Mittwoch. Jenny Erpenbeck hat für Kairos als erste Deutsche den International Booker Prize gewonnen. Ich liebe diesen großartigen Roman über eine hoffnungslose Liebe auf dem Hintergrund einer hoffnungslos missglückten (Wieder)vereinigung zweier deutscher Staaten. Das medienübliche DDR-Bashing fehlt, weshalb die Kritiker der Leitmedien ihre Probleme mit dem Werk hatten. Umso erfreulicher, dass die internationale Kritik es feiert. Was jeden Roman der in Ostberlin aufgewachsenen Autorin zu einem nachhaltigen Leseerlebnis werden lässt: Sie nimmt sich die Zeit, auch verborgenste Gefühlsnischen mit einer Zartheit und Punktgenauigkeit auszuleuchten, dass es einem den Atem nimmt. Ich freue mich für Jenny Erpenbeck… … und jetzt los. 6.30
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Zwiegespalten
Sonntag, Tübingen. Inspiriert und happy bin ich in Tübingen, ein fleißiges Bienchen in Eisenach. Und die Angst, mich irgendwann einmal für eines davon entscheiden zu müssen, treibt mir den Schweiß aus den Poren. Der ewige Zwiespalt zwischen Brot- und Kreativberuf klafft bei mir auch radikal geografisch auseinander.
WeiterlesenViel
Dienstag. Dann gibt es Tage, da frage ich mich am Morgen, wie das alles reinpassen soll zeit- und kräftetechnisch, und weißt im gleichen Moment, dass bis Mitternacht immer alles geschafft ist, irgendwie. In dem Fall Korrigieren, digitale Noteneingabe, Abgabe der Prüfungsaufgaben für die mündlichen Prüfungen auch noch heute, denn morgen gehts schon wieder nach Tübingen. Ja, das habe ich davon: zum ersten Mal erlebt die Regelschule freiwillige mündliche Prüfungen im Fach Ev. Religion. Eine Bedingung knüpfe ich daran: Jugendbibel kaufen und einmal komplett durchlesen. Um als kirchenfern Sozialisierte nach gerade mal einem Jahr Religion Mose und Jesus nicht zu verwechseln.
WeiterlesenPasst!
Sonntag. Das Essen, die Stimmung, das Wetter – alles passt. Wir sind sehr zufrieden mit uns, und die Verwandtschaft mag unser neues Zuhause. Das freut – und erleichtert – mich. Mit dem Essen mache ich es das nächste Mal genauso wieder (weshalb ich es zur Erinnerung hier notiere): Antipasti vom Blech, Datteldipp, Knoblauchdipp, Mayonnaisedipp, italienischen Nudelsalat mit Mozzarella, Kartoffelsalat, gegrillte Thüringer Bratwürste und die Soljanka – und zum Nachtisch eine riesige Schüssel frische Erdbeeren in Schäumle-Sahnequark. Die Schulklasse ist satt geworden. Die Schnecken bleiben in ihren Löchern, GsD! Die Nachbarn wissen Bescheid und meckern nicht, wenn die Stimmen jetzt anschwellen
WeiterlesenParadigmenwechsel
Freitag. 22 Leute, das ist ja direkt Schulklassenstärke!, fällt mir mitten in der Nacht ein. Schweißausbruch, Gedankenkarussell, auf jeden Fall kein Weiterschlafen mehr. Den Tag verbringen wir mit letzten Putz- und Verschönerungsaktionen im und ums Haus. Danach Großeinkauf. Morgen ist Familientag. Ich freue mich drauf und denke, dass alles klappen wird. PMs Soljanka ist schon fertig und duftet durchs ganze Haus. Heute Abend noch die Dipps und Salate vorbereitet – ich habe eine To-Do-Liste und liege gut in der Zeit. Dann der Anruf: meine liebe L ist mit dem Lchen und dem Tchen und zwei Freunden auf der Werra unterwegs.
