innerhalb und außerhalb Palästinas auswachsen“, sagt er. Den Überfall auf Israel am 7. Oktober, der den Gaza-Krieg ausgelöst hat, nennt die Hamas „Al-Aksa-Flutwelle“. (dpa/afp/ng) Welches Wort verstehen

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Koffer

Sonntag. Überall Koffer. Sie stehen in langen Reihen, der ganze Bahnsteig ist voll davon. Viele sehen aus wie mein Koffer. Wie mein verlorener Koffer. Rot mit schwarzem Griff und schwarzen Ecken. Ich dachte, es sei ein außergewöhnlicher Koffer. Hier werde ich eines Besseren belehrt, alle Welt scheint genau meinen Koffer zu besitzen. Bei genauerem Hinsehen ist es aber nie mein Koffer, denn an meinem Koffer habe ich ein Bändchen befestigt, und das hat keiner. Jedesmal, wenn ich nach meinem vermeintlichen Koffer greife, sehe ich, dass es doch ein anderer ist. Ich bitte PM um Mithilfe, auch er soll Ausschau halten.

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Bücher und Besuche

Samstag. Schönen Nachmittag mit Rolo verbracht. Er kam mit einem Arm voller Bücher, jedes ein Juwel. So viele Kontakte, wie ich hier in einer Woche habe, habe ich in Tü nicht in einem Monat. Ich genieße das gesellige Leben, lasse mich treiben, arbeite dafür nachts bis in den frühen Morgen hinein.

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Buchempfehlung: Die Einsamkeit der Ersten ihrer Art

Mittwoch. So kann Kindheit in Deutschland sein. So ist Kindheit in Deutschland wahrscheinlich ziemlich oft. Amtsdeutsch: Prekariat. Literarisch: Armut, Mülldeponien, gewalttätige Väter, kranke Mütter. Nach Liebe suchende Jugendliche, früh desillusioniert, und dennoch wollen sich ihre Träume behaupten, romantisch und süß, Rosenblätter statt Bierpulle. Die Einsamkeit der Ersten ihrer Art von Matthias Gruber bringt es auf den Punkt. Das Happy End bleibt aus.

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