WeiterlesenDer die das
Mittwoch. Regelschule Klasse 6b: 100% Migrationshintergrund. Thema: Definite und indefinite Artikel. Muttersprache: Arabisch. Im Arabischen gibt es weder definite noch indefinite Artikel. Ich habe nach längerer Zeit mal wieder eine Referendarin, eine ganz tolle übrigens, und darf bei ihr hospitieren. Was sie da macht, ist aber kein Deutschunterricht, sondern Deutsch als Fremdsprache – oder Zweitsprache, kurz DAZ genannt. Wofür sie nicht ausgebildet ist, und ich auch nicht. Von irgendwoher hat sie sich Übungen kopiert, sie gibt sich wirklich Mühe, sie erklärt es gut, den Unterschied zwischen die und eine, aber niemand hört ihr zu. Warum auch? Die Sinnlosigkeit ist so
WeiterlesenTo mutch Natur
Dienstag. Statt Spinnenplage (durch Fenstergitter abgewehrt, GSD) jetzt also Schneckeninvasion. Wie in Hitchcocks „Vögel“ – nur eben Schnecken – kriechen sie aus allen Ritzen. Langsam, aber beharrlich, zieht eine ganze Armee aufs Haus zu. Es ist sechs Uhr morgens, eine Stunde noch, dann muss ich los. Ich sehe raus und stelle mir den Slalom vor, den ich gleich vollführen werde, und trotz allem Aufpassen das Drauftreten, dieses Geräusch, diese Schleimkatastrophe. Als ich das nächste Mal nachschaue, kriechen sie bereits die Hauswand und über die borstige Fußmatte drüber die Fensterscheibe hoch, überall ihre krakeligen, im Morgenlicht glitzernden Ewigkeitsspuren zurücklassend. Was wollen
WeiterlesenGelungen
Freitag, Bad Nauheim. Nachdem die Bahn den Zug von Frankfurt nach Bad Nauheim einfach mal streicht und mich kurzfristig via e-mail darüber informiert, bleibt mir nichts anderes übrig als die ganze Strecke mit dem Taxi zu fahren. Den Termin schaffe ich knapp. Direkt nach dem Einchecken suche ich mir in dem riesigen, weitläufigen Hotel ein ruhiges Plätzchen, installiere dort schon mal meine Technik, und dann kommt meine Interviewpartnerin. Ihr strahlendes Lächeln (ich finde keine anderen Worte dafür) ist wie die ganze Person vollkommen unprätentiös. Und fokussiert – auf ein flüssiges, unkompliziertes Gespräch. Am Abend fahren wir zusammen mit dem vom
WeiterlesenWerkbericht
Donnerstag. Den Tag damit verbracht, Änderungswünsche in zwei fertige Interviews einzuarbeiten und den Fragenkatalog für das nächste – letzte – Interview mit dem endgültigen Schliff zu versehen: Morgen! In den vergangenen Wochen alle vier Bücher der Interviewpartnerin gelesen und mir viele YouTube-Videos reingezogen. Sie ist gerade ziemlich präsent in den Medien. Kein Wunder, ihr aktuelles, zusammen mit dem Exmann verfasstes Werk ist ein Volltreffer. Und eine literarische Innovation. Das muss man hinkriegen, sowohl von der Idee her als auch in der Ausführung: Jeden Tag ihres gemeinsamen Teneriffa-Aufenthalts schreibt jede(r) einen Text, ohne den des/der jeweils anderen zu kennen. Superspannend, wie
WeiterlesenSmoothie Maker
Ein Süppchen möchte ich machen, diverse Gemüse, Kartoffeln, scharf gewürzt mit einem Tupfer Creme Fraiche oder Kürbiskernöl. Geschält und geschnibbelt ist schon, die zwei Töpfe dampfen, gleich geht es ans Pürieren, aber wo ist der Pürierstab? Ich ziehe sämtliche Schubladen auf, es gibt Momente, da bin ich noch nicht ganz zuhause in der Eisenacher Küche, ich frage PM und der meint: Wir haben keinen. Immer wieder verblüffend, was wir seit der Vernichtung seines Hausstandes durch die Ahrtalflut nicht haben bzw. noch nicht wieder angeschafft haben. Ich bin sauer. Ich möchte die Suppe püriert, nicht stückig. Ich versuche es mit der
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